Sieben Wochen waren die zehn brasilianischen Austauschschüler zu Gast am Käthe-Kollwitz-Gymnasium. Aus dieser Zeit nehmen sie viele tolle Erfahrungen mit und verlassen Halberstadt mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Halberstadt. Sie waren schon in vielen Ländern unterwegs: Argentinien, Chile, USA, Italien, Großbritannien, Belgien, Schweiz. Aber sie waren noch nie zuvor in Deutschland. Die zehn Austauschschüler aus Brasilien haben fast zwei Monate in Halberstadt verbracht, nahmen am Unterricht am Käthe-Kollwitz-Gymnasium teil und wurden in Gastfamilien untergebracht. Letzte Woche hieß es Abschied nehmen.

Kirche statt Strand

Doch ihre Zeit in Halberstadt bleibt ihnen unvergesslich. Vor allem der Winter ist neu für die zehn Gymnasiasten. So dicker Schnee und kalte Temperaturen wie zu Weihnachten, gab es bei ihnen zu Hause noch nie. Statt bei 38 Grad in der Sonne am Strand zu feiern, verlebten sie ganz traditionelle Feiertage mit ihren deutschen Gasteltern. "Wir gehen über Weihnachten nicht in die Kirche", erzählt die 15-jährige Eliza. Auch die deutschen Weihnachtslieder sind ihnen völlig unbekannt. "Die Deutschen singen wirklich viel und gut", merkt Gustavo an. Das hätten die Schüler nicht erwartet.

Der deutsche Schulalltag gestaltet sich ebenfalls ganz anders. Am Käthe-Kollwitz-Gymnasium machen sie lediglich vier Unterrichtsstunden mit. Wenn keine weiteren Projekte anstehen, geht es ins Zentrum. "Wir gehen eigentlich immer in die Rathauspassagen und kaufen uns dort Döner, Eis oder Kekse", berichtet Daniel, der den Döner als neues Leibgericht entdeckt hat. Und das jeden Tag. Das macht sich natürlich äußerlich bemerkbar. "Ich habe mittlerweile schon sieben Kilo zugenommen", klagt Eliza.

In ihrer Freizeit unternehmen die Schüler so viel wie möglich mit ihren Gastfamilien oder nehmen an Ausflügen in andere Städte teil. Am besten hat ihnen Potsdam, Wernigerode und Berlin gefallen. Die Jungs sind von Wolfsburg ganz begeistert. "Wir wurden als einzige ins Fußballstadion gelassen", sagt Gustavo strahlend.

Hetzerei an der Kasse

Während ihres Aufenthalts bekamen die zehn Brasilianer auch einen guten Einblick in die deutsche Lebensweise. Am meisten missfiel ihnen die Hektik. "Die Deutschen sind immer so schnell. An der Kasse müssen wir uns immer beeilen mit dem Bezahlen. Und überpünktlich sind sie auch", stellt Daniel fest. Die brasilianische Gelassenheit hat die Lehrer sogar schon veranlasst, Termine eine halbe Stunde früher als nötig auszumachen, damit alle zur gleichen Zeit erscheinen. Doch im Allgemeinen freuen sich alle, dass sie von ihrem Umfeld so nett aufgenommen wurden. Als sie Oberbürgermeister Andreas Henke vor einiger Zeit persönlich trafen, waren sie positiv von ihm überrascht. "Der ist wirklich sehr nett", sind sich alle einig.

Doch nach sieben Wochen im fremden Land freuen sich alle wieder auf Zuhause. "Ich werde als erstes ganz viel schlafen", so Eliza. "Und ich werde meine ganze Familie umarmen." Die 15-jährige Atmis freut sich auf ein großes Familiengrillfest. Viele vermissen auch den Strand und das warme Wetter. Doch die Rückkehr bedeutet auch, dass es gleich wieder zur Schule geht. Denn der Austausch findet immer über die Ferien statt. Somit haben sie die freien Wochen verpasst.

Aber alle zehn freuen sich schon, im Sommer die deutschen Gymnasiasten in Brasilien begrüßen zu dürfen. Ihren Gastschwestern und -brüdern bringen sie deshalb schon ein paar Sätze auf Portugiesisch bei. Vielleicht wird es ja fast genauso gut wir ihr Deutsch, das sie in den wenigen Wochen um einiges verbessern konnten.

Rückkehr geplant

Große Pläne haben sie auch. Einige von ihnen wollen weitere Sprachaustausche machen, zum Beispiel in den USA oder Italien. Atmis möchte in Deutschland Ingenieurwesen studieren. Nächstes Jahr wollen sie unbedingt wiederkommen, um ihre Gasteltern zu besuchen. Bis dahin hat Eliza noch eine persönliche Nachricht an ihre schüchterne Gastschwester: "Lisa, voce é linda." (Lisa, du bist schön.)