Heimat ist für die Lockstedter nicht nur der Ort, in dem sie geboren und aufgewachsen sind, sondern ein Stück Heimat sind auch die Freunde von damals und die Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse. Zum dritten Mal haben sich heutige und ehemalige Lockstedter zu einem Wiedersehensfest getroffen.

Lockstedt l Mit einem Gottesdienst und einem kleinen Konzert von den Klosterbrüdern aus Walbeck unter Leitung von Rainer Herr wurde das dritte Lockstedter Treffen in der Kirche eröffnet. Mit den Liedern "Wahre Freundschaft soll nicht wanken" und "Im schönsten Wiesengrunde" trafen die singenden Klosterbrüder genau den Nerv des Publikums.

Thema des Gottesdienstes war der "Baum am Wasser". "Bei dem Wasser denken wir an die Aller, an deren Ufer in Lockstedt schöne alte Bäume stehen. In der Kindheit haben wir es oft erlebt, durch das flache Wasser der Aller und im Schatten der Bäume zu gehen", dachte Pfarrer Jörg Oehlmann zurück. Der Geistliche schilderte die Bedeutung der Bäume für den Menschen. "Bäume haben Wurzeln, die in die Tiefe gehen sowie Äste, Blätter und Früchte, die in die Höhe wachsen - alles im richtigen Maß", beschrieb Oehlmann. Der Baum sei das Sinnbild für das menschliche Leben. "Der Baum macht seinen Stamm aus dem, was er erlebt hat. Das gibt ihm die Festigkeit. So ist es im menschlichen Leben auch. Alles was man in der Kindheit und in der Heimat erlebt hat, prägt einen. Auch das Schwere, was dem Menschen widerfahren ist, kann ihn stark machen", weiß der Pfarrer.

Von einer besonderen Begebenheit, die noch gar nicht lange her ist, erzählte Rainer Herr, der Leiter der Klosterbrüder. "Ich war an der Aller angeln. Ich wollte Wasser zum Anmischen des Fischfutters schöpfen, da bin ich ins Wasser geruscht. Das Ufer ist dort steil und lehmig. Deshalb bin ich nicht wieder allein hochgekommen", schilderte Herr. Otto Müller, der eigentlich nach seinen Kühen schauen wollte, war als Retter zur Stelle. Müller kam mit einem Seil und zog den Petrjünger an Land. Vor dem Publikum bedankte sich Herr bei seinem Retter in der Not, der ebenfalls mit in der Kirche saß.

Sigrid Kruse, die Initiatorin des Treffens, freute sich, dass über 100 jetzige und ehemalige Lockstedter die Einladung angenommen hatten. "Entstanden ist die Idee sich zu treffen, weil viele Lockstedter damals in den 50er und 60er Jahren ihre Heimat verlassen hatten und dadurch in alle Winde verstreut waren", erklärte die 74-jährige Lockstedterin, die der Heimat immer treu geblieben ist. Andere Lockstedter sind auch später nach der politischen Wende wegen ihrer beruflichen Neuorientierung von Lockstedt weggezogen. Gerade die älteren Leute waren es dann, die den Wunsch hegten, sich in großer Runde zu treffen. Einige jüngere Lockstedter sind in diesem Jahr dazu gekommen. Folgende Generationen sollen später die Treffen fortführen. "Auch unsere Tochter Simona aus München, die inzwischen 53 Jahre alt ist, ist heute mit dabei und hat einige Schulkameradinnen wiedergetroffen", erzählte Sigrid Kruse.

Aus Leverkusen kam Erich Dube. Und aus Emden an der Nordsee reiste Gerhard Melchers zum Treffen an. "Wir haben uns daran erinnert, wie wir als Kinder miteinander gespielt haben", sagte die Organisatorin.

Das Besondere an Lockstedt ist, dass die Bewohner zu DDR-Zeiten wegen ihrer Grenzlage zusammen gehalten haben. Aber auch über die Grenzen hinweg und trotz der Schwierigkeiten dieser Zeit hatten die Lockstedter den Zusammenhalt zustande gebracht. Obwohl es inzwischen Normalität ist, dass die Lockstedter zueinander kommen können, genießen sie das gesellige Miteinander. "Das Dorfleben in Lockstedt ist immer noch gut. Wir haben fast noch in jedem Haushalt Kinder oder Enkel, die mit in die Häuser gezogen sind", erzählen die Einheimischen.

Im Vorraum der Kirche gab es eine kleine Ausstellung mit Fotos aus der Vergangenheit zu bewundern. Zu sehen war die einstige Bürgermeisterin Erna Jahn, die bei einem Festumzug auf einem geschmückten Ochsen durch das Dorf ritt. Auf einem anderem Bild war ein kleiner Junge, der ein Ferkel mit Nuckelflasche füttert, abgelichtet. Fast vergilbte Fotos hingen auch von einer Aufführung beim Turnfest 1956. "Das war unsere Jugendzeit. Wir hatten in Lockstedt sogar ein Ballett", dachte Sigrid Kruse zurück.

Noch nicht im nächsten Jahr - aber sicher im übernächsten - soll es wieder ein Treffen geben. Sigrid Kruse hofft, dass die jüngere Generation die Organisation des Festes übernimmt. Natürlich würde sie hilfreich zur Seite stehen.

Sigrid Kruse bedankte sich bei den Kuchenbäckerinnen. Der Erlös des Kuchenverkaufs kommt der Kirchengemeinde zugute. "150 Euro spendierte die Lockstedter Jagdgenossenschaft. Von dem Geld konnten wir den Zeltaufbau bezahlen", erklärte die Lockstedterin.

Bilder