Die Ziegelei Hundisburg verwandelt sich für die nächsten vier Wochen in ein großes Atelier. Denn gestern hat dort das Keramiksymposium "Terra Arte" begonnen. Sechs Künstler sind dafür vor Ort, um die Möglichkeiten der historischen Technik zu erproben.

Hundisburg l Noch wirkt die Atelierscheune beinahe unberührt: An den Seiten stehen Arbeitstische. Darauf finden sich Werkzeug und ein erster Eimer mit Ton. Doch dieser aufgeräumte Eindruck wird hoffentlich bald einem kreativen Durcheinander weichen. Denn seit gestern läuft im Tech- nischen Denkmal Ziegelei die 14. Auflage von Terra Arte. Der Landkreis Börde veranstaltet das Symposium in Zusammenarbeit mit dem Fördeverein der Ziegelei und mit Unterstützung des Landes Sachsen-Anhalt.

Andreas Baumeister, Sach- gebietsleiter für Kultur und Sport beim Kreis, begrüßte gestern die Teilnehmer des Symposiums. Dabei handelt es sich um: Roswitha Bühler aus Jerichow, Sabine Heller aus Sieversdorf, Christine Müller aus Halle, Reinhard Thürmer aus Glewitz, Hannes Uhlenhaupt aus Leipzig und Silke Wobst aus Dresden. Abgesehen von Sabine Heller sind alle zum ersten Mal dabei. "Wir haben bewusst auf Vielfalt gesetzt. Die Teilnehmer stammen aus vier Jahrzehnten. Sie haben ganz unterschiedliche Ansichten und künstlerische Handschriften", erklärt Christine Dorothea Hölzig, Kunsthistorikerin aus Leipzig und Kuratorin des Symposiums.

Für die nächsten vier Wochen werden die Teilnehmer in der Torhausherberge von Schloss Hundisburg leben. In der Ziegelei können sie währenddessen ihren künstlerischen Vorstellungen Gestalt geben. Laut Christine Dorothea Hölzig bietet vor allem die Arbeit mit dem sogenannten Zickzackofen besondere Herausforderungen und Reize. "Je nach Position herrscht im Ofen eine andere Temperatur", erklärte Hölzig. Davon hänge auch die Farbgebung des fertig gebrannten Werkes ab. "Das ist ein Experiment und erfordert ganz genaues Arbeiten", so Hölzig. Andererseits lasse es sich auch gezielt für eine bestimmte Gestaltung nutzen. Darüber hinaus seien des Brennkammern des Zickzackofens speziell für große Arbeiten gut geeignet.

Inhaltliche Vorgaben gibt es für die Teilnehmer des Symposiums nicht: Sie können sich frei entfalten. Doch bis die Ergebnisse fertig sind, wird es eine Weile dauern. "Die vier Wochen sind nur der Anfang", sagte Andreas Baumeister. "Danach gehen die Werke in die Lufttrocknung, auf Wunsch können sie auch gleich in den Ofen. Bei gutem Wetter können wir im September brennen, bei schlechtem Wetter später."

Anschließend folgt die Nachbearbeitung. Sie könne auch gern weitere Materialien wie Glas oder Metall umfassen. Wenn alles fertig ist, werden Aufnahmen für einen Katalog gemacht. "Der soll zum Jahreswechsel fertig sein", so Christine Dorothea Hölzig. "Danach bereiten wir eine Ausstellung vor." Gerade diese vielen Zwischenschritte bilden für die Kuratorin einen besonderen Reiz bei der Arbeit bei Ton. Für Roswitha Bühler steht die Eigensinnigkeit des Materials im Vordergrund: "Ton verzieht sich beim Trocknen manchmal in ungeahnte Richtungen. Er entwickelt sich nicht immer so, wie man will."

Die lange Vor- und Nach- bereitung des Symposiums bietet darüber hinaus eine weitere Chance: Denn am Sonnabend eröffnet in Schaddel bei Grimma eine Ausstellung, bei der erstmals alle Werke des vergangenen Symposiums zu sehen sind. Auf diese Weise können beim Besuch die neuen mit den alten Teilnehmern ins Gespräch kommen und sich inspirieren lassen.