Die unbeschwerte Freude eines Kindes – und Sterben und Tod. Das passt eigentlich nicht zusammen. Und dennoch sind Kinder beim Tod eines geliebten Familienmitgliedes tief betroffen, viel härter noch als Erwachsene. Der Hospizverein "Regenbogen" in Halberstadt will diesen Kindern mit einem beeindruckenden Projekt Hilfe und Unterstützung bei der Verarbeitung eines solchen Schicksalsschlages geben.

Halberstadt. "Kinder trauern anders", sagt Karin Kleist vom Vorstand des Hospizvereins. Gemeinsam mit Elisabeth Hartmann, Kordula Schippan und Sonja Kramer berichtete sie gestern auf einer Pressekonferenz über die Bilanz 2010 und die Aufgaben des Vereins (Infokasten) und vor allem über das Projekt "Hospiz macht Schule". Dieses Projekt wurde im Bundesfamilienministerium konzipiert und wird zunehmend mit großem Erfolg an den Halberstädter Grundschulen verwirklicht.

"Sterben und Tod sind immer noch ein Tabuthema."

Das Projekt: Mitarbeiterinnen und Mitglieder des Vereins besuchen eine Woche lang die vierten Klassen einer Grundschule. "Einfühlsam und für Kinder verständlich und nachvollziehbar wollen wir die Mädchen und Jungen an das Thema Sterben und Tod heranführen. Sterben und Tod sind leider immer noch oft ein Tabuthema in der Gesellschaft, und gerade wenn Kinder vom Tod der Oma oder des Vaters betroffen sind, fallen ihnen das Verabschieden und die Verarbeitung besonders schwer", erläutert Kordula Schippan.

An fünf Tagen in je zwei Doppelstunden gehen die Hospizvereins-Mitarbeiter sensibel auf die Kinder zu. Sprechen mit ihnen, zum Beispiel, über selbst erlebte Trauer, wenn der geliebte Wellensittich oder der Goldhamster gestorben ist. Die Kinder arbeiten zum Beispiel mit Materialien wie Ton, um ihre Empfindungen in plastischer Form ausdrücken zu können. Auch Pflanzen werden thematisiert. "Es ist notwendig für das Weiterleben von Pflanzen, dass man sie umsetzt oder umtopft", erläutert Sonja Kramer. Und Elisabeth Hartmann bestätigt: "Die Kinder öffnen sich und zeigen Neugier. Wenn man sie Schritt für Schritt an das Thema heranführt, lernen sie, Trauer zu erleben und mit ihr umzugehen, vor allem, wenn man vor einem möglichen Fall mit ihnen über diese Seite des Lebens gesprochen hat."

"Die Kinder spüren, dass man sie ernst nimmt."

Die Skepsis, vor allem bei Eltern, lege sich schnell, sagt Karin Kleist. Sie würden vor der Projektwoche zu einem Informationsabend eingeladen. Und die Kinder selbst reagierten im Verlauf der Woche aufgeschlossen, ehrlich und herzlich, "weil sie spüren, dass man sie ernst nimmt", ergänzt Elisabeth Hartmann.

Neben den Schulstunden mit der gesamten Klasse werde anschließend die Arbeit in kleineren Gruppen von vier bis fünf Kindern fortgesetzt. Und zum Abschluss gibt es ein Abschlussfest. "Das Wort Fest darf nicht falsch verstanden werden, es geht nicht um fröhliches Feiern an sich, sondern um ein gemeinsames, sich gegenseitiges Danksagen für Zuhören und Verstehen einer Problematik, die nun einmal zum Leben eines jeden Menschen gehört", stellt Karin Kleist klar.

"Das Thema wird oft verherrlicht und verzerrt."

Kinder sind bei Beisetzungen von verstorbenen geliebten Menschen oftmals ausgeschlossen, wissen die Mitarbeiter vom Hospizverein. Auch deshalb fällt es ihnen oft besonders schwer, in einem angemessenen Rahmen selbst einen Abschluss für das Erlebte zu finden. Die Projektwoche "Hospiz macht Schule" soll ihnen dabei helfen. "Leider ist es ja so, dass Kinder gerade durch Fernsehen und Internet oft einen völlig falschen Eindruck von Sterben und Tod erleben müssen. Es werden Horrorvisionen dargestellt oder das Thema sogar als Heldenepos verherrlicht und verzerrt", sagt Elisabeth Hartmann, die, wie sie sagt, selbst seit Jahren kein Fernsehen mehr guckt, aber drei Kinder ordentlich und verantwortungsbewusst großgezogen hat.