Seit langem wird in Aspenstedt um das Projekt einer Aktivitätenscheune gerungen. Nachdem die Umbauarbeiten nun im Wesentlichen abgeschlossen sind, gibt es immer noch keine Genehmigung, das Objekt zu nutzen. Deshalb wurde in der jüngsten Sitzung des Ortschaftsrates erneut darüber diskutiert.

Halberstadt/Aspenstedt. Bereits im Dezember hatte sich der Aspenstedter Jan Eckhardt im Auftrag der im vorigen Jahr gegründeten Bürgerinitiative "Pro Aspenstedt" an Halberstadts Oberbürgermeister Andreas Henke gewandt. Die Mitglieder der Bürgerinitiative wollen dabei helfen, örtliche Projekte wie die Backhausquelle, den Tourismus mit dem Radweg, die Aktivitätenscheune sowie die angestrebte Gemeinde-Begegnungsstätte mit Heimatstube umzusetzen und voranzubringen. Insbesondere die Aktivitätenscheune steht jetzt im Mittelpunkt.

"Die Scheune ist nicht ohne weiteres als öffentliche Spielfläche nutzbar."

"Die Scheune ist bauseitig soweit fertig, lediglich das Tor muss gestrichen und ein neues Schloss eingebaut werden", berichtete Ortsbürgermeister Ullrich Breitschuh. Bei den Kosten sei man trotz einiger Probleme mit rund 175 000 Euro im Plan geblieben. Jetzt habe man noch rund 5000 bis 10 000 Euro aus dem laufenden Haushalt für die Ausstattung mit Spielmaterial investieren wollen, so Breitschuh.

Von Seiten der Stadtverwaltung sei es jedoch beim vorläufigen Stopp der geplanten Maßnahmen geblieben. "Die Scheune ist nicht ohne weiteres als öffentliche Spielfläche nutzbar", lässt Halberstadts OB in seiner Antwort Jan Eckardt wissen. "Sollten in dieser Räumlichkeit Spielgeräte auf- oder angebaut werden, sind DIN-Vorschriften, TÜV-Zulassungen und Forderungen der Unfallkasse zu beachten." Die Sicherheit der Kinder habe in jedem Fall höchste Priorität.

Auch in Anbetracht der Haushaltslage der Stadt sei es gegenwärtig nicht möglich, finanzielle Aufwendungen für die Herrichtung der Scheune als Spielfläche zu tätigen, so Henke weiter. Der OB erinnert zudem daran, dass seit geraumer Zeit die Spielplätze in Halberstadt von der Wohnungsgesellschaft HaWoGe bewirtschaftet würden.

Zugleich schlägt das Stadtoberhaupt den Aspenstedtern vor, als mögliche Option einen Betreiberverein für die Aktivitätenscheune zu gründen, welcher dann eigenverantwortlich Spielnutzungen prüft und ausführen lässt. Damit wäre kein Kauf der Scheune verbunden. Es müsse jedoch eine vertragliche Regelung zwischen der Stadt und dem Verein geben, so Andreas Henke.

"Das wäre denkbar – aber die laufenden Kosten könnte ein solcher Verein nicht aufbringen, die müssten aus dem städtischen Haushalt kommen", entgegnet Breitschuh. Der Ortsteil Aspenstedt, meint Ortsbürgermeister Breitschuh etwas resignierend, habe da- rauf gehofft, dass die Stadtverwaltung sich auch um die kleinen Orte kümmere. Stattdessen, so hatte Breitschuh schon in der Ratssitzung kritisiert, plane die Stadtverwaltung 2011 zusätzlich 800 000 Euro für Gehaltsanpassungen ein, während nun in Aspenstedt bei "Kleinigkeiten" gespart werde.

"Wir sind als Gemeinde mit den geringsten Schulden zur Stadt gekommen", betonte Breitschuh. Kein Verständnis hätten die Ratsmitglieder auch für den Plan gezeigt, in Sarg-stedt einen neuen Spielplatz zu bauen. Zuerst sollten doch die angefangenen Objekte fertiggestellt werden. Zudem könnten die Kinder aus anderen Ortsteilen doch auch in Aspenstedt den Spielplatz in der Scheune nutzen. Obendrein sei der einzige Spielplatz in Aspen-stedt wegen baulicher Probleme gesperrt. Dort müssen einige Holzelemente fachgerecht erneuert werden.

Kritik, die der Sargstedter Ortsbürgermeister Michael Kinkal als unkorrekt zurückweist: "Es geht bei uns nicht um den Neubau eines Spielplatzes, sondern um die Reparatur eines bestehenden, dessen Geräte aufgrund ihres Zustandes zwischenzeitlich allerdings demontiert worden sind. Wir reden also von einer Wiederherstellung und nicht von einem Spielplatz-Neubau", betonte Michael Kinkal gestern.

Der Ortschaftsrat Sargstedt habe in der jüngsten Sitzung am Montagabend im Übrigen einstimmig beschlossen, einen Antrag auf Aufnahme in das von der HaWoGe gestartete Spielplatz-Programm zu stellen, so Kinkal weiter. Ob Sarg- stedt dabei letztlich zum Zuge komme, sei noch vollkommen offen. "Dieser Schritt, einen Antrag zu stellen, steht obendrein allen Ortsteilen von Halberstadt offen", erinnerte Michael Kinkal mit Blick in den benachbarten Ortsteil.

Wir sind als Gemeinde mit den geringsten Schulden zur Stadt gekommen."

Wie auch immer. Die Aspen-stedter sind – was die Nutzung ihrer sanierten Scheune betrifft – gegenwärtig ziemlich eingeschränkt: Selbst der Wunsch, einen Basketballkorb zu montieren, sei nicht genehmigt worden, erinnert Ullrich Breitschuh. Auch die im Raum stehenden Pfeiler der hölzernen Dachstützen mit ihren Betonsockeln müssten noch besser abgepolstert werden.

Zum Schluss der jüngsten Debatte im Ortschaftsrat ließ Breitschuh über ein "Memorandum" an die Stadtverwaltung, mit der Bitte um Unterstützung, abstimmen. Dazu gab es dem Vernehmen nach vier Ja-Stimmen und vier Enthaltungen.

Von Seiten der Stadtverwaltung erklärte Amtsleiter Jens Klaus auf Nachfrage: "Nach den aktuell vorliegenden Beschlüssen zum Haushalt 2011 sind uns vorläufig die Hände gebunden". Fachliche Unterstützung würden die Aspen-stedter aber erhalten. Alle geplanten oder gewünschten Maßnahmen könnten jedoch nur entsprechend der Vorschriften umgesetzt werden.