Franzosen und Polen wollen in Althaldensleben Verpflegung requirieren, am besten Hühner und Enten. Preußische Soldaten stellen sich den Napoleontreuen entgegen. Solche und ähnliche Szenen werden sich in Althaldensleben am 2. Mai abspielen - als Auftakt zum großen Friedensfest am ersten Mai-Wochenende.

Althaldensleben l Am 3. und 4. Mai wird Schloss Hundisburg fest in preußischer Hand sein, dennoch werden hier auch französische und polnische Truppen auftauchen. Mitglieder militärhistorischer Vereine wollen die Zeit vor 200 Jahren wieder lebendig werden lassen. Preußische Truppen unter dem Kommando von General Tauentzien waren damals auf Schloss Hundisburg stationiert, während Magdeburg noch von napolenischen Truppen besetzt war.

"Es soll gezeigt werden, wie sich die napoleonische Zeit auf Althaldensleben ausgewirkt hat."

Die Stadtverwaltung Haldensleben und der Verein Kultur-Landschaft Haldensleben-Hundisburg planen gemeinsam mit dem Militärhistorischen Verein Preußisches Leib-Infanterie-Regiment ein großes Spektakel, zu dem auch ein Biedermeiermarkt gehören wird.

Den Auftakt zu diesem Fest gibt jedoch Althaldensleben am Freitagabend. "In Althaldens- leben soll die Geschichte jener Zeit beleuchtet werden", ver- sichert Renate Schmidt, Leiterin des Kulturamtes der Stadtverwaltung. "Es soll gezeigt werden, wie sich die napoleonische Zeit auf Althaldensleben ausgewirkt hat." Johann Gottlob Nathusius besaß zu der Zeit schon Schloss Hundisburg. Das damalige Königreich Westphalen legte den Grundstein für die Säkularisierung des Klosters in Althaldensleben, das Nathusius daraufhin kaufte, hier zahlreiche Fabriken begründete und damit der Region einen bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung bescherte. Das soll am Freitagabend am 2. Mai auch deutlich gemacht werden.

Um 17 Uhr beginnt ein Blick in die Geschichte, zu der der Eingang der Berufsbildenden Schule der Treffpunkt ist. Bei einem Gang durch das ehemalige Kloster wird an die Zeit vor 200 Jahren erinnert, in der Aula werden auch Bilder zu Nathusius und seinen zahlreichen Fabriken sehen sein.

Der Weg führt weiter zum Jägerhäuschen. Dort soll es zu einer Requirierung kommen, erläutert Renate Schmidt. 25 Mitglieder des Militärhistorischen Vereins Warschau werden hier die einfallenden Truppen verkörpern, die nach Verpflegung für die Soldaten suchen. Die Polen sind Gäste der Stadt. Die polnische Partnerstadt Ciechanow hat diesen Kontakt vermittelt, denn der Verein gestaltet alljährlich bei Ciechanow historische Kämpfe nach. Vor zwei Jahrhunderten haben die Polen auf der Seite der Franzosen gekämpft. So werden auch polnische und französische Soldaten von den Althaldenslebern Hühner, Enten und Kartoffeln einfordern. Preußische Truppen werden ihnen entgegentreten. Das Geschehen wird sich weiter in den Landschaftspark ziehen in die Nähe der Rousseauinsel. Die Landwehr wird dabei marodierende Soldaten verfolgen.

Schließlich werden alle gemeinsam am Lagerfeuer den Tag ausklingen lassen. Hier sollen auch noch Lieder aus der damaligen Zeit angestimmt werden. Dazu holen sich die Akteure Verstärkung aus Männerchören der Region. Es gibt Schwein am Spieß, Bier und viel Musik, kündigt Renate Schmidt an.

Die Kulturamtsleiterin bittet Althaldensleber oder andere historisch Interessierte um ihre Mitwirkung. Wer als Statist - natürlich in zeitgemäßer Kleidung - bei den Spielszenen mitwirken möchte, ist überaus willkommen. Interessenten können sich in der Abteilung Kultur der Stadtverwaltung melden, Telefon 03904/47 93 31. Ein Kostümverleih wird vor Ort sein, bei dem sich Interessenten Garderobe ausleihen können. Die müsste allerdings vorher bestellt werden. Natürlich kann auch selbstgeschneidert werden. Sollte noch jemand Utensilien aus jener Zeit zur Verfügung stellen können, könnte er sich ebenso melden. "Wir brauchen auch noch Hühner für die Requirierung", sagt Renate Schmidt schmunzelnd. Sie setzt auf die Unterstützung der Althaldensleber an jenem Freitagabend.

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