Haldensleben hat ein Luxusproblem: Die Plätze in den Kindertagesstätten werden knapp. Mit der Sanierung von drei Einrichtungen sowie der Schaffung einer zusätzlichen Betreuungseinrichtung im Mehrgenerationenhaus EHFA soll das Problem schnellstmöglich gelöst werden.

Haldensleben l Über zu wenige Kinder kann sich in Haldensleben niemand beschweren. Ganz im Gegenteil, es gibt so viele Steppkes, die in den Kindertagesstätten (Kitas) betreut werden wollen, dass die Einrichtungen derzeit aus allen Nähten platzen. Bis auf zwei Ausnahmen - die evangelische Kita St. Marien und die städtische Kita "Sonnenblume" in Wedringen - sind alle Einrichtungen zu 100 Prozent ausgelastet. "Wir haben derzeit arge Probleme, alle Kinder zu betreuen. Und das wird auch im nächsten Jahr so bleiben", informierte Stadt-Sozialamtsleiterin Doreen Scherff die Mitglieder des Sozialausschusses des Stadtrats. Nur mit viel Mühe sei es möglich, den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr, der seit dem 1. August 2013 in Kraft ist, zu erfüllen, meinte sie.

"Die Kinderzahlen haben sich anders entwickelt als die demografische Prognose", sagte Stadt-Dezernent Henning Konrad Otto. Darüber hinaus seien aufgrund der Suche von IFA Rotorion nach Arbeitskräften in der jüngsten Vergangenheit viele junge Familien nach Haldensleben gezogen. "Das war so nicht absehbar. Dementsprechend hoch ist der Druck auf die Kitas", erklärte er.

Laut Otto steht daher für die Stadtverwaltung die Frage im Raum, ob die Kapazitäten jetzt ausgebaut werden sollen oder eine Interimslösung gefunden werden soll. "Ab 2017/18 werden wir in Haldensleben das derzeitige Geburtenmittel von 150 im Jahr wohl nicht mehr erreichen. Das bedeutet, dass wir spätestens ab 2019/20 weniger Kinder haben und damit auch weniger Druck auf den Kitas", gab er dabei zu bedenken.

Als erste Maßnahmen, um die Lage zu entspannen, sollen die Zahl der Plätze in der Kinderkrippe "Zwergenhaus" von derzeit 55 auf 60 erhöht werden und die 70 Plätze in der Kita St. Marien - hier war eine Absenkung auf 63 geplant - bestehen bleiben. Für einen befristeten Zeitraum sollen auch in der Kita "Regenbogen" in Althaldensleben zusätzliche Plätze geschaffen werden.

Angesichts der aktuellen Situation soll im EHFA neben einer offenen Kinderbetreuung nun doch eine Kita, welche dem Kinderförderungsgesetz entspricht, eingerichtet werden. Genügend Platz ist laut Otto vorhanden. Dazu seien bereits Gespräche mit der Lebenshilfe Ostfalen, die mit "Ratz Rübe" und der "Rappelkiste" schon zwei Kindereinrichtungen in Haldensleben betreibt, als möglicher Träger geführt worden, sagte Doreen Scherff. Auch eine Begehung des Hauses sei bereits erfolgt. "Sollte es in Zukunft Überkapazitäten geben, lassen die sich dann im EHFA leichter zurückfahren, als wenn die Stadt jetzt eine komplett neue Kita bauen würde", so Otto weiter.

Darüber hinaus plant Haldensleben, mit Mitteln aus dem Förderprogramm "Stark III", das zielgerichtet die energetische Sanierung von Kitas beziehungsweise Schulen fördert, drei Kitas zu sanieren: den "Regenbogen" in Althaldensleben, das "Birkenwäldchen" in Satuelle sowie die Kita "Wirbelwind" in Süplingen. Wobei für letztere Einrichtung ein Neubau angestrebt wird. "Wenn es die ,Stark III`-Förderrichtlinien hergegen", schränkte die Amtsleiterin ein. Ansonsten soll das Objekt saniert werden.

Egal ob Neubau oder Sanierung - nach Abschluss der Maßnahme soll die Kita "Wirbelwind" ausschließlich von Krippe und Kindergarten genutzt werden. "Die Süplinger Schulkinder werden künftig den Hort an ihrer Grundschule besuchen", unterstrich Otto. "Wir haben Platzprobleme in den Kitas, nicht in den Horten. An den Schulen gibt es ausreichend Hortkapazitäten." Keiner der fünf Horte ist derzeit zu 100Prozent ausgelastet.

Als Ausweichquartier während der Baumaßnahmen ist das Verwaltungsgebäude der Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) Haldensleben auf dem Süplinger Berg im Gespräch. Dort lernt derzeit auch ein Teil der Kästnerschüler, während ihre Grundschule direkt nebenan saniert wird. "Noch befindet sich im Wobau-Gebäude auch die Drogen- und Sucht- sowie die Schuldnerberatungsstelle. Sie werden aber in das EHFA ziehen, so dass genügend Platz zur Verfügung steht. Denn eine Kita-Sanierung unter laufendem Betrieb, das funktioniert nicht", betonte der Dezernent. Die ehemalige Schule in der Kleinen Straße in Althaldensleben sei dagegen nicht geeignet. "Diese Ausweichmöglichkeit hat sich nach Rücksprache mit dem Landkreis zerschlagen", sagte Otto.

Die Stadtverwaltung erarbeitet derzeit die Beschlussvorlagen für die Sanierungs- beziehungsweise Neubaumaßnahmen der Kitas. Sie werden zeitnah in den Fachausschüssen und Ortschaftsräten behandelt, damit der Haldensleber Stadtrat auf seiner Sitzung am 4. September darüber entscheiden kann. "Die Zeit drängt, denn bis zum 30. September müssen die Förderanträge für die ,Stark III`-Mittel an das Land gestellt werden", macht Henning Konrad Otto deutlich.