Das Diakonische Werk im Kirchenkreis Halberstadt, zu dessen Aufgabe auch die Beratung von Migranten und Spätaussiedlern gehört, hat pünktlich zum Start der Gartensaison ein neues Projekt in Angriff genommen. Im "Interkulturellen Garten" sollen Migranten und Halberstädter sich nicht nur näherkommen, sondern auch gemeinsam Hand anlegen.

Halberstadt. Das Prunkstück ist eine Wassermelone. "Wir sind gespannt, ob sie wächst", gibt Detlef Schulz zu. Der Halberstädter gehört zu den Freiwilligen, die sich seit Anfang April damit beschäftigt haben, das Grundstück in der Kleingartensiedlung "Hans Neupert" für den Anbau von Kohlrabi, Zucchini und anderem Gemüse und Pflanzen vorzubereiten. Die mehrere hundert Quadratmeter große Parzelle in der Anlage kurz vor den Spiegelsbergen ist der "Interkulturelle Garten" des Diakonischen Werks.

Die Idee dazu kam Sabine Köhnke bereits im vergangenen Jahr. Die Mitarbeiterin des Beratungsdienstes für Migranten bei der Diakonie hatte die Vorstellung, Migranten und Spätaussiedler mithilfe gemeinsamer Gartenarbeit besser zu integrieren.

"Bei den Spätaussiedlern bleiben gerade viele Männer zu Hause. Wir haben etwas gesucht, was sie gerne machen, damit gemeinsame Aktivitäten entstehen", erklärte Ute Gabriel-Betzle, Geschäftsführerin der Diakonie, bei der Eröffnung am Dienstag. Sie erhofft sich auch einen Austausch mit den anderen Kleingärtnern. Man wolle die Migranten motivieren, Deutsch zu sprechen. "Es ist wichtig, dass die Integration innerhalb der Gartenanlage weiter Früchte trägt. Eben solche Gespräche über den Gartenzaun sind uns wichtig", sagte auch Sabine Köhnke. Bei der feierlichen Eröffnung klappte es zumindest schon gut, denn auch aus den Nachbarparzellen kamen Gäste, um die Eröffnung mitzufeiern.

Auch Jochen Hupe, Vorsitzender des Kleingartenvereins, freut sich über die Zusammenarbeit: "Wie schnell hier etwas passiert ist, ist ganz toll und wir freuen uns auf die Zusammenarbeit und sind ganz stolz auf das, was wir gemeinsam bereits geschafft haben."

Finanziert wird das Projekt mit Mitteln aus dem Programm "Stärken vor Ort", das das Bundesfamilienministerium ausgeschrieben hat. Mit den öffentlichen Mitteln können die Pacht, die Nebenkosten sowie das eine oder andere Gartengerät finanziert werden. Zunächst ist das Projekt für die laufende Saison geplant, also bis Ende Oktober. Sabine Köhnke hofft allerdings auf Nachhaltigkeit. "Vielleicht wird es ein Folgeprojekt geben. Das hängt natürlich auch davon ab, ob sich genug an dem Projekt beteiligen", so die Organisatorin.

Mitmachen kann jeder. Bisher beteiligen sich acht Frauen und drei Männer an der "interkulturellen Gartenarbeit". Weitere Mitstreiter, auch gerne ganze Familien, seien aber jederzeit willkommen, betont Sabine Köhnke.