Seit Jahrzehnten gehören sie zu Veltensmühle, sie sind ein Wahrzeichen des Ortsteils, die Störche, die jedes Jahr auf einem alten Schornstein ihren Nachwuchs großziehen. Anfang Februar stürzte das Nest vom Schornstein. Eile war angesagt, den Schaden zu beheben, weil mit der Ankunft von Familie Adebar derzeit täglich zu rechnen ist. Am Montag gab es einen Feuerwehreinsatz.

Halberstadt/Veltensmühle. Die Störche von Veltensmühle sind zwar nur Saisongäste in dem kleinen Ortsteil von Halberstadt, aber für die Bewohner sind sie liebgewordene Nachbarn, auf deren Besuch man sich jedes Jahr aufs Neue freut und mit Spannung die Zeit der Jungvogelaufzucht verfolgt. Sehnsüchtig wird seit Tagen Ausschau gehalten, ob die Störche im Anflug sind. Und dann geschah das Malheur. Vor einigen Tagen stürzte das Nest von Familie Adebar vom Schornstein. Die Konstruktion war mit den Jahren so hoch und schwer geworden, dass sie einfach vom Wagenrad, das als Unterlage auf dem Schornstein fest montiert ist, rutschte.

"Ein Storchennest baue ich zum ersten Mal."

Katastrophenalarm bei den Veltensmühlern. Die Gefahr, dass erstmals seit Jahrzehnten die Störche einen Bogen um den Ort machen, war groß. Ein verzweifelter Hilferuf bei der Feuerwehr Halberstadt brachte Unterstützung. Am Montagvormittag rückte ein Leiterwagen aus der Kreisstadt an. Eva und Wolfgang Rümpler waren die Tage vorher eifrig damit beschäftigt, Erlen- und Weidenäste zu schneiden, die die Grundlage für das neue Nest bilden sollen.

Bei eisigem Wind luden Jan Haunschild und Marcel Weise von der Halberstädter Feuerwehr die Äste in die kleine Kanzel der Feuerwehrleiter. In luftiger Höhe versuchten sich beide beim Nestbau. Trotz Schneegriesel. Nicht, um den imposanten Vögeln die Arbeit abzunehmen, sondern um ihnen das Nest "schmackhaft" zu machen. "Geschieht das nicht, kann es passieren, dass die Störche weiterziehen und sich einen aus ihrer Sicht attraktiveren Nistplatz suchen", bestätigte Georg Fiedler, Weißstorchbetreuer im Landkreis Harz.

"Ein Storchennest baue ich zum ersten Mal", sagte noch etwas unsicher Jan Haunschild, der sonst Feuer löscht und Menschen in Notlagen hilft. "Dafür hat er es aber gut gemacht", bestätigte Georg Fiedler, der nach dem Einsatz das Nest selbst noch einmal begutachtete.

Allerdings war nicht nur der Experte vom Tagwerk der Feuerwehrleute aus Halberstadt angetan. Just nur Minuten später kreiste der erste Adebar über Veltensmühle und steuerte gezielt das alte, neue Nest auf dem Schornstein an. "Das war wirklich auf den letzten Drücker, die Zeit saß uns im Nacken, denn im benachbarten Niedersachsen wurden die ersten Störche schon gesichtet", so Fiedler. Übrigens zogen im vergangenen Jahr im Altlandkreis Halberstadt acht Brutpaare insgesamt 19 Jungvögel auf, wie Georg Fiedler informierte.

"Ich bin die Steigeisen selbst hochgeklettert."

Unter den Zuschauern befand sich auch Karl-Heinz Schneider, der vor nunmehr 21 Jahren das erste Nest eigenhändig auf den Schornstein gebracht hatte. "Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen. An eine Feuerwehrleiter war damals nicht zu denken. Ich bin die Steigeisen, die sich am Schornstein befinden, selbst hochgeklettert und habe das Wagenrad montiert", so Schneider. Dass das neue Nest sofort angenommen wurde, darüber freuten sich an diesem Tag viele Bürger des Ortes und hoffen auch in diesem Jahr auf eine erfolgreiche Familienplanung bei Adebars.

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