Osterwieck (mhe). Der Osterwiecker Stadtrat steht vor einer erneuten Zerreißprobe. Es handelt sich um die Friedhofsgebühren, die für die Kernstädter künftig doppelt so hoch wie für die Bewohner der Dörfer ausfallen sollen. "Vor dem Tod sind alle Menschen gleich, nicht aber in der Einheitsgemeinde Osterwieck", stellte Osterwiecks Ortsbürgermeister Ulrich Simons fest.

Der Ortsrat sprach sich vergangene Woche einmal mehr für eine einheitliche Kalkulation aus. Der Umweltausschuss hatte vor zwei Monaten eine getrennte Kalkulation empfohlen. Als die Satzung danach im Stadtrat beschlossen werden sollte, erreichte Simons eine Vertagung der Entscheidung. Die Satzung soll nochmal im Hauptausschuss beraten werden.

Ulrich Simons sieht "ein paar grundlegende Fehler" in der Kalkulation. Zum einen sachliche Fehler, zum anderen falsche Zahlen und "jede Menge Kleinigkeiten".

Das Grundproblem der hohen Friedhofskosten in Osterwieck sind zwei Mitarbeiter, die dort angestellt sind. Auf den Dörfern erledigen die Pflegearbeiten die Gemeindearbeiter des Bauhofs. Deren Stundenaufwand wird aber erst seit diesem Jahr erfasst, in der Kalkulation stehen nur hochgerechnete Stundenzahlen.

Simons erklärte, die beiden Osterwiecker Friedhofsmitarbeiter könnten auch auf anderen Friedhöfen eingesetzt werden. An der Stadtverwaltung liege es, das entsprechend zu organisieren. "Wir werden die Mitarbeiter in Osterwieck belassen", antwortete darauf Bauamtsleiter Detlef Schönfeld, "es ist hier ausreichend Arbeit vorhanden".

Mehrere Abgeordnete kritisierten, dass auf anderen Gebieten überall eine Vereinheitlichung der Satzungen vollzogen bzw. angestrebt werde. "Wenn es um Regenwassergebühren geht, sind wir alle eins", sagte Erwin Glöde. Diese würden bald auch den Osterwieckern aufgedrückt. Bisher gibt es diese Gebühren nur in einigen ehemaligen Aue-Fallsteiner Orten. "Hier wird mit zweierlei Maß gemessen", so Glöde.

Sascha Neuhäuser kritisierte, dass die Stadtverwaltung in der Friedhofssatzung vorschreiben wolle, dass jemand in dem Ort bestattet werden müsse, wo er wohne. Das gehe überhaupt nicht.

Andersherum rechnen die Abgeordneten damit, dass sich bei so extremen Unterschieden der Friedhofsgebühren manch Osterwiecker auf einem Dorf bestatten lassen wird.