Nach der Einweihung der umgestalteten Fläche am Mahnmal der Gedenkstätte Langenstein-Zwieberge begaben sich die Gäste gestern Mittag an das südliche Massengrab. Hier erinnerten Jugendliche mit einem beeindruckenden Projekt an die Befreiung des Lagers am 11. April 1945.

Langenstein-Zwieberge. Helle Tafeln mit dem Vergiß-mein-nicht-Logo wiesen den Weg durch das frühlingsschöne Gelände, das vor 66 Jahren unvorstellbare Bilder des Grauens bot. Hier, wo tausende Männer im KZ Langenstein-Zwieberge unter unmenschlichsten Bedingungen der "Vernichtung durch Arbeit" anheim fielen, blühen Anemonen und Veilchen, singen Vögel.

Am südlichen Massengrab, ein unscheinbares, mit Steinmauern gefasstes Rechteck im waldigen Gelände, sind 800 Männer begraben, die noch während der Lagerbefreiung und kurz danach den Tod fanden.

Monika Rozmyslo- wicz, Enkelin von Stanislaw Kolodziejczyk, einem der Häftlinge, der in diesem Massengrab neben den anderen Häftlingen ruht, erinnerte in einer anrührenden Rede an das Leiden der Häftlinge. Sie bedankte sich bei allen dafür, "dass wir den Weg vom Mahnmal bis hierher gemeinsamen zurückgelegt haben. Dieser Weg verbindet symbolisch nicht nur die Massengräber sondern auch die Opfer, die dort ruhen. Das gemeinsame Unglück und der Tod haben sie alle vereint. Durch unsere alljährliche Anwesenheit an diesem Ort, durch die Kranzniederlegung erweisen wir die Ehre nicht nur den Häftlingen, die ihr Leben im Lager gelassen haben, sondern auch denen, die nach dessen Befreiung gestorben oder beim Todesmarsch ums Leben gekommen sind."

Nur durch ein Wunder sei es "einigen Auserwählten gelungen, diese Hölle zu überleben, um Zeugnis davon zu geben, dass es kein böser Traum war, sondern grauenhafte Wirklichkeit. Diese Zeitzeugen sind unter uns und laut sind ihre Rufe nach Frieden in der Welt und nach Völkerverständigung", sagte die junge Polin.

Man schulde den Opfern, dass "wir alles tun, was in unserer Macht steht, dass es nie wieder zu solch einer Tragödie kommt", forderte Monika Rozmyslowicz. "Fangen wir ganz klein an in unserer nächsten Umgebung, im Familien- und Bekanntenkreis. Wir alle, die wir hier versammelt sind ... sowie sehr aktive deutsche Jugendliche haben mit unserer Arbeit die ersten Schritte zur Festigung des Weltfriedens gemacht. Das sind zwar noch kleine, aber sehr wichtige Schritte. Haben wir den Mut, das Gute zu tun!"

Die aktiven Jugendlichen, die die Rednerin ansprach, sind Schüler der Berufsbildenden Schule Böhnshausen, der Sekundarschule Gernrode und des Stadtfeldgymnasiums Wernigerode, die sich mit dem Geschehen im Lager auf sehr kreative Weise auseinandersetzten. Sie nutzen Texte von Roger Leroyer, der 22-jährig das Lager Zwieberge überlebte und seine Erinnerungen in dem ergreifenden Buch "Clamavi a te" wiedergab. Die Jugendlichen trugen Textteile vor, die sich mit der Lagerbefreiung befassen, und unterlegten diese Zeilen mit Klängen. Dadurch entstand ein Gänsehaut erzeugendes Gesamtwerk, dass die Jugendlichen damit krönten, Überlebenden und Angehörigen Rosen zu überreichen.

So kann Erinnerung an das Geschehen in Zwieberge wohl auf lange Sicht bewahrt werden.

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