"In diesem Gebäude befindet sich seit 1748 die Polizei", so steht es seit Dienstagnachmittag auf einem Schild am Gebäude Markt 17. Zur Einweihung kam extra Innenminister Holger Hövelmann aus Magdeburg nach Osterwieck.

Von Mario Heinicke

Osterwieck. Der textliche Inhalt des Schildes muss im Vorfeld ein kleines Politikum gewesen sein, denn die Osterwiecker hätten sich gern als Ort der ältesten Polizeista- tion Sachsen-Anhalts gesehen. Doch das war gegenüber den Innenministerium offenbar nicht zweifelsfrei nachzuweisen. Jedenfalls äußerte sich auch Innenminister Hövelmann überrascht, wie viele Fragen und Probleme unter Ministerialbeamten bei so einem kleinen Schild entstehen können, einschließlich der Bezahlung des Schildes. Und zu (un)guter Letzt waren auch noch zu kurze Schrauben geliefert worden, um das Schild an Ort und Stelle anbringen zu können.

Ortsbürgermeister Ulrich Simons, der aus dem Anlass eine historische Pickelhaube aus dem Heimatmuseum aufsetzte, berichtete, dass das Haus 1563 gebaut wurde und in seiner Geschichte nicht nur Polizeistation, sondern bis 1947 auch Gericht war. "Es wäre schon interessant zu wissen, ob wir die älteste Polizeistation von Sachen-Anhalt oder gar Deutschland haben."

Dass die Diensträume der Polizeibeamten alles andere als antiquarisch, sondern modern sind, davon konnte sich der Innenminister beim Rundgang überzeugen. Im Jahr 2000 wurden die von der städtischen Wohnungsgesellschaft als Vermieter modernisierten Räume wieder bezogen. Der stellvertretende Stationsleiter Ulrich Scholle erinnerte daran, dass vor elf Jahren hier noch 15 Polizeibeamte Dienst taten. Heute seien es nur noch neun. Durchschnittsalter: 52,4 Jahre. Lediglich ein Beamter ist unter 50 Jahre alt. Zeitweise arbeiteten drei Kriminalbeamte in Osterwieck, jetzt nur noch einer. Dabei sind die Fälle, die die Polizeibeamten bearbeiten, keinesfalls weniger geworden, wie Hövelmann erfuhr.

Betrugsfälle seien ein Schwerpunkt, zunehmend auch übers Internet. Groß sei auch die Anzahl von Material-Diebstählen aus Firmen, "alles, was leicht zu versilbern ist", so Scholle. Hövelmann hätte dafür einen Lösungsvorschlag gehabt, indem Aufkäufer die Daten der Verkäufer notieren. Damit sei er aber bei Wirtschaftsminister-Kollegen gescheitert, denn das sei ein Eingriff in die Berufsfreiheit.