Der Freundeskreis der Geschichtswerkstatt "Samuel Walther" hat die Ausstellung zur "Geschichte der Schulen in Wegenstedt und Umgebung" eröffnet. Der Wegenstedter Ewald Koch hat monatelang Recherchen betrieben, alte Dokumente durchforstet und sich meist so die frühen Morgenstunden um die Ohren geschlagen.

Wegenstedt l Mit einem Zitat von Wilhelm Busch aus "Max und Moritz" hat Dr. Berthold Heinecke, Mitglied im Freundeskreis der Samuel-Walther-Werkstatt, bei der Ausstellungseröffnung den Sinn des Unterrichts und die Aufgabe der Lehrer beschrieben: "Also lautet ein Beschluss, dass der Mensch was lernen muss. Nicht allein das ABC bringt den Menschen in die Höh... Dass dies mit Verstand geschah, war Herr Lehrer Lämpel da."

Heinecke sprach die einleitenden Worte, die Ewald Koch zuvor zur Ausstellung verfasst hatte. Koch, der selbst als Lehrer tätig war, hatte fast ein Jahr lang unzählig viele Fakten zur Geschichte des Schulwesens in der Region zusammengetragen. Es sei natürlich schwierig, die Thematik über einen Zeitraum von etwa 350 Jahren in aller Kürze darzustellen, vieles müsse dabei unerwähnt bleiben.

"Dafür bitten wir um Verständnis und Nachsicht, wenn Sie anschließend die Ausstellung in Augenschein nehmen werden", so Heinecke.

Ausgangspunkt der Untersuchungen war die Frage, warum und wie Schulen in der Region entstanden waren und wie sie sich entwickelten. "Die Entstehung unterschiedlicher Schulformen, verursacht durch gesellschaftliche Veränderungen, soll in der Ausstellung nur am Rande erwähnt werden. Wir haben uns auf die bei uns in der Vergangenheit vorherrschenden Landschulen oder Volksschulen beschränkt. Es ist quasi eine Wanderung durch die Schulgeschichte unserer Dörfer bis hin zu den heutigen Problemen und der Frage, wie die wenigen, noch vorhandenen Schulstandorte in unserer Region erhalten werden können", schilderte Heinecke.

Unterricht für die Kinder auf dem "platten Lande"

Ziel des Unterrichts in den Volksschulen war es, auch den Kindern vom "platten Lande" Grundkenntnisse zu vermitteln. An erster Stelle stand der Religionsunterricht, in dem durch ausführliche Behandlung der zehn Gebote und des Kleinen Katechismus Regeln für das Verhalten innerhalb der Gesellschaft vermittelt wurden. Gleichzeitig fand der Kleine Katechismus auch als Lehrbuch zum Erlernen und Einüben des Lesens und Schreibens Verwendung. Als weitere Lehrbücher wurden an den Schulen verwendet: Das Lesebuch "Der Kinderfreund" von Eberhard v. Rochow, das 1877 durch das Lesebuch von Dietlein abgelöst wurde. Die Rechenbücher wechselten häufiger, hatten inhaltlich aber immer Bezug auf das erste Rechenbuch von Adam Ries aus dem 16. Jahrhundert.

Die Freunde der Geschichtswerkstatt bedankten sich bei allen, die am Zustandekommen der Ausstellung beteiligt waren. Die Ausstellung wird bereichert von Dokumenten wie zum Beispiel ein Zeugnis, ein vermutlich im Handarbeitsunterricht früherer Jahre gesticktes Deckchen und eine Vielzahl von alten Büchern. Zeugnis über Vergangenes legen historische Fotoaufnahmen von Schulklassen oder Poesiealben von den Großeltern ab.

Gegenwärtig gibt es in der Region noch die Grundschulen in Rätzlingen, Wegenstedt und Flechtingen sowie die Sekundarschule in Calvörde. "Damit diese Schulen auch in Zukunft Bestand haben, gilt es immer wieder, neue Wege bei ihrer Ausgestaltung zu gehen. Wenn Sie Gedanken oder Vorschläge zur Erhaltung der Schulen haben, mögen sie oberflächlich betrachtet auch noch so abwegig sein, teilen Sie uns das mit", bat Koch.

Auch ein vermeintlich kleiner Hinweis könne helfen, neue Wege zum Wohle und zur Erhaltung der Dörfer und zur bestmöglichen Vorbereitung der Kinder und Jugendlichen auf das Leben zu finden.

Koch bedankte sich auch bei Pastorin Irene Heinecke, die ihm mit der Möglichkeit, Urkunden und andere Unterlagen des Flechtinger Kirchenarchivs nutzen zu können, sehr geholfen habe. Dadurch sei es möglich, nun ein recht authentisches Bild der Schulgeschichte in der Region darzustellen. "Außerdem hat sie mit ihren Ideen und Anregungen wesentlich dazu beigetragen, dass die Ausstellung so erfolgreich werden konnte", erklärte Koch.

Lobende Worte gingen auch an Dr. Heinecke, der nicht nur die einleitenden Worte zur Entlastung von Kochs Stimme sprach, sondern er habe mit seinen Hinweisen Einfluss auf Inhalt und Gestaltung der Ausstellungsmaterialien genommen.

Die Schulausstellung ist bis zum 13. April jeden Sonntag von 14 bis 16 Uhr in der Werkstatt zu sehen. Danach kann die Ausstellung noch bis zum 31. Oktober nach Vereinbarungen besichtigt werden.