Der junge Haldensleber Storch hat ein neues Domizil in Vahldorf gefunden. Dort bereitet ihm jedoch sein eigenes Spiegelbild in den Fensterscheiben der Börde-Käserei Probleme.

Vahldorf l Um den einheimischen Weißstorch ranken sich viele Mythen. Bringt er doch angeblich nicht nur Kinder, sondern auch Glück und soll angeblich vor Blitzeinschlägen schützen.

In Vahldorf hat sich nun recht spät ein Storchenpaar auf einem Horst zusammengefunden. "Das ist der Haldensleber Storch HE 411", sagt der Naturschutzbeauftragte Peter Loskarn, der für Störche im Landkreis zuständig ist. Seit rund 50 Jahren ist der Bülstringer in diesem Ehrenamt tätig und kennt sich daher bestens mit den Störchen in der Region aus.

Haldensleber Storch hat neue Gefährtin gefunden

Noch im Juni liebäugelte der Adebar, der 2011 als Jungvogel in Brandenburg beringt wurde, mit einer unberingten Storchendame auf dem Horst hoch über dem Parkplatz am Stendaler Tor in Haldensleben, so berichtete die Volksstimme.

Doch nun wurde der gerade geschlechtsreif werdende Adebar zusammen mit einer anderen Störchin in Vahldorf entdeckt. Dieses Weibchen erhielt bereits 2007 in Dessau die Ringkennung H 6010.

"Störche sind nicht unbedingt treu in ihren Beziehungen und schließlich muss es ja auch passen", erklärt Loskarn das Verhalten des jungen Storchs. Dafür wären sie aber sehr darauf bedacht, ihren Horst vor anderen Interessenten zu verteidigen. Auch ohne Jungtiere kreist daher der männliche Storch aus Haldensleben besorgt um sein neues Nest direkt auf dem Gelände der Vahldorfer Käserei.

Das eigene Spiegelbild irritiert das Männchen

Das Zusammenleben könnte so unbeschwert zwischen Storchenpaar und Mensch sein, wenn der junge Adebar sich nicht von seinem eigenen Spiegelbild in den Fenstern der Käserei bedroht fühlen würde. Tiefe Furchen hat der Storch in der spiegelartigen Fensterfolie der Käserei hinterlassen. "Wir hatten schon einmal vor Jahren das Problem, aber dieser Storch ist um einiges aggressiver und hartnäckiger", sagt Hans-Peter Dietrich, Geschäftsführer der Käserei. Dennoch möchte er die weiß-schwarzen Langbeiner nicht missen. "Seit mehr als 20 Jahren haben wir auf dem Schornstein nun Störche sitzen. Mittlerweile fragen sogar die Besucher des Werksverkaufs schon nach ihnen", erzählt er lachend.

Und dabei haben die Vahldorfer schon einiges mit ihren Glücksbringern mitgemacht: So sind 1992 die Jungen nicht geschlüpft, weil der Schornstein undichte Stellen aufwies und kalte Luft von unten die Eier im Nest auskühlte. 1996 verfing sich ein junger Storch mit den Beinen in einer Schnur und musste erst von Peter Loskarn eingefangen und davon befreit werden. Durch das Band hatten sich sogar die Beine deformiert, so dass der Schreitvogel erst aufgepäppelt werden musste.

Und auch bei der letzten erfolgreichen Brut 2011 in Vahldorf geschah ein Unglück: "Innerhalb von wenigen Tagen sind beide Eltern verstorben und wir mussten die Jungtiere zum Naturpark Drömling, nach Kämkerhorst bringen", erzählt der Storchbeauftragte über seinen Problemhorst, den er seit 1990 betreut.

Im nächsten Jahr rechtzeitig vorsorgen

Damit der Storch sich nicht noch verletzt, kam Peter Loskarn auf die Idee, Gartenvliese an den Fensterscheiben anzubringen, um die Spiegelung zu unterbinden. "Zunächst hatten wir es mit Absperrband versucht, doch das hielt den jungen Weißstorch nicht davon ab, die Fenster weiterhin zu malträtieren", sagt der Naturschutzbeauftragte. Auch der Gartenfrostschutzvlies sei zwar noch nicht die Königslösung, dennoch wäre nun der Storch eindeutig weniger angriffslustig auf sein Spiegelbild. "Er hat sich jetzt aber auf sein `Feindbild` verschossen. Daher müssen wir im kommenden Frühjahr rechtzeitig die Fenster zuhängen", weiß Loskarn, der sich eine neue Brut für das kommende Jahr in Vahldorf erhofft.

Mit etwas Glück geht Peter Loskarns Wunsch in Erfüllung und es findet sich dieses Storchenpaar wieder zusammen. Dann könnte es der Käserei neben Glück auch ein paar Storchenbabys mitbringen - und das hoffentlich ohne weitere Vorkommnisse.

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