Haldensleben hat Nachholbedarf auf dem Wohnungsmarkt. Leerstand gibt es zur Genüge, ebenso ist die Nachfrage vorhanden. Nur klaffen Angebote und Bedürfnisse weit auseinander.

Haldensleben l Von den reinen Zahlen her ist der Haldensleber Wohnungsmarkt gut aufgestellt. Es gibt zahlreiche Wohnungen, die leer stehen, und mindestens genauso viele Wohnungssuchende. Und doch ist es eine Milchmädchenrechnung, denn der Kreisstadt mangelt es an attraktivem Wohnraum.

"Das zieht sich durch wie ein roter Faden. Egal, ob in Haldensleben 1-Raum- oder 5-Raum-Wohnungen gesucht werden, die Nachfrage kann so gut wie gar nicht abgedeckt werden", erklärt Nicole Job. Sie kümmert sich in der Stadtverwaltung um die Wirtschaftsförderung und kennt daher die Situation auf dem Haldensleber Wohnungsmarkt zur Genüge. "Fachkräfte, die wegen einer neuen Arbeitsstelle nach Haldensleben kommen, finden nur sehr schwer eine Wohnung, die ihren Vorstellungen entspricht", nennt sie ein Beispiel. Und selbst Haldensleber, die sich wohnungsmäßig verbessern wollen, stünden vor diesem Problem, so ihre Erfahrungen. Sie weiß sogar von Wartelisten, die bei Immobilienmaklern geführt werden.

"Wir haben uns 1990 auf die Fahnen geschrieben, in Haldensleben mehr Urbanität zu schaffen", blickt Bürgermeister Norbert Eichler zurück. "Wir wollten allerdings keine reine Schlafstadt werden, sondern die Schwerpunkte auf das Arbeiten, das Wohnen und die Freizeitgestaltung setzen."

Den Rückbau von Wohnungen, den es nach der Wende in der Kreisstadt - vor allem auf dem Süplinger Berg - gegeben hat, verteidigt er auch heute noch. "Das war angesichts der demografischen Entwicklung die richtige Entscheidung." Zumal seiner Ansicht nach heute eben ganz anderer Wohnraum benötigt wird als noch vor gut 20 Jahren.

Das weiß auch Harald Schmidt, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) Haldensleben. "Wir haben nicht zu viele Wohnungen - wir haben nur nicht die richtigen", macht er deutlich und verweist auf etwa 100Wohnungen im Wobau-Bestand, die leer stehen. "Und das liegt weniger am Zustand der Wohnungen, sondern ganz einfach an ihrer Lage. Heute zieht doch keiner mehr in die 5. oder 6. Etage", so der Experte.

Doch zumindest eine Marktlücke soll zügig geschlossen werden. Angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung in Haldensleben soll nun das Projekt "Azubi-WG" auf den Weg gebracht werden. Sowohl die Wobau als auch die Wohnungsbaugenossenschaft "Roland" sehen hier einen Bedarf. Nicht selten pendeln Auszubildende zwischen ihrem Arbeits- und Wohnort, weil sie in Haldensleben keinen möblierten Wohnraum oder eine entsprechend kleine und bezahlbare Wohnung finden. In Zusammenarbeit mit den Unternehmen in der Stadt könnten daher 3-bis 5-Raum-Wohnungen, für die sich aufgrund ihrer Lage keine Mieter finden, mit einer Grundausstattung versehen und als Wohngemeinschaft an Auszubildende vermietet werden, so die Vorstellungen.

Doch für das Hauptproblem des Haldensleber Wohnungsmarkts - der Mangel an hochwertigem Wohnraum - scheint keine Lösung in Sicht. "Wir haben nach der Wende auf private Investoren gesetzt, doch es hat sich kaum jemand gefunden", schildert Norbert Eichler das Dilemma. Nach wie vor sei das Wohneigentum in Haldensleben und auch in ganz Ostdeutschland noch nicht so weit entwickelt wie in den westlichen Bundesländern, sagt er.

Die Stadt hätte getan, was sie konnte, so Eichler weiter. Neue Wohngebiete seien ausgewiesen und erschlossen worden, Lücken-Grundstücke zu Sonderkonditionen verkauft und mit Hilfe der städtischen Wobau solche Lücken im Stadtbild auch bebaut worden, zählt das Stadtoberhaupt auf. "Und es waren bislang auch vorrangig die Wobau und die Genossenschaft, die sich bereit erklärt hätten, in Haldensleben für modernen Wohnraum zu sorgen", unterstreicht er mit Blick auf die Neubauten an der Rottmeisterstraße und dem Wobau-Vorhaben in der Gräwigstraße.

Hier investiert die städtische Tochtergesellschaft gut 5Millionen Euro in einen Komplex mit 31 Wohnungen, die allesamt hochmodern ausgestattet werden. Was natürlich auch seinen Preis habe, wie Schmidt betont. "Es ist ja kein Geheimnis, dass die Kaltmiete dafür bei 6,50 Euro pro Quadratmeter liegt", sagt er. "Und die Leute sind auch bereit, diesen Preis angesichts der Ausstattung zu zahlen." Schließlich hat die Wobau bereits vor Baubeginn alle neuen Wohnungen vermieten können.

Doch selbst Wohnungssuchende, die bereit sind, bei entsprechend hochwertiger Ausstattung etwas tiefer in die Tasche zu greifen, werden in Haldensleben nicht fündig. Ebenso wie preiswerter Wohnraum seien eben auch solche Wohnungen kaum zu bekommen, zeigt Nicole Job die Marktlage auf.

Mit Fördermitteln für die Sanierung von Wohnhäusern versuche die Stadt Eigentümer zu bewegen, hier tätig zu werden und Wohnraum zu schaffen, erklärt Eichler. "Natürlich gibt es Eigentümer, die angesichts ihrer Finanzen dazu nicht in der Lage sind. Aber es gibt auch solche, die einfach nicht wollen." Er erinnert nur an die Bülstringer Straße. Dort, wo heute das Mehrgenerationenhaus entsteht, haben Häuser jahrelang vor sich hingerottet und waren dem Verfall preisgegeben. "Wir als Stadt haben diese Grundstücke aufgekauft, damit diese Schandflecke verschwinden. Aber wir können doch nicht die ganze Stadt aufkaufen", so der Bürgermeister weiter.

"Es tut schon weh, wenn ich diesen Wohnungsleerstand in Haldensleben sehe und auf der anderen Seite solch eine große Nachfrage habe", ergänzt Nicole Job. "Doch es ist Privatbesitz, und an die Eigentümer kommen wir als Stadt einfach nicht ran." Aufgeben möchte sie aber nicht und sucht weiter das Gespräch mit den Hausherren, um ihnen Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. "Wir brauchen Privatinvestoren", hofft sie auf ein Umdenken.