Ein Hauch von Moulin Rouge ist beim Beren- brocker Dorffest über das Gelände der Damm-Mühle geweht. Den 100. Geburtstag seiner Mühle hat Müllermeister Hubertus Nitzschke genutzt, um mit Freunden und den Bewohnern von Berenbrock, Elsebeck und Lössewitz die Zusammengehörigkeit und das Jubiläum zu feiern.

Berenbrock l Drei Tage lang wurde auf dem Gelände der Damm-Mühle in Berenbrock gefeiert. Am ersten Abend em-pfing Müllermeister Hubertus Nitzschke mehr als 200 Gäste zum 100. Geburtstag seiner Mühle. Börde-Landrat Hans Walker (CDU) wünschte dem Familien- unternehmen auch weiter ein gutes Händchen für die Zukunft: "Die Mühle ist nicht nur ein historisches Denkmal, sondern das Müllerhandwerk ist ja ein harter Wettbewerb, dem Sie sich stellen müssen. Und dann noch im öffentlichen Leben so aktiv zu sein, das muss man erst mal können und wollen." Dass er sich engagieren will, beweist der Müllermeister mit seinen vielen Aktivitäten in Vereinen. So ist er unter anderem der Vorsitzende des Flechtinger Mühlen- und Heimatvereins und im Vorstand des Velsdorfer Schützenvereins aktiv. Seine Heimatfreunde schenkten seiner Frau Brigitte und ihm zur Feier des Tages ein Huhn, das goldene Eier legt.

Zu den zahlreichen Gästen gehörten Vertreter des Mitteldeutschen Müllerbundes und einen ganzen Tisch voller Bäcker sowie viele andere Wegbegleiter. Das waren alles Menschen, die irgendetwas mit der Mühle zu tun haben. Auch Calvördes Bürgermeister Volkmar Schliephake (CDU) hob nicht nur das öffentliche Engagement des Müllermeisters, sondern auch seine politischen Aktivitäten hervor. Nitzschke ist unter anderem Mitglied im Calvörder Gemeinderat und im Verbandsgemeinderat Flechtingen. "Es ist eine grandiose Leistung, ein Familienunternehmen über 100 Jahre zu halten. Du hast dich der Modernität angeglichen, so dass deine Mühle auch in den nächsten 100 Jahren eine Zukunft hat. Du hast bei deinem poltischen Engagement und bei deinem Wirken in Vereinen die regionalen Grenzen zwischen Calvörde und Flechtingen aufgehoben", schwärmte Flechtingens Bürgermeister Dieter Schwarz (FUWG).

In einem Lichtbildervortrag, den Nitzschke hielt, kamen alle diese Menschen in kleinen Anekdoten vor. Die Zeitreise ging über sieben Generationen und vier Gesellschaftsformen, in denen der Mühlenbetrieb aufrecht blieb. Nitzschke schilderte die Höhen und Tiefen.

Wie ein Müller in seiner Mühle arbeitet, davon konnten sich die Gäste am Sonnabend ein Bild machen. Während sich die Kinder auf der Hüpfburg austobten, gab es Kuchen, natürlich mit Mehl aus der heimischen Mühle.

In züchtig hochgeschlossenen Kleidern betraten drei Damen den Kornboden, doch heiße Höschen und Netzstrumpfhosen blitzten schon unter den Rockschlitzen hervor. Die "Schellack-Ladys" beherrschten ihr Metier wie kein anderes: sie sangen, tanzten und auch das Flirten mit den Herren im Publikum gehörte zum Programm.

So reisten die Gäste mit Marlene Dietrich und ihrem Lied "Ich hab noch einen Koffer in Berlin" in die 1920er Jahre. Marika Rökk steppte temperamentvoll über den Kornboden und Zarah Leander eroberte mit "Kann denn Liebe Sünde sein" die Männerherzen. Das Publikum pfiff begeistert und klatschte.

Züchtig ging es am Sonntagmorgen zu. Pfarrer Jürgen Dittrich hielt einen Gottesdienst. Bei Blasmusik schmeckte den Gästen die Wurst auf des Müllers Brot besonders gut.

 

Bilder