Einen Familienbeirat als breitere Plattform für die Bürgerbeteiligung der Hohen Börde fordert der stellvertretende Wellener Ortsbürgermeister René Stürmer. Jugend- und Senioren-Beirat sind Stürmer zu wenig. Er fordert auch mehr Zuschüsse für junge Familien.

Wellen/HoheBörde l Anstelle der bisher in der Gemeinde arbeitenden Beteiligungsgremien - Jugendbeirat und Seniorenbeirat - fordert Stürmer einen Familienbeirat, der Alle einbezieht: Rentner, Familien und Jugendliche sowie alle anderen interessierten Bürger.

"Vom Seniorenbeirat höre ich wenig, vom Jugendbeirat gar nichts", erklärte der Wellener Vater einer kinderreichen Familie. Sein Vorschlag: "Damit nicht jede Generation ihr eigenes Süppchen kocht, wäre ein Familienbeirat das Optimum, in dem sich alle interessierten Bürger austauschen."

Ähnlich hatte auch der renommierte Experte für demografischen Wandel, der Publizist Winfried Kösters, auf der Abschlussveranstaltung des Ehrenamtsnetzwerks "Engagement-Drehscheibe Hohe Börde" im Dezember 2013 argumentiert. Kösters hatte einerseits die Etablierung von Jugend- und Seniorenbeirat gelobt, andererseits aber eine Überwindung der separaten Interessenvertretung der Generationen und mehr Miteinander aller Altersgruppen angemahnt.

Forderung: Anreize für junge Häuslebauer schaffen

"Prinzipiell offen für diesen Vorschlag", gab sich gestern Gemeindebürgermeisterin Steffi Trittel: "Für mich ist derzeit die weitere Etablierung der bereits arbeitenden Beiräte wichtig. Der Seniorenbeirat arbeitet vernünftig, beim Jugendbeirat muss sich noch mehr tun. Ist das am Laufen, können wir über weitere Schritte wie die vorgeschlagene Zusammenführung und Erweiterung nachdenken. Dazu lade ich Herrn Stürmer zur Mitarbeit ein. Das muss aber gründlich vorbereitet werden. Einfach etwas ins Leben zu rufen, so einfach ist das nicht. Das lehren uns die Erfahrungen."

Darüber hinaus macht sich Stürmer für eine Intensivierung der kommunalen Familienförderung stark: "Wichtig wären weitere finanzielle Unterstützungen wie beim Programm ¿Jung sucht Alt\' (Förderzuschuss der Gemeinde Hohe Börde bei der Sanierung von Altbauten mit Bonus für Familien mit Kindern/d.Red.). Parallel muss es zwingend ein Programm ¿Jung möchte Neu\' geben. Alle Familien sollten beim Hausbau massiv unterstützt werden. Denn jede Familie, die hier bleibt, sichert die Zukunft unserer Gemeinde. Eine eventuelle Grundförderung sollte mindestens 1500 Euro betragen, für jedes Kind sollten pro Jahr 500 Euro Förderung möglich sein. Nicht jeder möchte - wie bei ,Jung sucht Alt\' - ein altes Gebäude erwerben, denn es ist auch mit einem gewissen finanziellen Risiko verbunden, alte Haussubstanz zu erwerben bzw. zu sanieren. In unserem Fall beispielsweise musste neu gebaut werden, da die älteren Häuser zumeist kleine Grundflächen haben. Auch möchte jeder selbst entscheiden, welchen Weg er geht. Es wäre schön, wenn die Gemeinde alle zukünftigen Hausbauer unterstützen könnte."

Mehr Begrüßungsgeld und ein Arbeitskreis für Spielplätze

Dazu erklärte die Gemeindebürgermeisterin: "Tendenziell haben wir diesem Vorschlag bereits mit einer Vereinheitlichung und Absenkung der Grundstückspreise im Jahr 2013 entsprochen. Gleichwohl wollen wir die Entwicklung der alten Dorfkerne vorantreiben und dafür ist eine Schwerpunktsetzung auf die Förderung der Privatinitiative beim Ausbau alter Bausubstanz unerlässlich."

In Sachen des "Begrüßungsgeldes" für Neugeborene schlägt René Stürmer vor "nachzujustieren." Derzeit zahlt die Gemeinde auf Antrag für jedes Neugeborene 100 Euro an die jungen Eltern, für Zwillinge je 500 Euro pro Kind. Stürmer findet: "Hier sollte man dringend den Betrag auf 500 Euro je Kind vereinheitlichen. Jedes Kind ist gleichviel wert und muss unterstützt werden", betont Stürmer. Ähnlich hatten in der Vergangenheit auch einige Gemeinderäte der Hohen Börde wie der Ochtmersleber Ortsbürgermeister Günter Kohl argumentiert. René Stürmer ergänzt: "Andere Gemeinden wie Barleben und Loitsche-Heinrichsberg machen es uns vor. Mir ist bewusst, dass diese Gemeinden leistungsstärker als wir sind. Aber: Wir befinden uns hier in einem Wettbewerb auch mit diesen Gemeinden!"

Eine letzter Vorschlag Stürmers ist die Etablierung eines Arbeitskreises, der sich ausschließlich der Spielplatzproblematik in allen Ortsteilen annimmt. "Vorbild für eine erfolgreiche Arbeitsweise sind die Arbeitsgruppen für sichere Schulwege in den sechs Grundschul-Standorten der Hohen Börde gewesen. So könnte es auch gehen, um die angespannte Spielplatzsituation zu entschärfen", schlägt René Stürmer vor.