Mit nunmehr 163 Mitgliedern ist der Kreis der Helfer für Osteuropa noch größer geworden. In Deersheim fand vergangenen Freitagabend die Jahreshauptversammlung des Vereins "Notruf Ukraine – Polizisten helfen" statt.

Deersheim. Es sind mit den Jahren längst nicht mehr nur Polizisten, die sich im Verein engagieren. Heute ist der Verein mit Mitgliedern weit über die Landkreisgrenzen hinaus aufgestellt. Und es kündigen sich weitere Kontakte an. So berichtete Vereinsvorsitzender Ulrich Scholle, dass eine Braunschweiger Gruppe, die Waisenhäusern in Vinica helfen will, eine Mitgliedschaft angefragt hat. Ferner soll es mit einem 200 Personen starken Verein aus der Eifel Ende Februar Gespräche geben, um Kräfte zu bündeln und Hilfstransporte zu koordinieren.

Notruf Ukraine schickte im vergangenen Jahr zwei Transporte – wie immer im Frühjahr und im Herbst – auf die Reise. Er ließ sich dabei auch nicht von keineswegs unüblichen Hemmnissen entmutigen. Im Herbst kam die Zollbefreiung zu spät, wie Scholle berichtete. "Ein Trost hierbei war es auch nicht, dass die Zollbefreiung 14 Tage nach Transportbeginn bei uns einging."

Somit konnten die 40 Tonnen Hilfsgüter nicht in die Ukraine gelangen, sondern wurden im polnischen Oswiecim, wohin der Verein ebenfalls engen Kontakt hat, abgeladen. "Diese Hilfsgüter kommen in den Krankenhäusern um Krakau zum Einsatz", erklärte Ulrich Scholle. Kleinere Mengen Hilfsgüter gelangten aber in der Folge noch ins ukrainische Sambor. "Die Freude hier war groß. Nebenbei wurde uns stolz im Krankenhaus in Sambor der Einsatz unserer medizinischen Geräte vom Frühjahrstransport gezeigt."

"Der Verein konnte einen Gesamtwert von etwa 200 000 Euro verteilen."

Oswiecim erhielt über Pfingsten noch eine weitere Hilfe. Stadtpräsident Janusz Marszalek, ein guter Freund des Vereins, fragte Pfingsten nach einer Hilfe für Flutopfer in Polen. "Innerhalb von drei Stunden stand ein Transport mit zwölf Tonnen dringend benötigter Hilfsgüter wie Gummistiefel, Luftmatratzen, Betten und Bekleidung sowie einer Gulaschkanone bereit." Und auch mehrere Mitfahrer fanden sich spontan. Wie der Hessener Rüdiger Seetge, obwohl er gerade erst vom Frühjahrstransport aus der Ukraine zurückgekehrt war.

"Insgesamt haben wir 2010 zwar keinen Rekord beim Transportvolumen aufgestellt, wie 2009", wurde Logistikchef Ralf Strauch noch konkreter, aber der Verein habe einen Gesamtwert von etwa 200 000 Euro verteilen können.

Vereinsarbeit ist weit mehr, als Hilfsgüter über die Grenzen zu fahren. Die Hilfsgüter werden vorher schon zusammengetragen. Vergangenes Jahr übernahm der Verein dazu zum Beispiel die Komplettberäumung eines Krankenhauses in Helmstedt. "36 unserer Mitglieder brachten sich hier ein", berichtete Ulrich Scholle.

"Hilfstransporte sind das Herzstück unserer Vereinsarbeit."

Ralf Strauch hob die Unterstützung der Halberstädter Arge hervor. "Ohne die Ein-Euro-Kräfte wäre es uns nahezu unmöglich, unsere Hilfsgüter in diesem Umfang anzunehmen, zu sortieren und für Hilfstransporte vorzubereiten. Über die langjährige gute Zusammenarbeit und die kurzen Entscheidungswege bei der Bearbeitung freuen wir uns ganz besonders."

Um die Transportkosten bezahlen zu können, hat sich der Verein auf die kulinarische Versorgung von Veranstaltungen verschiedenster Art spezialisiert. Deren Erlöse werden dafür verwendet. Dass beim Osterwiecker Weihnachtsmarkt – weil der Verein keinen Glühwein verkaufen durfte – unterm Strich nur 50 Euro übrig blieben, nahm Scholle sportlich. "Aufwand und Nutzen rechneten sich nicht. Wir haben uns aber schön präsentiert." Es sei wichtig, dass die Bevölkerung Interesse an den Aktivitäten des Vereins zeige und dem Ansinnen des Vereins positiv gegenüber stehe. Scholle berichtete, dass der Verein das Angebot habe, 2013 das gesamte Catering der 1000-Jahr-Feier von Berßel zu übernehmen.

Der Vereinschef und der Logistiker vergaßen nicht, das Engagement der Sponsoren – für Technik, Hilfsgüter und Geld – ganz besonders hervorzuheben und ihnen dafür zu danken. Sponsoren ermöglichten auch den Besuch einer Delegation mit Ärzten und Geistlichen aus Sambor in Osterwieck und Halberstadt.

Für März kündigte Scholle eine Fahrt in Richtung Rumänien an. Man wolle ermitteln, ob es dort Bedarf für Hilfstransporte in Krankenhäusern, die in Grenznähe liegen, gibt. "Denn unsere Lager sind voll", so Ulrich Scholle.

"Hilfstransporte sind das Herzstück unserer Vereinsarbeit", unterstrich Ralf Strauch. Sein Ausblick auf 2011: "Der Frühjahrstransport startet am 5. Mai in Richtung Teplik und dauert bis zum 14. Mai. Der Herbsttransport startet am 8. September in Richtung Sambor und geht bis zum 16. September."