Hessen (mhe). Die Restaurierung des Deckengemäldes im Turmzimmer von Schloss Hessen ist in vollem Gang. Die Konservierung der über 400 Jahre alten Renaissance-Malerei ist abgeschlossen. Putz, der sich im Lauf der Jahrhunderte gelöst hatte, wurde durch die Restauratoren um Sylvia Lenzner befestigt, auch Hohlstellen unter der Grotesken-Malerei konsolidiert.

Ein Deckenbild wie frisch gemalt wird der Beobachter künftig indes nicht vorfinden. "Wir werden die Spuren der Zeit sichtbar lassen. Es wird eine Restaurierung, die das Alter nicht auslöscht", sagte die Restauratorin aus Dresden. Ein von der herzoglichen Familie genutztes Turmzimmer war der Raum nur am Anfang. Im 19./Anfang des 20. Jahrhunderts zum Beispiel war er sogar ein Taubenschlag. Hackspuren der Tauben sind noch deutlich zu erkennen. Noch bis vor wenigen Jahren war der Raum Wind und Wetter geöffnet, bis die Fensteröffnung wieder geschlossen wurde.

Zu Beginn der Arbeiten im vergangenen Herbst schaute sogar Sachsen-Anhalts Kultusministerin Birgitta Wolff der Restauratorin über die Schulter. Nach einer längeren Winterpause ging es im März weiter. Ziel ist, das letzten Endes dezent retuschierte Gemälde bis zum Tag des offenen Denkmals im September wieder präsentieren zu können.

Sylvia Lenzner hatte vor zehn Jahren ihre Diplomarbeit über das Hessener Deckengemälde geschrieben und in dem Zuge ein Restaurierungskonzept erstellt. Dank einer Förderung aus dem Kultusministerium darf sie das nun selbst umsetzen.

Der Raum war vermutlich ein Studierzimmer der Hedwig von Brandenburg, Ehefrau von Herzog Julius. Nicht ganz sicher ist, ob das Deckenbild von Julius oder nach dessen Tod 1589 von Hedwig in Auftrag gegeben wurde.