Mit der Beantragung von Investitionsmitteln für drei Kitas hat sich der Sozialausschuss des Stadtrats befasst. Dabei fand der Verwaltungsvorschlag, Süplingens "Wirbelwind" ohne Hortplätze neu zu bauen oder zu sanieren, keine Mehrheit.

Haldensleben l Keinen Diskussionsbedarf hatten die Mitglieder des Ausschusses für Schule, Soziales, Kultur und Sport des Stadtrates, als es um die Beantragung von Investitionsmitteln für die beiden Kindertagesstätten "Birkenwäldchen" Satuelle und "Regenbogen" Althaldensleben ging. Beide Anträge sind dem Stadtrat für seine Sitzung am 4. September ohne Einschränkungen empfohlen worden. Hintergrund ist, die Einrichtungen mit Hilfe von Fördermitteln aus dem "Stark III"-Programm des Landes Sachsen-Anhalt, mit dem die energetische Sanierung von Kitas und Schulen finanziell unterstützt wird, zu sanieren.

Ihrem Namen alle Ehre machte dagegen die Süplinger Kita "Wirbelwind" im Ausschuss. Auch sie soll saniert beziehungsweise alternativ neu gebaut werden - ebenfalls mit "Stark III"-Mitteln. Doch Knackpunkt war einmal mehr der Hort, den die Süplinger Kinder nach der Grundschule in ihrem Heimatort besuchen. Laut Gebietsänderungsvertrag - Süplingen ist mit Bodendorf seit dem 1. Januar 2014 ein Ortsteil von Haldensleben - hat der Hort lediglich bis Ende des Schuljahres 2014/15 Bestandsschutz. Danach - spätestens aber nach der Fertigstellung des von der Haldensleber Stadtverwaltung angestrebten Neubaus der Kita - sollen die Kinder den Hort an der jeweiligen Grundschule, auf die sie gehen, besuchen.

Dieser Plan geht nicht nur vielen Süplingern gegen den Strich, sondern auch einigen Stadträten. Es gebe ein reges Vereinsleben in Süplingen, das auf die Hortkinder baue, hält Michael Reiser (FUWG) den Wegfall für ungünstig. "Süplingen profitiert von den Kindern", versichert Annette Koch (CDU), die als Süplingerin weiß, dass viele Aktivitäten von Narrenbund und Sportverein auch innerhalb der Hortbetreuung stattfinden würden.

Für den Süplinger Dirk Hebecker, der ebenfalls im Stadtrat sitzt, habe das jetzige Hortgebäude - eine ehemalige Baracke für Kriegsgefangene, die in den 1950er Jahren im Dorf umgesetzt wurde - keine Zukunft. "Die Baracke muss weg, das ist Fakt. Und bei einem Ersatzneubau werden sich wohl noch einige Quadratmeter für die Hortkinder finden lassen", hofft er. Allerdings, so schränkt er ein, sei es natürlich wirtschaftlich sinnvoll, wenn die Kinder den Hort an ihrer Grundschule besuchen, schließlich seien die Plätze ja dort auch für sie vorhanden.

Für Reiser spielt das kulturelle Leben im Ort eine erhebliche Rolle. "Wenn solch eine Einrichtung erstmal kaputt ist, dann bekommt man so etwas auch nicht wieder reaktiviert", ist er überzeugt und befürchtet, dass sich die Kinder von ihrem Heimatort entfremden könnten, wenn sie in den Schulhort in Haldensleben gehen. Eine Angst, die Mario Schumacher (CDU) als Ortsbürgermeister von Satuelle ihm zu nehmen versucht: "Wir haben auch keinen Hort, und ich kann bei unseren Kindern auch keine Entfremdung feststellen." Er wirft allerdings die Frage nach der Gleichbehandlung auf. "Wie sehen das denn die anderen Ortsteile, wenn Süplingen einen Hort hat, sie aber nicht?"

"Wir müssten diese ganze Diskussion nicht führen, wenn wir in allen Ortsteilen so viele Kinder hätten für eine eigene Kita, einen eigenen Hort und eine eigene Grundschule. Aber das ist ja nun mal nicht der Fall", blickt Stadt-Dezernent Henning Konrad Otto der Realität ins Auge. "Wenn wir wegen des Hortes in Süplingen von unseren Vorgaben aus dem Gebietsänderungsvertrag abweichen, dann hätten wir in Haldensleben Überkapazitäten im Hort. Und das ist wirtschaftlich nicht tragbar!", unterstreicht er.

"Die Vernunft sagt mir, dass das auch so in Ordnung ist. Aber bei diesem Thema kommen bei den Süplingern eben auch viele Emotionen hoch", sieht sich Annette Koch zwischen den Stühlen sitzend. Ausschussvorsitzender Klaus Czernitzki (Die Linke) gibt ihr Recht: "Die Süplinger führen verständliche Argumente an, aber es sprechen genauso viele dagegen", resümiert er. Zwiespältig war auch die Abstimmung im Ausschuss dazu: Bei drei zu drei Stimmen und einer Enthaltung wurde die "Wirbelwind"-Vorlage nicht dem Stadtrat empfohlen.

Der wird sich am 4. September damit beschäftigen. "Es steht ihm natürlich frei zu entscheiden, ob bei einem Neubau der Kita auch der Hort wieder einen Platz bekommen soll", meint Otto dazu. Auch wenn es seiner Ansicht nach Unwägbarkeiten gibt. "Zum einen wissen wir nicht, ob ein Neubau über ,Stark III` überhaupt möglich ist. Bei einer Sanierung der Kita ist aber nicht genügend Platz für den Hort vorhanden. Und es ist fraglich, ob auch die Hortplätze finanziert werden, für die es dann einen extra Anbau geben müsste", macht der Dezernent deutlich.

Zunächst allerdings wird die Verwaltung berechnen, was ein Neubau beziehungsweise eine Sanierung mit Hort kosten würde, so Otto weiter. "Und wir werden auf jeden Fall für Süplingen zwei Fördermittelanträge stellen - einen für einen Neubau und einen für eine Sanierung. Ob mit oder ohne Hort, das hat der Stadtrat zu entscheiden."