Haldensleben l Es waren "bloß" zwei Jahre, die er Anfang der 1990er Jahre in Hillersleben verbrachte. Doch diese Zeit beeinflusst den ehemaligen Presseoffizier Jewgeni Kolenda aus Russland in gewisser Weise noch heute. Denn hier hat der damals 22-Jährige seine Frau Tatjana kennengelernt. Zusammen kehrten sie kürzlich an den Ort ihrer Begegnung zurück. Im Museum Haldensleben ließen sie ihre Zeit in Hillersleben noch einmal Revue passieren.

"Ich habe nur angenehme Erinnerungen an diese Zeit", sagt Kolenda. Es war der Beginn seiner Dienstkarriere und sogleich sein erster Auslands-einsatz. Sein Arbeitsalltag: straff geplant. Als Presseoffizier war es in erster Linie seine Aufgabe, Informationen und Material für die Divisionszeitung zu sammeln, die dreimal pro Woche erschien. "Ich musste aber zusätzlich auch noch Dienst im Stab leisten, war am Kontroll- und Einlasspunkt eingesetzt." Blieb ein freier Tag pro Woche übrig. Sonnabends war jedoch schon mittags Schluss. Die freie Zeit nutzten sie häufig, um nach Haldensleben oder Magdeburg zu fahren.

Seine Frau Tatjana arbeitete damals als Assistentin des Leiters der Lebensmittelversorgung. Nach Abzug der Streitkräfte wurde sie nach Kaliningrad versetzt, hatte Auslandseinsätze in Norwegen und Schweden. Doch bei ihrem Besuch in Haldensleben sagt sie: "Es fühlt sich an, als wären wir nie weg gewesen."

Auch sie erinnert sich gern an die Zeit in Hillersleben: "Wir wären damals am liebsten hier geblieben." Doch es blieb ihnen nichts anderes übrig, als die Entscheidung so hinzunehmen. "Ich erinnere mich noch an unsere Abreise. Es wurden Aufnahmen gemacht. Der Zug musste dann rangieren und fuhr noch mal zurück. Das ganze Abteil freute sich schon: Bleiben wir etwa doch hier? Leider vergeblich", erzählt sie.

Was das Leben in Hillersleben für sie so angenehm machte, war vor allem das gute Miteinander mit der deutschen Bevölkerung. "Uns wurde sehr viel Mitgefühl für unsere Situation entgegengebracht. Darum haben wir uns auch gar keine Gedanken über unseren Status hier gemacht."

Das beruht auf Gegenseitigkeit. Auch die Besucher im Haldensleber Museum haben fast nur gute Erinnerungen. "Ich habe die Sowjetsoldaten immer als sehr höflich, zuvorkommend und hilfsbereit wahrgenommen. Wenn in den Betrieben oder der Landwirtschaft Not am Mann herrschte, waren sie zur Stelle", erinnert sich ein Gast aus Calvörde. Ein Haldensleber weiß dazu eine kleine Anekdote zu erzählen: "Für die Wasserversorgung mussten wir Schächte ausheben. Ich habe die Soldaten gefragt, ob sie mir einen kleinen Bagger ausleihen können. Kein Problem, sagten sie. Am nächsten Morgen standen dann zehn Soldaten auf der Matte - das war der kleine Bagger", sagt er amüsiert.

Die Stationierung der russischen Truppen habe aber auch negative Auswirkungen gehabt, merkt ein anderer an. "Die russischen Panzer kannten damals ja keine Ketten aus Gummi. Und wenn Übungen waren, klapperte auch schon mal das Geschirr im Küchenschrank." Im Publikum störte das rückblickend jedoch die wenigsten. Für sie überwogen die guten Erinnerungen.