Haldensleben (az) l Rockmusik, ein Stehpult mit Totenschädel und Laptop sowie ganz viele schräge Fotos: Einen unterhaltsamen Abend der etwas anderen Art hat die Stadt- und Kreisbibliothek Haldensleben in der Kulturfabrik präsentiert. Der Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke plauderte drei Stunden lang ungezwungen aus dem Nähkästchen - und der Saal war mit über 200 Gästen brechend voll. Schon Wochen im Voraus war die Veranstaltung ausverkauft. Dabei war das Thema des Abends nicht unbedingt etwas für zart besaitete Gemüter. Es lautete: "Insekten auf Leichen".

Was nach einer eher getragenen Veranstaltung klingt, war tatsächlich ausgesprochen unterhaltsam. Was nicht zuletzt an der lockeren Art von Mark Benecke lag. Schwarzen Humor brauchte es allerdings auch. Krankenpflegerinnen, Polizisten und Feuerwehrleute konnten sich den Abend sogar als Fortbildung anerkennen lassen. Darüber hinaus hatten sich die Gäste das Thema selbst ausgesucht. Alternativ hätten unter anderem auch "Genetische Fingerabdrücke" und "Autoerotische Unfälle" zur Wahl gestanden.

In einer Einführung beleuchtete Benecke zunächst die Sicht- und Arbeitsweise von Kriminalbiologen. Oberster Grundsatz: "Glauben Sie nichts. Wenn möglich, prüfen Sie alles selbst." Und weiter: "Warum etwas passiert ist, interessiert uns nicht. Danach fragen Polizisten und Staatsanwälte. Wir sind die, die sammeln und sortieren." Anhand eines realen Mordfalls zeigte Benecke, wie Vorurteile die Wahrnehmung beeinflussen - und damit zu falschen Gerichtsurteilen führen können. Konkret ging es um einen Mann, der wegen angeblichen Mordes 14 Jahre zu unrecht im Gefängnis saß. "Man muss den Kopf völlig frei machen. Sonst sieht man oft nur, was man sehen will."

Danach wurde es noch etwas intensiver. Denn zu den vielen Fragen der Kriminalbiologie zählt auch Folgendes: Wie lange ist ein vermeintliches Mordopfer schon tot? Um das klären, gibt es eine Reihe "natürlicher Helfer". Laut Mark Benecke spielen dabei vor allem Bakterien eine Rolle. Jedes sondert einen besonderen Geruch ab, der sich mit Hilfe spezieller Geräte exakt messen lässt. Auch Insekten ließen sich zu ganz bestimmten Zeitpunkten nieder. Zusammen mit den Bakterien könne man sie "wie eine Uhr" nutzen. Doch ganz so einfach ist das Kriminalisten-Handwerk trotzdem nicht. Schon kleinste klimatische Veränderungen könnten alles wieder durcheinander bringen.

Dass dieses Thema Mark Benecke am Herzen liegt, lässt sich auch daran ablesen, dass er sich selbst als "Herr der Maden" bezeichnet. Alle Ausführungen untermauerte Mark Benecke mit authentischen Fallbeispielen. Das dabei präsentierte Bildmaterial war teils deftig. Aber das Publikum ließ sich davon nicht beirren: Es war völlig gebannt und bedankte sich mit tosendem Applaus.