Harsleben. Es gab und es gibt Bückware, es gibt zuweilen heiße Ware und - im wahrsten Sinne des Wortes - heiß begehrte Ware. In letztere Kategorie darf getrost das Buch, das Brigitte und Olaf Fricke aus Harsleben jetzt herausgebracht haben, eingeordnet werden. Das Duo - Mutter und Sohn - hat in monatelanger akribischer Kleinarbeit historische Fakten, Fotos und Überlieferungen zusammengetragen und damit einen Bildband über Harsleben gestaltet. Das Buch, das seit wenigen Tagen druckfrisch vorliegt, ist gewissermaßen das Geschenk der beiden an ihren Heimatort, dessen erste nachweisbare urkundliche Erwähnung in diesem Jahr 875 Jahre zurückliegt, was im September mit einer Festwoche begangen wird.

"Wir wollten Dokumente aus dem 19. und 20. Jahrhundert in gebündelter Form publizieren"

Dabei haben die beiden Autoren keine Chronik im klassischen Sinne vorgelegt. "Es ging uns darum, die vorliegenden Dokumente aus dem 19. und 20. Jahrhundert zusammenzutragen und in gebündelter Form zu publizieren", bringt Olaf Fricke das Ansinnen auf den Punkt. Gewissermaßen eine Momentaufnahme aus dem Jahr 2011, mit der ein textlicher und vor allem fotografischer Rückblick in die vergangenen Jahrzehnte und Jahrhunderte unternommen wird. Von den Anfängen - Keramikfunde aus der Jungsteinzeit - bis in die heutige Zeit. Dabei gelingt es den beiden Autoren, die Entwicklung des mit 2350 Einwohnern größten Dorfes im Harz-Kreis gut nachvollziehbar und thematisch ausgewogen zu skizzieren.

So folgt dem geschichtlichen Abriss, der selbst für gestandene Ur-Einwohner Harslebens wohl noch die eine oder andere neue Erkenntnis beinhalten dürfte, ein überwiegend fotografischer Streifzug durch die Vergangenheit. Thematisch sortiert nach Höfen, Gastwirtschaften, Läden und Geschäften sowie Wirtschaft, Kultur, Gewerbe und Landwirtschaft. Natürlich finden sich Dokumente vom Bau der heutigen Heine-Grundschule im Jahr 1970 ebenso wie von der Übergabe der Mehrzweckhalle. Glanzvolle Momente wie die 850-Jahr-Feier 1986 finden ebenso Raum wie prekäre Situationen beim immer mal wieder auftretenden Hochwasser.

Holger Bauermeister lässt als Bürgermeister im Vorwort seine Freude über das gelungene Werk, das "Liebe und Heimatverbundenheit" widerspiegele, klar erkennen. Aus gutem Grund: Mit dem passionierten Sammler Olaf Fricke und dessen Mutter hatte Bauermeister zwei Autoren gefunden, die für die Aufgabe geradezu prädestiniert waren und dies nun mit 96 Buchseiten bewiesen haben.

Der 45-jährige Olaf Fricke hatte in der Vergangenheit bereits aus eigenem Interesse Fotos und zeitgeschichtliche Dokumente gesammelt und diese bei besonderen Anlässen ausgestellt. "Schon da äußerten viele Besucher den Wunsch, diese Dokumente mal in einem Buch zu einen", erinnert sich Olaf Fricke. Zudem schmücken zahlreiche Fotos von und Sammelstücke aus Harsleben seine kleine, private Heimatstube.

Folglich lag es für Bauermeister vor gut einem Jahr auf der Hand, den Kaufmann für Autoersatzteile sowie dessen Mutter - ehemals Chefin des örtlichen Postamtes - um das Erstellen jenes Buches zu bitten.

Seither haben "Fricke Fricke" zahlreiche Fotos und Dokumente, die meist von Harslebern bereitgestellt wurden, gesichtet, eingescannt, bearbeitet und schließlich zum druckfertigen Manuskript geformt. Abgerundet wird das Werk mit einer Vorstellung der heutigen Vereine - von der Volkssolidarität über die Feuerwehr bis hin zu den Tierzüchtern, Jägern, Gartenfreunden und Sportfischern.

Dass das Fricke-Duo und deren zahlreiche Helfer, die quasi als Co-Autoren fungiert haben und denen beide danken, voll ins Schwarze getroffen und ein sprichwörtlich heiß begehrtes Buch vorgelegt haben, belegt der erste Ansturm: "Als die ersten Exemplare eingetroffen waren, hat sich das wie ein Lauffeuer im Ort verbreitet", erzählt Brigitte Fricke schmunzelnd.

Deshalb dürfte das Werk, das mit 1500 Exemplaren verlegt wird, beim morgigen Hoffest der Agrargenossenschaft auch zu einem Renner avancieren. Ferner wird es ab sofort für 17,90 Euro im Rathaus zum Kauf angeboten. Ein Teil des Verkaufserlöses fließe übrigens in die Festkasse der 875-Jahr-Feier, betonen die beiden Autoren der längst heiß begehrten Ware.