Vor zwei Wochen berichtete eine Leserin am Volksstimme-Telefon, dass erneut eine ihrer Katzen plötzlich verschwunden ist. Sicher kein Einzelfall. Sind die Tiere möglicherweise Opfer von Katzendieben geworden?

Halberstadt. Als vor zwei Wochen in der Volksstimme-Redaktion das Lesertelefon klingelte, meldete sich Margit Müller, die ihren Kater "Baby" vermisst. Eigentlich nicht ungewöhnlich. Katzen verschwinden oft, besonders Kater, wenn sie durch die Gärten streifen auf der Suche nach Futter oder Spielgefährten. Manchmal kann es Wochen dauern, bis die geliebten Haustiere wieder auftauchen, als wäre nichts gewesen. Doch "Baby" sei immer zuverlässig gewesen, meint Margit Müller. Pünktlich stand er zur Fütterung wieder vor der Tür. Eines Abends, plötzlich nicht. Das bereitete der Besitzerin Sorgen. Als sie ein paar Tage später immer noch nichts von "Baby" sah oder hörte und eine Suche in der Nähe nichts ergab, ging sie zur Polizei und meldete ihren Kater als vermisst.

"Vor drei Jahren ist mir das schon einmal passiert", erzählt die Anwohnerin in der Sargstedter Siedlung. Damals ist ihr Kater, übrigens der Bruder von "Baby", auch nicht wieder nach Hause gekommen. Was Margit Müller aber auffiel, war, dass die beiden Tiere kurz vor einer Wertstoffsammlung in der Siedlung verschwanden. Private Sammler teilen Plastikkörbe aus, in die Anwohner alte Kleidung oder Geräte zur Spende ablegen können. Nach ein paar Tagen sammelt ein Lieferwagen die Körbe wieder ein. In dieser Zeit verschwand der Kater.

Typische Masche

Das sei eine typische Masche von Katzendieben, behauptet Margit Müller. Im Internet habe sie gelesen, dass Katzenfänger kurz vor oder nach diesen Sammlungen in Lieferwagen die freilaufenden Tiere einsammeln, oftmals diese auch durch Duftstoffe anlocken, und sie illegal an Tierversuchslabore vermitteln. Außerdem seien Katzenfelle auf dem Schwarzmarkt sehr gefragt, zum Beispiel, um teure Rheumadecken herzustellen oder als Mantelfutter und Kragenbesatz.

Laut Haustierzentralregister verschwinden rund 300 000 Katzen und Hunde bundesweit auf diese Weise pro Jahr. Dabei würden Kater bevorzugt, da ihre "Hautausbeute" höher ist als bei ihren weiblichen Artgenossen. Vereinzelt gab es bundesweit Vorfälle, wo Katzenkadaver mit abgezogenem Fell in unmittelbarer Wohnungsnähe der Besitzer gefunden wurden. Weil Margit Müller diese Art von "Katzenmafia" vermutete, ging sie zur Polizei.

Polizeisprecher Uwe Becker vom Polizeirevier Harz bestätigte auf Volksstimme-Nachfrage, dass es sich bei dem Verschwinden von "Baby" um einen Einzelfall in Halberstadt handelt. "Die Polizei hat ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts auf Diebstahl eingeleitet", informiert Becker. Die Wahrscheinlichkeit, dass man den Kater auffinden würde, sei jedoch sehr gering. "Es ist nicht selten, dass das Verfahren wegen mangelnder Hinweise eingestellt wird", so der Polizeisprecher. Da Margit Müller nichts Verdächtiges beobachten konnte, weil sie arbeitete, während ihr Kater verschwand, gestaltet sich die Fahndung schwierig. "Wenn ein Anfangsverdacht besteht, sollte man das umgehend der Polizei melden", rät Uwe Becker. Denn ob "Babys" Verschwinden wirklich ein Einzelfall ist, ist schwer festzustellen. Meistens würden die Besitzer gar nicht erst zur Polizei gehen, sondern sich mit der Situation abfinden. Allerdings meldeten sich in der Redaktion noch zwei weitere Halberstädter mit einem ähnlichen Verdacht.

Umgehend handeln

In der Sargstedter Siedlung würden viele Katzenbesitzer wohnen, erzählt Waltraud Hammer vom Tierschutzverein. Dass Katzendiebe ein Auge auf diesen Stadtteil werfen könnten, ist also nicht ausgeschlossen. Oft würden sich vermisste Katzen aber in der Fundtierunterkunft Halberstadt wiederfinden, doch von 100 Katzen würden gerade einmal fünf von ihren Besitzern wieder abgeholt, so Hammer.

Kerstin Lassak vom Tierschutzverein kann sich gut vorstellen, dass vermehrt Tiere bei solchen privaten Sammlungen wegkommen. Aber das sind alles nur Spekulationen, weil die Betroffenen bisher nichts nachweisen konnten. Leute, die ihre Tiere vermissen, sollten sofort die Tierrettungsstelle informieren. "Die Nummer der Rettungsstelle steht jeden Tag in der Zeitung, auch die Nummer vom Katzenhaus", sagt Kerstin Lassak. Den Tierschutzverein direkt zu kontaktieren, sei weniger erfolgreich, da die Mitarbeiter nur einmal in der Woche im Büro sind.

Außerdem kann man in der Fundtierunterkunft nachfragen, ob das Tier möglicherweise dort aufgenommen wurde. Suchanzeigen, bestenfalls mit Foto, in der Wohngegend auszuhängen, würden nicht viel Erfolg bringen. Die Polizei einzuschalten sei aber unbedingt ratsam, besonders wenn Verdacht auf Katzenklau besteht.

"Baby" ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. Haben auch Sie Angst um Ihren Vierbeiner? Dann halten Sie die Augen offen, besonders, wenn private Sammlungen in Ihrer Straße anstehen oder Sie verdächtige Lieferwagen auffällig langsam vorbeifahren sehen. Denn ist die Katze tatsächlich erst einmal der "Katzenmafia" zum Opfer gefallen, droht ihr ein schlimmes Schicksal. Mehr Infos gibt es auf:

www.katzenklau.de