Zehn Monate möchte Jonathan Schmidt aus Niederndodeleben in Amerika leben. Der Schüler hat sich über das Parlamentarische Partnerschaftsprogramm für ein Austauschjahr beworben und ist sehr gespannt.

Niederndodeleben l "Morgen um sechs geht es los", zeigte sich Jonathan Schmidt am Mittwochabend ein wenig aufgeregt, als er im Garten des elterlichen Hauses den CDU-Bundestagsabgeordneten Manfred Behrens empfing. Dem 16-jährigen Niederndodeleber stand nicht nur der erste Flug seines Lebens bevor, sondern auch der Beginn eines zehnmonatigen Aufenthaltes in den Vereinigten Staaten von Amerika - weit weg von zu Hause.

Ermöglicht wurde ihm das Auslandsjahr über das Parlamentarische Partnerschaftsprogramm (PPP) des Deutschen Bundestages. Bereits im vergangenen Jahr hatte sich Jonathan Schmidt über eine sogenannte Greencard, die im Internet zu finden ist, dafür beworben. "Es ist schon lange mein Traum, die USA kennenzulernen und zu erleben, wie die Menschen dort leben und wie es dort ist", erklärte Jonathan den Hintergrund, warum er sich beworben hatte.

Vater ist begeistert, dass Jonathan die Chance nutzt

Die Anerkennung seiner Mutter Beate Schmidt ist ihm gewiss. Für sie sei es, so sagte sie selbst, faszinierend, dass er es geschafft hat. Für seine Bewerbung habe er alles selbst erarbeitet und das sei nicht einfach gewesen. "Wir haben gesagt, wenn er es wirklich will, dann wird er sich kümmern", fügte sie hinzu. Einen Schuldigen dafür, dass der Mittlere der Schmidt-Söhne so sehr auf ein Jahr hinter dem großen Teich abfuhr, hat man in der Familie längst gefunden. Es war Clemens, der Freund von Jonathans Schwester Anna. Der hatte selbst ein Austauschjahr absolviert und Jonathan immer davon vorgeschwärmt.

Karl-Michael Schmidt, Vater von Jonathan, findet es unterdessen gut, dass sein Junior die Chance nutzt. "Wir haben früher ja nur von solchen Dingen geträumt", sagte er. Ebenso wie seine Frau denkt er, dass Jonathan in zehn Monaten mit einer ganz anderen Erfahrung heimkehren wird, als er sie jetzt hat.

Der Bundestagsabgeordnete Manfred Behrens freute sich, dass er bereits zum vierten Mal in fünf Jahren einen Schüler, der über das Parlamentarische Partnerschaftsprogramm in die USA geht, verabschieden konnte. Mit der Entscheidung, dass es Jonathan Schmidt ist, hatte er aber nichts zu tun. "Ein Gremium entscheidet, wer genommen wird, und erst dann erfahre ich, wer aus meinem Wahlkreis dabei ist", so Manfred Behrens. Zur Erinnerung an die Heimat hatte er für Jonathan eine Tasse mit einem Gruß aus Barleben, bekanntlich Manfred Behrens` Heimatgemeinde, mitgebracht. Diese sollte auch noch Platz im Koffer finden. "Und wenn er wieder hier ist, kann er bei mir noch ein Praktikum machen", erklärte der Abgeordnete.

Wenn Jonathan Schmidt in Trenton, einem Vorort von Detroit im US-Bundesstaat Michigan ankommt, wird er auch eine gewisse Botschafterrolle für Deutschland übernehmen. Darauf und auch auf die Besonderheiten der USA ist er in entsprechenden Seminaren gemeinsam mit etwa 30 anderen Austauschschülern vorbereitet worden. "Die Vorbereitung auf das Auslandsjahr beginnt schon fast ein Jahr vorher", erklärte Jonathan Schmidt, der begeistert war, dass er auf den Vorbereitungstagen viele Gleichgesinnte kennenlernen konnte.

Kontakte zur Gastfamilie schon vorab geknüpft

Wer ihn in seiner Familie aufnehmen wird, hat er hingegen erst vor kurzem erfahren. Per Whatsapp und E-Mail hat er aber bereits erste Kontakte geknüpft und so kennt er bereits seinen 14-jährigen Gastbruder und weiß von den beiden Gastschwestern, die zehn und zwölf Jahre alt sind. "Mein Gastbruder hat mich schon gefragt, welche Sportarten mich interessieren, damit er mich in der Schule schon für entsprechende Kurse anmelden kann", berichtete Jonathan.

Ein Jahr lang wird er jetzt seine Schullaufbahn am Wolmirstedter Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasium unterbrechen und im August des nächsten Jahres wieder als Schüler der elften Klasse beginnen. Bis dahin hofft er, fließend Englisch sprechen zu können und auch Gefallen an der amerikanischen Schulform, dievon einer engen Verbindung der Schüler zur Schule lebt, zu finden.

Im elterlichen Haus in Niederndodeleben wird Jonathans Zimmer nicht lange verwaist bleiben. Seine Familie hat sich entschieden, einem Austauschschüler aus Belgrad (Serbien), der von der gleichen Austauschorganisation wie Jonathan betreut wird, ein vorübergehendes Zuhause zu geben.