Osterwieck (mhe). Einen Scheck brachte Sachsen-Anhalts Bauminister Dr. Karl-Heinz Daehre nicht mit zum Osterwiecker Neujahrsempfang. Für die Sanierung des Bunten Hofes hatte er den finanziellen Beitrag des Landes schon im vergangenen November überreicht. Und es gab in seiner Ansprache auch keine Aussage, ob dieses Jahr definitiv die Hornburger Straße weiter ausgebaut wird.

Stattdessen hatte der scheidende Minister, der am 20. März nicht wieder für den Landtag kandidiert, einen Appell an die zahlreich anwesenden Landtagsabgeordneten. Sie sollten sich dafür einsetzen, dass Osterwieck – und auch andere Städte – weiterhin mit Fördermitteln aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz bedacht werden, auch wenn sie vielleicht die notwendigen Eigenmittel nicht mehr aufbringen können. Daehre hob die großen Leistungen der Stadtväter seit 1991, als die Altstadtsanierung begann, hervor. Immer hatte die Stadt ihre Eigenmittel erbracht. In Osterwieck seien weiterhin vor allem große Fachwerkhäuser zu sanieren.

Was den Verkehr, der auch zum Ressort von Daehre gehört, betrifft, hob er die gute Anbindung Osterwiecks hervor – die bald noch besser wird und mehr Tagestouristen bringen könnte. Ab Ende des Jahres könne man die Nordharzautobahn bis zur A14 entlangfahren, in zwei, drei Jahren auch schneller zur A9 gelangen.

Auch der Jugend widmete sich der Minister in seiner Rede. Im November im Bunten Hof lernte er die Schülerin Antje Trost und ihr Schicksal kennen, die über Jahre jeden Tag einen 70 Kilometer langen Schulweg zum Fallstein-Gymnasium auf sich nahm. Der Bunte Hof soll Wohnungen für behinderte Schüler erhalten. "Osterwieck wurde meine Heimat des Herzens", zitierte der Minister aus einem kürzlich von der Schülerin verfassten Brief an ihn.

Das Fallstein-Gymnasium erwähne er ohnehin bei vielen Gelegenheiten wegen der über hundert Schüler aus Niedersachsen. "Das ist gelebte deutsche Einheit", sagte Daehre.

Etwas ernster wurde der Minister beim Thema Arbeitsplätze und Jugend. Es sei wichtig, dies in den Mittelpunkt zu stellen. Eine "zentrale Frage" sei es dabei, hier gleiche Löhne wie im Westen zu zahlen. "Ich kann jeden Jugendlichen verstehen, wenn er abwandert." Als positiven Trend verkünde er, dass sich neuerdings Zuzug und Abwanderung in Sachsen-Anhalt fast die Waage hielten. Für einen Bevölkerungszuwachs gebe es aber zu wenige Kinder.