Die Arbeitslosigkeit im Harzkreis ist im Januar deutlich gestiegen. Gegenüber dem Vormonat erhöhte sie sich um zwei Prozentpunkte auf 12,7 Prozent. 15 258 Personen waren als arbeitslos gemeldet, 2311 Frauen und Männer mehr als im Dezember. Doch die erste Statistik im neuen Jahr bietet ein unvollständiges Bild.

Halberstadt. Im Rahmen des monatlichen Arbeitsmarktberichtes veröffentlicht die Volksstimme üblicherweise eine Grafik zum Gesamtüberblick. Das ist in diesem Monat nicht möglich. Dirk Michelmann, Geschäftsführer der zum 1. Januar gegründeten KoBa Jobcenter Landkreis Harz, und Joachim Tag, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Halberstadt, bestätigten auf Anfrage der Redaktion, dass bislang keine detaillierten Zahlen zu den einzelnen Personengruppen und der Situation in den Geschäftsstellen der drei Altkreise Halberstadt, Wernigerode und Quedlinburg im Bereich des Sozialgesetzbuches (SGB) II, auch als Arbeitslosengeld II-Empfänger bekannt, vorliegen. Grund dafür seien, so Tag gestern auf einer Pressekonferenz, "noch fehlende Strukturinformationen"; der kurze Zeitraum seit der Fusion von KoBa Wernigerode und den ARGEn Halberstadt und Quedlinburg habe dies nicht ermöglicht.

In beiderseitigem Einvernehmen würden die Daten der Leistungsberechtigten laut SGB II daher in diesem Monat durch die Bundesagentur für Arbeit geschätzt, teilte darüber hinaus das KoBa Jobcenter Landkreis Harz gestern Nachmittag in einer Pressemitteilung mit.

Dennoch stimmen die zurzeit vorliegenden Zahlen bedenklich. Im Januar haben sich bei der Arbeitsagentur (SGB III) 5241 Frauen und Männer als arbeitslos gemeldet, das sind 1414 Personen, fast 37 Prozent, mehr als im Dezember. Bei der KoBa Jobcenter, dem Träger der Grundsicherung nach dem SGB II, waren es fast doppelt soviele Personen (10 017), das heißt, 897 Personen mehr als im Dezember.

Joachim Tag und die Geschäftsführerin operativ der Arbeitsagentur Halberstadt, Heike Schittko, betonten, dass diese Zahlen deutlich unter dem Landesdurchschnitt und auch unter den Januar-Zahlen des Vorjahres liegen, jedoch, wie zu Beginn eines jeden neuen Jahres in der Wirtschaftsregion Harzkreis, ähnliche Ursachen hätten: zahlreiche Kündigungen zum Quartals- und Jahresende, Auslaufen befristeter Arbeitsverträge und vor allem das frostige Wetter, das dem Arbeitsmarkt saisonüblich zusätzlich geschadet habe.

"Trotz der gestiegenen Arbeitslosigkeit zum Jahresbeginn appelliere ich an alle Unternehmen, den Blick auf die demografische Entwicklung nicht zu verlieren und ihren beruflichen Nachwuchs und Arbeitskräfte frühzeitig einzustellen und zu qualifizieren. Nur so kann der künftige Fachkräftebedarf in der Region langfristig gesichert werden", sagte Heike Schittko.

Für Joachim Tag war gestern der letzte Arbeitstag in Halberstadt. Der Lübecker hatte befristet die Halberstädter Arbeitsagentur geleitet und wechselt in selber Funktion in seine Heimatstadt zurück (Volksstimme berichtete).

Heike Schittko, die nach dem Ausscheiden von Barbara Ossyra der Agentur für den Harzkreis bereits schon einmal geschäftsführend vorstand, wird ab heute erneut als amtierende Geschäftsführerin tätig sein.

Als letzte Amtshandlung in der Domstadt gab Joachim Tag einen Gesamtüberblick über die Arbeitsmarktentwicklung im Harzkreis für 2010 (Volksstimme berichtet.)