In der Petri-Sekundarschule Schwanebeck hat rechtes Gedankengut absolut keinen Platz. Schulleitung und Schüler gehen gegen derartige Auswüchse seit Jahren mit Nachdruck und unmissverständlich klar vor. Für ihr Engagement wurde die Schule jetzt als landesweit 61. Bildungseinrichtung mit dem Titel "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" ausgezeichnet

Schwanebeck/Nienhagen. Die Verleihung des Titels "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" wurde für die Schüler ebenso wie für die Lehrer der Petri-Sekundarschule in Schwanebeck ein Höhepunkt. Schulleiterin Kerstin Buchtenkirch erinnerte an einige frühere Aktivitäten von Schülern mit rechtem Gedankengut. Die konsequente Umsetzung der schulischen Hausordnung, bilanzierte sie, habe Erfolg gezeigt.

"Die Lehrer stehen zu 100 Prozent hinter unserem Projekt"

Im Namen der Organisatoren des Projektes sagte Lehrerin Denise Witteborn, man sei stolz, dass 80 Prozent der Petri-Schüler eine entsprechende Verpflichtungserklärung unterschrieben hätten. Laut Titelvorgabe müssten mindestens 70 Prozent der Schüler, Lehrer, Pädagogen und Mitarbeiter einer Schule per Unterschrift jeglicher Form von Diskriminierung und Gewalt abschwören. "Das ist ein Zeichen, dass die Mehrheit für ein gewaltfreies Miteinander ist", betonte sie. Man wolle so für eine angenehme Schulatmosphäre sorgen und keinerlei Diskriminierung zulassen. Das Projekt, das schulintern bereits seit mehreren Jahren verfolgt werde, könne nun mit der Titelverleihung auch nach außen getragen werden.

Zu den vielfältigen Aktionen im Rahmen des Projektes gehörten jüngst auch eine Tombola und die Versteigerung zugunsten der Erdbebenopfer in Japan sowie der Kochwettbewerb und der Fremdsprachenwettbewerb. Sabine Borchert habe mit ihrem ebenso lebendigen wie lebensnahen Fremdsprachenunterricht ebenfalls zum Erfolg wesentlich beigetragen, hieß es.

"Die Lehrer stehen zu 100 Prozent hinter unserem Projekt", hob Schulsozialarbeiterin Christina Henze hervor. Das multikulturelle Hoffest in der Schule sei inzwischen eine gute Tradition. Dank gelte es auch Dr. Cornelius Presch für die Unterstützung zu sagen - ein "idealer Begleiter", wie Christina Henze betonte.

Bereits seit dem Jahr 2007 wird an der Schule mit Streitschlichtern gearbeitet, um Konflikte zu lösen. Die jungen Mädchen kamen 2007 erstmals zusammen. 2008 folgten Workshops zum Thema Gewalt und eine theoretische Ausbildung. In der Petri-Schule konnte ein entsprechender Raum eingerichtet werden. "Im gleichen Jahr folgte ein zentraler Erfahrungsaustausch in Schönebeck", erinnerten die Teilnehmerinnen. Im Juni 2009 habe dann die Abschlussprüfung auf dem Programm gestanden. Zudem werde in der Schülerzeitung "Petri-Post" und mit Hilfe von Flyern über die Arbeit der Streitschlichter berichtet und um weitere Mitstreiter für die Tätigkeit der Streitschlichter geworben.

Chefarzt Dr. Cornelius Presch vom Halberstädter Ameos-Klinikum sagte im Rahmen der Preisverleihung, die Auszeichnung sei kein Preis für bereits Geleistetes, sondern eine Selbstverpflichtung für Gegenwart und Zukunft gleichermaßen. "Sie vermitteln damit, dass Sie nicht weghören, nicht wegschauen und nicht schweigen - ungeachtet der Hautfarbe, des Glaubens und der Herkunft", sagte er mit Blick auf Schüler wie Lehrer.

"Das ist ein Zeichen, dass die Mehrheit für ein gewaltfreies Miteinander ist"

Als Pate unterstütze er die Schule ohne Rassismus und mit Courage, weil ihm Toleranz und Akzeptanz wichtig seien, weil unsere Gesellschaft Rassismus keinen Platz bieten dürfe, weil er jede Form von Diskriminierung und Ausgrenzung aufs Schärfste verurteile und weil nur aus couragierten Kindern couragierte Weltbürger werden könnten. "Schulen müssen ein demokratischer Ort sein, wo jeder das Recht auf gleiche Behandlung und gleiche Chancen hat", appellierte der Mediziner. Lehrer und Schüler der Petri-Sekundarschule würden jetzt nach außen und unübersehbar klar vermitteln, dass sie sich nicht abwenden und weghören, "weil sonst die Dummen Spielräume erhalten".

Zur Titelverleihung auf dem Schulhof begrüßten zunächst die Gospelsängerinnen der Schule mit "Oh happy day" die zahlreich erschienenen Gäste. In Sachsen-Anhalt sei die Schwanebecker Bildungseinrichtung die mittlerweile 61. Schule, die den Titel erhalte, so Bernd Lüdkemeier, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung.

Er sei überrascht und beeindruckt von den Vorhaben und Leistungen der Schwanebecker. "Auch die lebensfrohe Musik begeistert mich", bekannte er und meinte: Die Sängerin sollte über den Schulhof hinaus strahlen. Gemeint war Angelique Behrens mit ihrer überragenden Stimme.

Das Land Sachsen-Anhalt sei auch dank solcher Initiativen eine starke Zivilgesellschaft, in der der Rechtsextremismus keine Chance habe, wie jüngst die Landtagswahlen gezeigt hätten. Schulleiterin Buchtenkirch sprach abschließend den Wunsch aus, die Schüler mögen diese Idee "mit im Herzen nach Hause tragen" und weiter verbreiten.

"Sie vermitteln, dass Sie nicht weghören, nicht wegschauen, nicht schweigen"

Musikalisch ging der Tag mit einem kleinen Konzert der Gruppe Tuanona vom Klub Afrika aus Magdeburg zu Ende. Die beiden Künstler konnten die Kinder und Jugendlichen der Petri-Sekundarschule augenscheinlich richtig begeistern und wurden mit viel Applaus belohnt.

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