Auf hoheitlichen Besuch bereitet sich das Holunderkontor vor. Kaiser Otto I. nebst seiner Gemahlin Adelheid und höfischem Gefolge werden das Holunderreich betreten. Die Majestäten dürfen sich auf ein hochprozentiges Wunder freuen.

Niederndodeleben l Frohe Kunde über ein Wundermittel erwartet die Gäste vom Verein "Kaiserfrühling Quedlinburg". Die Mittelaltertruppe hatte die Gemeinde Hohe Börde bei deren Feierlichkeiten zum Jubiläum "20 Jahre Straße der Romanik" an der Bebertaler Stephanuskapelle unterstützt. Sie hatten an historischer Stätte in prachtvollen Kostümen Landsleut` zu Rittern geschlagen und mit ihrem Hofstaat für den Höhepunkt des Mittelaltermarkts an der Romanikroute gesorgt.

Benediktiner destillierten den Wein zu Feuerwasser

"Mit einem Kaisermahl wollen wir uns nun bei Kaiser Otto I. und seinem Gefolge auf ganz besondere Art und Weise bedanken. Schließlich haben sie uns kostenlos begleitet und das in eindrucksvoller Manier", erläuterte Ursula E. Duchrow-Buhr, die Zaubermeisterin des Niederndodeleber Holunderkontors.

Ein Zaubertrank mit Wunderwirkung schlummert schon in abgefüllten Amphoren des Holunderkontors.

"Aqua ardens", brennen- des Wasser, nannten die Alchimisten des Mittelalters den durch Destillation gewonnenen Alkohol. Diesem Zauberwasser schrieben sie Wirkungen gegen alle denkbaren inneren und äußeren Übel zu, gegen äußere und innere Kälte, gegen Krankheit und für ein langes Leben. Es galt als Heilmittel gegen Gift, Fäulnis und Verwesung.

"Im italienischen Salerno, dem Zentrum des mittelalterlichen Heilwissens, wirkten arabische Alchimisten wie Constantinus Africanus, sie kannten die Destillation von wohlriechenden Essenzen. Die in ihrem dortigen Ursprungskloster Monte Cassino auch als Ärzte und Heilforscher tätigen Benediktinermönche entwickelten die Destillation weiter, gewannen aus Wein hochprozentigen Alkohol, eben jenes Aqua ardens, dem sie wundersame Wirkungen zuschrieben, schließlich wird seine keimtötende Wirkung bis heute genutzt", erzählt Ursula Duchrow-Buhr.

Das Feuerwasser im Kontor geht anlässlich des Besuches eine besondere Verbindung ein. Ursula Duchrow-Buhr hat "Judas-Ohren" in das Elixier eingelegt. Das Judas-Ohr ist ein Pilz, der den asiatischen Mu-Err-Pilzen verwandt ist. In Europa wächst er nur auf totem Holunderholz. Die Bezeichnung Judas-Ohr soll daher rühren, das sich Jesus` Verräter Judas an einem Holunderbaum erhängt haben soll. Deshalb wachse der Pilz nur an Holunderbäumen und wird auch als Holunderpilz bezeichnet.

Ob Kaiser Otto vom brennenden Wasser oder vom Judas-Ohr wusste, ist nicht belegt. In Italien lebte der deutsche Kaiser jedenfalls viele Jahre, seine Frau Adelheid ist selbst Italienierin gewesen. Die Kunde aus Salerno und die Wanderschaft der Benediktinermönche könnten bis zu ihm gelangt sein.

Holler-Kreationen für die hoheitlichen Gäste

Ursula Duchrow-Buhr möchte jedenfalls als Dankeschön mit ihren Gästen eine Brücke schlagen - von den mittelalterlichen Heilmitteln bis zu Essenzen, Pflanzen und Elixieren, die heute Grundlage der Medizin sind.

Als lukullische Umrahmung will sie ein rustikales Holundermahl servieren. Bei urigem Holunderwein reichen die Niederndodeleber Holunderfreunde Schinken, Holunderbeeren- und Hollerblüten-Käsetorte. Holunderkäse, raffinierte Aufläufe mit guten Kräutern und deftiges Holunderbrot sollen die Gaumen der höfischen Gäste verwöhnen.

Aus der Hohen Börde werden Ratsherrin Steffi Trittel und die dreifache Börde(back-)königin Helmi Ritter mit an der kaiserlichen Dankeschön-Tafel sitzen.