An der Holtemme singen die Kettensägen, ein Baum fällt nach dem anderen, ein Stück Natur verschwindet am Fluss, schlagen dieser Tage Bürger Alarm, die das Treiben mit Schrecken beobachtet haben. Was passiert?

Halberstadt. Die Halberstädter Volksstimme ging auf Recherchetour, um Näheres zu erfahren, denn Bäume dürfen nicht ohne weiteres aus dem Stadtbild verschwinden. Wenn überhaupt, dann nur mit Zustimmung der Stadt beziehungsweise der Abgeordneten des Stadtentwicklungsausschusses.

Die Fällarbeiten an der Holtemme sind jedoch von allen Stellen, die das absegnen müssen, genehmigt. Hintergrund für diesen Eingriff in ein Stück fast unberührte Natur vor den Toren der Kreisstadt sind die anstehenden Arbeiten zur Verbesserung des Hochwasserschutzes an der Holtemme, die ein nicht gerade kleines Gefahrenpotenzial für die Anwohner in Halberstadt darstellt. Das letzte verheerende Hochwasser 1994 ist vielen Betroffenen noch in Erinnerung.

"Im Frühjahr soll es losgehen."

Im vergangenen Jahr wurden die Weichen für die anstehenden Baumaßnahmen gestellt, heißt grünes Licht für die Gelder gegeben. In insgesamt fünf Bauabschnitten sollen in den kommenden Jahren die Deiche erhöht werden, um die Gefahren beziehungsweise Folgen eines erneuten Hochwassers einzudämmen. "Im Frühjahr soll es losgehen", bestätigte Matthias Weilbach, Sachbearbeiter Wasserbau vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt, auf Nachfrage der Halberstädter Volksstimme.

Während einer Bauanlaufberatung Mitte Januar wurden dafür die weiteren Schritte beraten. Ein erster sei das Fällen der Bäume im anstehenden ersten Bauabschnitt gewesen, der sich vom alten Rabahne-Wehr bis zur Sternstraße erstrecken wird. "Dafür hatten wir laut Vorgaben des Naturschutzes nur von Januar bis Mitte Februar Zeit, die haben wir genutzt", so Weilbach. In diesem Jahr soll für den Verlust eine große Ersatzpflanzung erfolgen. Dafür wurde unweit der Holtemme vom Landesamt Ackerfläche erworben. "Immerhin 6500 Quadratmeter umfasst das Areal", sagt Matthias Weilbach. Dort sollen ortstypische Bäume und Büsche angepflanzt werden. Dazu zählen unter anderem Stileichen, Eschen, Erlen, Weiden und vieles mehr. So entstünde auf einem Acker ein kleiner Wald.

Im Frühjahr wird dann das alte Rabahne-Wehr abgerissen, an der Stelle entsteht eine neue Brücke. Außerdem wird ein neuer Leitdeich gebaut, der künftig einen Wassereinbruch von der Holtemme Richtung Baumarkt an der Rabahne verhindern soll. In Richtung Cecilienstift wird eine 120 Meter lange und an der Gröpertorschule eine 125 Meter lange Hochwasserschutzmauer errichtet.

Das Land Sachsen-Anhalt hat für die Umsetzung des Projekts in diesem Jahr insgesamt 750 000 Euro zur Verfügung gestellt.

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