Haldensleben l Die deutsche Fußball-Mannschaft fertigt am Montagabend bei der Weltmeisterschaft Portugal ab und in der Satueller Straße sprudelt das Wasser. Allerdings nicht aus dem Wasserhahn, sondern direkt aus der Straße in Höhe der Hausnummer 9. "Gegen 19.30 Uhr ist die Meldung, dass es im Haldensleber Nordosten kein Wasser mehr gibt, bei uns eingegangen", berichtet Christiane Wiesener, Technische Leiterin bei der Trinkwasserversorgung Magdeburg (TWM).

Eine Stunde später war das Leck in der Satueller Straße abgeschiebert - zunächst mit der Folge, dass etwa 100 Haushalte nordöstlich der Satueller Straße praktisch auf dem Trockenen saßen. "Glücklicherweise besitzt Haldensleben eine Ringleitung. Über weitere Abschieber-Maßnahmen der Stadtwerke konnte so wenigstens die Hauptleitung abgesichert werden, so dass es wieder Wasser gab. Allerdings mit weniger Druck als gewohnt", schränkt Christiane Wiesener ein.

Doch der geringe Wasserdruck forderte seinerseits Tribut. "Wir haben bislang immer noch kein Wasser. Wir sind ja hier ganz oben auf dem Berg", sagt Dienstagmittag eine verzweifelte Edyta Zander. Die Leiterin der Jugendherberge an der Bornschen Straße hat ein volles Haus. 50 junge Gäste wollen sich duschen und verpflegt werden. "Zum Glück hatten wir das Abendbrot am Montag wegen des Fußballspiels eine halbe Stunde nach vorn verschoben", erzählt Markus Langer vom Herbergsteam. Aber als immer weniger Wasser aus dem Hahn floss, wurden Schüsseln und Eimer gefüllt. "Damit konnten wir am Dienstag wenigstens das Frühstück absichern. Da die Kinder dann unterwegs waren, mussten wir uns nicht ums Mittagessen kümmern. Das hätten wir nicht auf die Reihe bekommen", so Langer weiter. Gegen 13.30 Uhr lief auch in der Jugendherberge wieder das Wasser, die Gäste blieben.

Die Satueller Straße war noch am Montagabend zwischen dem Kreisverkehr und dem Ortsausgang voll gesperrt worden. Die TWM forderte zur Reparatur eine Wasserbaufirma an, deren Mitarbeiter gegen 24 Uhr vor Ort eintrafen und die Lage sondierten. Anschließend wurde gegen 2 Uhr damit begonnen, die Straße über dem Leck mit schwerem Gerät zu öffnen. "Bevor das Leck aber zunächst mit einer Schelle gesichert werden konnte, waren noch umfangreiche Grundwasserabsenkungen wegen der Ohre notwendig", nennt die TWM-Mitarbeiterin eine weitere Herausforderung, die es zu meistern galt. Gut neun Stunden später war das defekte Rohrleitungsstück in gut drei Metern Tiefe ersetzt.

"Sie können ja auch nicht in die Erde schauen. Niemand kann genau sagen, wie es da unten aussieht" - Christiane Wiesener, Technische Leiterin bei der TWM

Zur Havarie-Ursache gibt es bisher nur Vermutungen. Sie dürfte laut Christiane Wiesener im Zusammenhang mit den Bauarbeiten an der Satueller Straße stehen. Der Energieversorger Avacon lässt dort derzeit Erdkabel verlegen. "Vermutlich beim unterirdischen Vortrieb wurde ein Stein nach oben gedrückt, der dann unsere 300-er Leitung beschädigt hat", mutmaßt die Technische Leiterin. Zwar hätten die Mitarbeiter der Baufirma vor Ort eine Einweisung erhalten, "aber sie können ja auch nicht in die Erde schauen. Niemand kann genau sagen, wie es da unten aussieht. Da kann so etwas schon einmal passieren", sagt sie.

Auch wenn seit Dienstagnachmittag das Wasser wieder fließt und die Stadtwerke die Leitung gespült haben, wird die Satueller Straße vorerst für den Verkehr gesperrt bleiben. "Der Schaden an der Leitung ist zwar behoben, aber die Straße muss ja auch wieder hergerichtet werden. Das wird wohl noch etwas dauern", meint Christiane Wiesener.

Die genaue Schadenshöhe vermochte sie nicht zu beziffern. "Auf jeden Fall eine fünfstellige Summe", ist sie überzeugt. Besonders der Straßenbau sei eine kostspielige Angelegenheit.

Bilder