Der Bauausschuss des Haldensleber Stadtrates hat sich einmal mehr mit den Verkehrsproblemen in Althaldensleben beschäftigt. Eine Lösung, wie besonders an der Althaldensleber Straße für eine Verkehrsberuhigung gesorgt werden kann, ist allerdings nicht in Sicht.

Haldensleben l Knapp 50 Unterschriften trägt die Resolution, die von der Althaldensleberin Gesine Herzberg auf den Weg gebracht wurde. Darin wird eine "baldige Regelung (z.B. in Form eines Zebrastreifens oder Ampelanlage), die uns eine sichere Überquerung der Neuhaldensleber Straße als Fußgänger ermöglicht" gefordert. "Das Verkehrsaufkommen auf der Neuhaldensleber Straße hat deutlich zugenommen, das gilt besonders für die Stunden am Vormittag sowie des späten Nachmittags. Unfälle sind somit vorprogrammiert", erklärt Gesine Herzberg.

Seit Jahren schon fordern Althaldensleber Bürger eine Verkehrsberuhigung der Neuhaldensleber Straße. Bislang erfolglos. Denn es fehlen die Voraussetzungen, um hier eine Tempo-30-Zone oder einen weiteren Fußgängerüberweg zwischen Adlerplatz und Kreisverkehr einzurichten.

So wird der Abschnitt von der Polizei nicht als Unfallschwerpunkt eingestuft. In den Jahren von 2004 bis 2013 seien insgesamt mindestens 53 Unfälle registriert worden, kann Polizeihauptkommissar Hans-Jürgen Schlaphof vom Verkehrsdienst des Polizeireviers Börde keine überdurchschnittlich hohe Unfallhäufigkeit feststellen.

Auch für den Fachdienst Straßenverkehr des Landkreises Börde ist die Problematik Neuhaldensleber Straße nicht neu. "Der Bereich um den Penny beschäftigt uns schon seit Jahren", erklärt Fachdienstleiter Jürgen Till. So seien immer wieder Verkehrszählungen durchgeführt worden, die laut Till alle zum selben Schluss kamen: "Die Belastung der Neuhaldensleber Straße ist für eine Landesstraße normal und nicht unüblich."

Und genau da, in der Klassifizierung der Straße, liegt des Pudels Kern. "Die Neuhaldensleber Straße ist eben keine Gemeinde-, sondern eine Landesstraße. Und dort gelten eben andere Kriterien, denn eine Landesstraße hat die Funktion, den überregionalen Durchgangsverkehr aufzunehmen - auch den Wirtschaftsverkehr", erklärt Stadt-Dezernent Henning Konrad Otto die Situation. Unter diesem Aspekt betrachtet sei die Straße nicht überbelastet. "Für die Anlieger ist das natürlich kein Trost", weiß er. Doch solange die Neuhaldensleber Straße eine Landesstraße ist, seien weder Geschwindigkeits- noch Tonnagebeschränkungen möglich. "Uns sind die Hände gebunden", so Otto weiter.

Was die Einrichtung eines Fußgängerüberweges beziehungsweise einer Fußgängerampel betrifft, dafür gelten in Deutschland konkrete Vorschriften. "Das ist erst ab einem bestimmten Verkehrsaufkommen möglich, welches in Althaldensleben aber nicht vorliegt", erläutert Jürgen Till. Zudem würden viele Kriterien gegen einen weiteren Überweg an der Neuhaldensleber Straße sprechen, meint er, und führt unter anderem die kurvige Straßenführung, die zahlreichen Hofeinfahrten sowie die Bushaltestellen beim Penny-Markt an. "Es müssen immer ganz bestimmte Abstände eingehalten werden, damit die Kraftfahrer auch die Möglichkeit haben, rechtzeitig an einem Fußgängerüberweg abbremsen zu können. Doch das lässt die Straßenführung hier nicht zu", so Till weiter.

Der Haldensleber Klaus-Dieter Albrecht weist darauf hin, dass die Gehwege im Abschnitt zwischen Adlerplatz und Penny sehr schmal seien. Da sie auch von Kindern als Schulweg genutzt werden, verstoße der Zustand seiner Ansicht nach gegen das Schulgesetz des Landes Sachsen-Anhalt. "So schnell, wie die Lkw durch Althaldensleben fahren, bildet sich hinter ihnen eine regelrechte Sog-Wirkung. Wenn da mal ein Schulkind hineingerät, hat es keine Chance", ist Albrecht überzeugt.

Ein Aspekt, den Polizeihauptkommissar Hans-Jürgen Schlaphof gern zur Kenntnis nimmt. "Das können wir nur an den Baulastträger der Straße (das Land Sachsen-Anhalt - Anm.d.Red.) weiterleiten", sagt er. Auch Bauausschussvorsitzende Regina Blenkle (Freie Wähler/pro Althaldensleben) sieht Handlungsbedarf. "Vor dem Hintergrund sicherer Schulweg sollte die Verwaltung prüfen, ob Lösungen möglich sind", sagt sie und regt zudem verstärkte Kontrollen von Seiten der Polizei in Althaldensleben an. Momentan allerdings sei eine Verbesserung der Zustände an der Neuhaldensleber Straße nicht in Sicht, resümiert auch die Stadträtin.

Eine mögliche Entschärfung der Situation in Althaldensleben sieht Dezernent Otto im Bau der Haldensleber Ortsumgehung B245n. "Es ist fraglich, ob die Klassifizierung der Neuhaldensleber Straße als Landesstraße nach der Fertigstellung der Ortsumgehung weiterhin Bestand haben wird. Eine Umwidmung zur Gemeindestraße ist dann durchaus denkbar." Als Beispiel führte er die Bülstringer Straße an. Sie war bis zum Bau der sogenannten Haldensleber Westumfahrung - Strecke Haldensleben-Bülstringen - als Kreisstraße deklariert. Die Bülstringer Straße wurde nach Fertigstellung der "kleinen Umgehung" zur Gemeindestraße, die Westumfahrung zur Kreisstraße umgewidmet.

Doch das wird dauern. Nach aktuellem Stand könne die B245n im kommenden Jahr baureif sein, so Otto. Mit einem Baubeginn sei dann 2017/2018 zu rechnen, mit der kompletten Fertigstellung aber wohl nicht vor dem Jahr 2020.