Vor zwei Jahren ließen sich Johanna und Niels auf ein aufregendes und einmaliges Abenteuer ein. Während Niels sich in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten aufmachte, verbrachte Johanna ihr Austauschjahr in Thailand. Beide haben einmalige Erlebnisse und Erfahrungen für ihr Leben gesammelt.

Halberstadt (phb). Eines ist Johanna Mack aus Wernigerode aufgefallen: "Thailänder versuchen, aus jeder noch so mühseligen Situation das Beste herauszuholen. Lächeln ist also Lebensmotto." Sanuk, Sanuk, Sanuk - Spaß, Spaß und nochmals Spaß ist Thailand in drei Worten. Das sei einer von vielen Punkten, die sie so sehr an dem Land faszinieren.

So warteten vor einem Jahr zu Beginn ihres Austauschjahres - neben traumhaften Stränden im Süden, sagenhaft gutem Essen und Wetter und uralter Kultur - die wohl nettesten und freundlichsten Menschen der Welt auf Johanna. "Gerne erinnere ich mich an meine Zeit als Austauschschülerin zurück. Die Reisernte im September bei über 40 Grad auf dem Feld", erzählt die 17-Jährige nachdenklich. "Oder die Elefantenschule, wo ich innerhalb von drei Tagen zu einer professionellen Trainerin ausgebildet wurde. Auf meinem Elefanten ¿Jojo\' durch die Wildnis zu reiten, war ein Gefühl der Freiheit, das man nicht mit Worten beschreiben kann."Sich in ein fremdes Land mit einer völlig anderen Sprache und Kultur zu integrieren, mit Menschen, die man nicht kennt, war nicht immer einfach.

Zurück in Deutschland, merkte Johanna, dass ihr Thailand gar nicht mehr fremd ist, sondern dass sie diese "fremden" Menschen versteht und ihre Handlungen nachvollziehen kann. "Jetzt sagen zu können, dass meine Gastfamilie und besten Freunde der Welt in meinem zweiten Zuhause immer auf mich warten, ist wohl das größte Geschenk. Dafür bin ich unendlich dankbar."

Das amerikanische Freiheitsgefühl erleben

Amerika pur: Das ist groß, genießerisch und verrückt. Und so war Niels Ziegelasch aus Halberstadt während seines Austauschjahres nach Washington D.C., Philadelphia und New York geflogen. 150 Schüler aus China, Japan, Thailand, Schweden, Finnland, Frankreich, Brasilien, Mexiko, Ghana - alle hatten dort die Woche an der Ostküste genossen und einmalige Erlebnisse gemacht.

Es hatte sich unglaublich angefühlt, vor dem Weißen Haus und der Freiheitsstatue zu stehen. "Ich habe die Freiheit förmlich gespürt und plötzlich verstand ich die amerikanische Unabhängigkeit und den Natio- nalstolz der Amerikaner", beschreibt Niels seine Emotionen. Neben den Großstädten hatte der 17-Jährige auch die enormen landschaftlichen Kontraste Amerikas gesehen: Im Yellowstone National Park hat er neben den heißen Quellen auch Büffel und Bären in freier Natur erleben dürfen. "Es war mir schon mulmig, als ich etwa zehn Meter entfernt vor einem riesigen Büffel stand ohne irgendeinen Zaun dazwischen", erzählt er.

All diese Erfahrungen wären aber nicht möglich gewesen, hätte Niels nicht im nördlichen Michigan eine sehr aufgeschlossene Gastfamilie gehabt. "Nach ein paar Tagen hatte ich mich bereits gut in meine neue Familie eingelebt." Zu ihr gehörten drei kleinere Geschwister und ein älterer Bruder, der bereits studierte, sowie eine sehr liebe und engagierte Mutter. Zusammen mit seinem achtjährigen Gastbruder hat er oft Fußball gespielt während seine Gastschwestern lieber mit ihm auf dem Fahrrad um den Block gefahren sind. Im Winter lag so viel Schnee, dass Niels mit seinen Gastgeschwistern bei eisiger Kälte Iglus bauen konnte.

Austauschschüler nach Deutschland holen

Zurück in Deutschland mit unendlich vielen neuen Eindrücken haben sich Johanna und Niels entschlossen, dass sie Schülern aus der Ferne helfen wollen, genauso ein erlebnis- reiches Austauschjahr in Deutschland zu verbringen. Deswegen engagieren sie sich nun ehrenamtlich beim Deutschen Youth For Understanding Komitee. Sie organisieren derzeit einen von zirka 40 Orientierungs- und Sprach-kursen für thailändische Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren. Das Leben mit einer deutschen Familie soll ihnen helfen, sich besser in den Alltag zu integrieren. Außer Unterkunft und Verpflegung werden alle anderen anfallenden Kosten von der Austauschorganisation beziehungsweise dem Gastkind getragen. In einem Vorbereitungskurs, der in Wernigerode und Umgebung stattfindet, sammeln die Jugendlichen erste Eindrücke von der westlichen Welt. Nach dieser Zeit reisen sie in ihre Gastfamilien weiter.

Jeder kann sich einen Monat Thailand nach Hause holen und einen Einblick in eine andere Kultur gewinnen. Gastfamilien ermöglichen sowohl thailändischen Schülern als auch sich selbst einmalige Momente und Erlebnisse. Interessenten können sich bei Niels Ziegelasch unter Telefon (0 39 43) 20 45 50 oder per E-Mail an n.ziegelasch@yahoo.de melden.

Bilder