Beendorf (cbo). Keine spektakuläre Flucht voller Entbehrungen und auch keinen Heimatverlust hat Monika Hülshoff erlebt, als sie im Alter von zwei Jahren mit ihrer Familie Beendorf verließ, um in Nordrhein-Westfalen ein neues Leben zu beginnen. Ihre jungen Eltern fürchteten, Haus und Hof in unmittelbarer Nähe zur Grenze zu verlieren. Unter solchen Umständen wollten sie ihre Kinder nicht großziehen.

Monika bekam von all dem noch nichts mit, doch aus den Erzählungen insbesondere ihres Vaters merkte sie sehr wohl, wie sehr er unter dem Weggang aus seiner Heimat litt.

Eine wohl nicht alltägliche Ost-West-Ost-Geschichte hat Monika Hülshoff am Donnerstag Barbarossa-Autorin Katja Herr erzählt, als der Mitteldeutsche Rundfunk in Beendorf zu Gast war und für die "Barbarossa"-Sendung morgen Abend um 21.15 Uhr mehrere Stunden lang in Beendorf unterwegs war, um zu drehen.

Im Elternhaus ihres Vaters ist Monika Hülshoff mittlerweile wieder angekommen. Dort begann auch der Drehtag mit einem Interview. Monika Hülshoff schilderte ihre Erinnerungen an die Heimat ihres Vaters, wie er ihre Mutter, eine aus Schlesien Vertriebene, kennen- und liebenlernte.

Die Wohnung im Erdgeschoss des Elternhauses wurde renoviert und eingerichtet. Als alles fertig war, machte sich die junge Familie samt Tochter Monika und den Zwillingsbrüdern, gerade sechs Monate alt, auf in den Westen, denn dem massiven Druck des DDR-Staates wollten sie sich und die Kinder nicht aussetzen.

Trotzdem Beendorf ein fremder Ort für die Kinder war, hörten sie immer wieder Geschichten darüber, wussten, wo welcher Bauer seinen Hof hatte, den Namen des Dorflehrers, wo die Kirche und der Doktorberg lagen und dass die Glocke weithin zu hören war, um den Feierabend einzuläuten.

Für die kleine Monika waren es keine Erinnerungen, sondern Geschichten, mit denen sie heranwuchs.

Als der Familie nach der Wende das Elternhaus aus Gemeindeeigentum wieder übertragen wurde, wurde es renoviert. Die langjährigen Mieter blieben im Haus, im Dachgeschoss wurde eine Ferienwohnung ausgebaut, die – wann immer die Zeit dafür war – genutzt wurde. Zurück wollten die Eltern von Monika Hülshoff nach so vielen Jahren nicht mehr. Sie hatten und haben noch in Hessen ihr Zuhause gefunden.

Dafür interessierte sich Monika Hülshoff nun sehr für Beendorf. Ihre Reiselust und Neugier auf Städte wie Eisenach, Erfurt, Gotha, Weimar, Dresden und Leipzig ließ sie schließlich auch nach Beendorf kommen. "Ich fühlte mich wie eine Entdeckerin unbekannter Welten", schrieb sie in ihrer Bewerbung an den MDR.

Und mit 58 Jahren – gerade arbeitslos geworden – entdeckte sie dann die alte Heimat ihres Vaters neu und hatte die Idee, mit einem Tante-Emma-Laden wieder ein Geschäft für Lebensmittel nach Beendorf zu bringen. Seit fast zwei Jahren betreibt sie ihn nun schon, und ist "angekommen". Ihre größte Sorge, dass sie als "Wessi" nicht akzeptiert werden würde, ist längst zerstreut. Wie eine verlorene Tochter wurde sie aufgenommen.