Mit 18 aktiven Einsatzkräften ist die Schauener Feuerwehr an sich ausreichend besetzt. Und doch malte Wehrleiter Steffen Richardt auf der Jahreshauptversammlung ein eher düsteres Bild von der personellen Zukunft.

Schauen. Die Anwesenheit sprach für sich. Die Jahreshauptversammlung war nicht beschlussfähig. Somit musste ein Beschluss zur Aufnahme eines neuen, bereits ausgebildeten Kameraden, der zurück nach Schauen zog, vertagt werden.

Drei Kräfte traten derweil aus. "Wir haben mehr Austritte als Eintritte", stellte Steffen Richardt fest. "Das macht mich schon ein bisschen nachdenklich." Dabei ist es keinesfalls Desinteresse, das die Schauener Feuerwehr dezimiert. Die Truppe hält zusammen. Doch aus beruflichen oder privaten Gründen ziehen immer wieder Leute weg. Und die Jugend bildet keine Warteschlange. "Wir kriegen keinen Nachwuchs. Ich weiß nicht, woran es liegt."

Die Jugendfeuerwehr wird neuerdings von Alexander Simon geleitet. Dafür erhielt er vom Wehrleiter großes Lob. Der junge Mann betreut zurzeit acht Mädchen und Jungen. Bis diese aber möglicherweise aktive Kräfte werden können, vergeht noch viel Zeit. Das Durchschnittsalter beträgt neun Jahre, nur zwei Kinder sind über 10 Jahre. Nahziel ist daher erstmal, dass die Schauener Jugend wieder an einem Feuerwehrwettkampf teilnehmen kann.

Motivierend ist es für die Schauener auch nicht, wie der Landkreis mit ihnen umgeht. Die Feuerwehr hat aus Halberstädter Zeiten seit Jahren einen Funktruppwagen der Kreisfeuerwehrbereitschaft. Nach Einschätzung von Erwin Marchlewsky sei die Schauener Funktruppe vom Landkreis "tot gestellt". "Und wenn wir mal gerufen werden, können wir gleich wieder fahren. Das befriedigt uns überhaupt nicht." Marchlewsky erinnerte daran, dass immerhin acht Mann für das Fahrzeug ausgebildet wurden. Die Technik sei mittlerweile veraltet, teils auch schon abgezogen. "Es ist traurig, dass es so gekommen ist."

"Der Haushalt sieht auch für uns nicht gut aus."

Stadtwehrleiter Frank Kenzig sprach den Schauenern erstmal Lob für das Stadt-Jugendzeltlager im vergangenen Jahr aus. Weniger rosig sind seine Aussichten auf größere Anschaffungen der Feuerwehren. "Der Haushalt sieht auch für uns nicht gut aus. Die Zahlen sprechen für sich."

Auch das Problem mit der Feuerwehrtechnischen Zentrale des Landkreises, die aus Spargründen Technik nur noch nach Einsätzen vor Ort austauscht, war Thema in Schauen. Die Kameraden befürchten, dass sie zum Gerätetausch nun in ihrer Freizeit auch noch regelmäßig nach Wernigerode fahren müssen. "Wir sind mit der Stadt im Gespräch, wie wir das regeln", sagte Kenzig. Künftig betreffe es auch regelmäßige Updates des Digitalfunks. "Das kann keiner mehr nebenbei machen. Das müssen wir für die ganze Stadt regeln."

Neun Einsätze verzeichnete die Feuerwehr im vergangenen Jahr. Dreimal mussten Brände gelöscht werden, vier technische Hilfeleistungen gab es zu leisten, davon drei durch herabgestürzte Äste im Schauener Wald. Wehrleiter Richardt sprach von einem harten Jahr. Ein Toter musste im Dorf nach einem Unfall geborgen werden. Und aus den eigenen Reihen musste mit Uwe Drewes der stellvertretende Wehrleiter zu Grabe getragen werden. "Das ist allen sehr schwer gefallen."

In diesem Jahr blickt die Feuerwehr Schauen auf ihren 125. Geburtstag voraus. Dieser soll am 21. August gefeiert werden.

Auszeichnungen und Beförderungen gab es mehrere auf dieser Versammlung. Reinhard Diedrich wurde für 50 Jahre in der Feuerwehr geehrt. Für zehn Dienstjahre erhielten Kathrin Schreinert, Renate Drewes, Martina Ryborz und Benjamin Ryborz Auszeichnungen. Zum Oberlöschmeister wurde Marco Steinert, der neue stellvertretende Wehrleiter, befördert. Und Jugendwart Alexander Simon ist nun im Dienstgrad eines Feuerwehrmanns.