Die Evangelische Sekundarschule ist eine Großbaustelle. Der DDR-Typenbau wird auf das Grundgemäuer reduziert. Dann soll hier ein Passivhaus entstehen, was den Energiebedarf angeht.

Haldensleben l Baulärm tönt aus dem Haus der Evange- lischen Sekundarschule auf dem Süplinger Berg. In Abständen rutscht Bauschutt durch den überdimensionalen Schlauch in den Container und lässt eine Staubwolke aufsteigen. Ein Seitenflügel ist bereits "gekürzt", gegenwärtig wird das dritte Obergeschoss des anderen Seitenflügels abgetragen.

"Der Umzug nach Hillersleben war richtig", sagt Schulleiterin Pia Kampelmann, als gerade wieder Schutt mit viel Lärm und Staub aus luftiger Höhe in den Container rutscht. Die Evangelische Schulstiftung musste zwar 100000 Euro investieren, um das Schul- gebäude in Hillersleben für die Sekundarschüler nutzbar zu machen, doch dafür kann in Ruhe unterrichtet werden.

"Und die Bauleute können zeitgleich im ganzen Haus arbeiten", ergänzt der Architekt Ulrich Kirchner. "Dennoch segeln wir hart an der Kante", sagt er mit Blick auf die Finanzen. Die allgemeine Entwicklung im Baugewerbe macht auch um diese Baustelle keinen Bogen. "Wir führen das Gebäude jetzt auf den Rohbau zurück." Der Gebäudezustand sei gut. "Der Landkreis hat uns das Gebäude auch in einem guten Zustand übergeben", pflichtet ihm die Schulleiterin bei. Das Schulgebäude vom Typ Erfurt, das 1983 eingeweiht wurde, soll - energetisch gesehen - ein Passivhaus werden. "Das heißt viel Volumen mit wenig Oberfläche", erklärt der Architekt.

Das Schulhaus ist von oben gesehen wie ein H gebaut. Die Seitenflügel hatten vier Geschosse, der Mittelteil ist nur dreigeschossig. Die Seitenflügel werden um jeweils ein Geschoss verkürzt, so dass auf den gesamten Bau ein Dach gesetzt werden kann. Von oben sieht die Schule dann wie ein Rechteck aus, denn sie bekommt auch noch Außenwände, die jeweils vorn und hinten mit der Außenmauer der Seiten- flügel abschließen.

"So entsteht ein kompaktes dreigeschossiges Haus", fasst der Architekt zusammen. Der zentrale Raum in der Mitte erhält einen "gläsernen Deckel". "Das wird der zentrale Treffpunkt, da ist Begegnung", freut sich Pia Kampelmann. In einem Seitenflügel wird sich gleich daneben ein Essensraum anschließen. Auf der anderen Seite kann eine Bibliothek entstehen.

"Die Luftqualität wird dann wesentlich besser sein als in den meisten Klassenräumen heute."

Der Umbau der evange- lischen Sekundarschule ist ein Modellprojekt im Land. "Es gibt noch zahlreiche Typen-Schulbauten aus DDR-Zeiten, die dann nach diesem Muster ebenfalls energetisch saniert werden können", fasst Ulrich Kirchner zusammen.

Das Haus wird sehr hoch gedämmt. Es erhält eine sogenannte Luftfassade aus Polykarbonatplatten. Diese Hohlkammerprofilplatten "verfälschen auch gestalterisch die Fassade", macht der Architekt auch auf einen zweiten Aspekt neben der Wärme- dämmung aufmerksam.

Das Gebäude wird luftdicht sein, das heißt, es muss be- und entlüftet werden, das sei mit einfacher Fensterlüftung nicht machbar. Das Prinzip funk- tioniere nur mit kontrollierter Lüftung für jeden Klassenraum. Das ganze wird dezentral gesteuert. Wenn der Kohlendioxidgehalt in der Luft ansteigt, springt die Lüftung automatisch an. "Die Luftqualität wird dann wesentlich besser sein als in den meisten Klassenräumen heute", meint Kirchner. Und aus dieser Luft wird über spezielle Geräte Wärme gewonnen, so dass eine Heizung nur bei extremen Minusgraden eingeschaltet werden muss. Eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach soll Elektroenergie für den eigenen Bedarf produzieren.

"Die Planung für das Haus entspricht unserem Schulkonzept von einem offenen Pädagogik", bekräftigt Pia Kampelmann. Die Schule soll transparent sein, das werde sie auch räumlich mit dieser Planung.

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