Aus der Luft und vom Boden aus wird momentan der Wildbestand auf dem Truppenübungsplatz in der Colbitz-Letzlinger Heide ermittelt. Mit Wärmebildkameras sind Förster und Technikfachmann vorallem dem Rotwild auf der Spur.

Letzlingen l Übernächtigt, aber ob des Erfolges gut gelaunt, erklärte Ulrich Franke, die Kamerasysteme, mit denen er in den zurückliegenden Tagen Wildtiere auf dem Truppenübungsplatz Altmark aufgenommen hat. Der Ingenieur für Umwelttechnologien hat mit einem Ultra-Leichtflugzeug die südwestlichen und nordöstlichen Waldgebiete überflogen und dabei mit einer Infrarotwärmebild-Kamera und zeitgleich einer Weißbildkamera aus 300 Metern Höhe den Boden fotografiert. Ziel ist, in erster Linie den Rotwildbestand zu ermitteln. Das gelingt über diese Methode am besten, wie Rainer Aumann, Leiter des Bundesforstbetriebes Nördliches Sachsen-Anhalt erläutert.

Um die aus der Luft gewonnen Ergebnisse abzusichern, war Ulrich Franke in der Nacht mit Forstrevierleiter Volker Schütte im Allrad-Geländewagen unterwegs. Ebenfalls mit Wärmebildkamera und mit Hilfe von Nachtsichtgeräten zählten sie das Rotwild aus dem Auto heraus. Die Tiere ließen sich dabei von ihnen nicht groß stören. Mit einer Geschwindigkeit zwischen 10 und 25 Kilometern pro Stunde ging es durch den nächtlichen Wald. Dabei begegneten sie nicht nur stattlichen Hirschen. Auch Füchse, Dachse, jede Menge Hasen, Rehe, Wildschweine und sogar eine Wildkatze kreuzten ihren Weg, wie der Revierförster berichtete.

Im Fokus der Förster steht aber vor allem das Rotwild, die häufigste Wildart auf dem 24000 Hektar großen Areal des Truppenübungsplatzes. Rund um den Bereich, der aktiv genutzt wird, soll der Wald einen natürlichen Staub-, Lärm- und Sichtschutz bilden. Nach einem Managementplan sollen verschiedene waldbauliche Maßnahmen umgesetzt werden. "Wichtig ist, dass wir einen strukturreichen Wald haben", erklärt Aumann. Bäume unterschiedlichen Alters sollen einen dichten grünen Gürtel bilden. Mit sogenannter Naturverjüngung über Samen der vorhandenen Bäume und Pflanzungen soll das erreicht werden. Dabei ist ein Mix aus Nadel- und Laubbäumen vorgesehen, damit auch im Winter ein Schutz gegeben ist, erklärt der Forstfachmann. Damit das gelingen kann, müssen diese sogenannten Verjüngungsflächen vor Wildverbiss geschützt werden. Und gerade dem Rotwild schmecken junge Triebe und Bäume besonders gut. "Die schälen alles ab", berichtet der Revierleiter aus der Praxis.

"Wir wollen einen artenreichen Wildbestand."

Bevor es dem Rotwild mit einem Abschussplan verstärkt an den Kragen geht, muss der Ist-Bestand ermittelt werden. Geschätzt leben auf dem Gebiet insgesamt bis zu 1500 Hirsche, Kühe und ihre Nachzucht. Aumann rechnet damit, dass es mehr als fünf Tiere pro 100 Hektar sind. "Wir wollen einen artenreichen Wildbestand, müssen aber darauf achten, dass das Rotwild zahlenmäßig nicht zu stark wird", sagt Aumann. Als verträglich für den Waldumbau mit Naturverjüngung nennt er 3 bis 3,5 Tiere pro 100 Hektar. Es müsse aber zunächst abgewartet werden, was die Zählungen ergeben. Die Auswertung könne noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Dann könnten nach dem Anteil des weiblichen Rotwildes Rückschlüsse auf den Zuwachs in den Rudeln gezogen und ein Abschussplan aufgestellt werden. Gejagt wird im Bereich des Bundesforstes nur mit sogenannten Intervalljagden im Herbst. Dann kommen an fünf bis sechs Wochenenden im Herbst viele Jäger zum Einsatz. Den Rest des Jahres hat das Wild dafür seine Ruhe.

Natürliche Unterstützung beim Dezimieren des Rotwildbestandes erwarten sich die Förster auch von den Wölfen, die in der Heide leben.

Zwar seien Kosten für die Bestandsermittlung mit 1,30 Euro je Hektar relativ hoch. Die Förster sind sich aber sicher, dass sie auf lange Sicht Kosten für Zäune sparen, mit denen sie sonst die jungen Bäume vor dem Wildverbiss schützen müssten. Pro Hektar sei dafür mit 6000 Euro zu rechnen. Da sei es wesentlich günstiger, auf Grundlage belastbarer Zahlen einen optimierten Abschussplan zu erstellen.

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