Haldensleben l Vier Betten, ein Hocker neben jedem Bett, vier abschließbare Stahlschränke und ein Ofen - die Zimmer im Obdachlosenheim Haldensleben sind spärlich eingerichtet. Aus gutem Grund: "Das muss reichen", erklärt Heimleiter Thomas Brunke. "Wenn wir es den Leuten zu angenehm machen, werden wir sie nicht mehr los. Das ist alles Teil der `Erziehung`." Strom und Heizkosten müssen die Wohnungslosen über ein Münzsystem selber zahlen. Das Geld dafür bekommen die Betroffenen vom Jobcenter.

"In einer eigenen Wohnung müssen diese Dinge schließlich auch gezahlt werden. Wir sind hier kein Hotel, sondern eine reine Schlafunterkunft." Zurzeit sind lediglich zwei Zimmer in dem Heim belegt. Das liegt laut Brunke daran, dass die meisten im Sommer lieber auf den Straßen und in den Großstädten unterwegs seien. Hinzu komme, dass die Bewohnerzahl generell gesunken sei, seit das Heim vor drei Jahren in die Güntherstraße umgezogen ist.

"Vorher waren wir in der Zollstraße in einem Container. Da gab es einen Fernsehraum und Heizung. Hier gibt es das alles nicht mehr. Da hat sich rumgesprochen, dass es bei uns kalt ist. Das schreckt die Leute ab", weiß Brunke. Zudem werden nur noch Wohnungslose aus Haldensleben aufgenommen - nicht mehr aus anderen Orten im Umkreis. Im Winter werden natürlich ein paar mehr Bewohner erwartet - meistens Männer. "Manchmal haben wir bis zu zehn Leute hier."

Die Zimmerverteilung sei allerdings nicht ganz so einfach. Das Heim verfügt über ein Zweibett-, Dreibett- und ein Vierbettzimmer und eine Familienwohnung im Obergeschoss. Wenn es geht, versuchen Brunke und sein Team, jeden in einem eigenen Zimmer unterzubringen. "Hier treffen die verschiedensten Generationen und Hintergründe aufeinander. Das ist nicht immer leicht." Viele versuchen zwar erst einmal miteinander klarzukommen, doch meistens gäbe es zu viele Konflikte. Häufigster Streitpunkt: Geld. Thomas Brunke versucht oft, zu schlichten. "Aber wenn da jemand mit einem Messer im Flur steht, halte ich mich natürlich raus. Dann wird die Polizei gerufen und die schreitet ein", erklärt er.

2,10 Euro kostet eine Nacht im Heim. Wie lange die Bewohner bleiben, ist verschieden. Einige nur einen Tag, einige sogar ein Jahr. Morgens um 9 Uhr wird das Haus geschlossen und die Wohnungslosen müssen den Tag draußen verbringen. "Die meisten müssen wir aber nicht rausschmeißen. Sobald die Tankstelle öffnet, ist ein Großteil der Bewohner schon weg. Die Tanke macht super Umsatz durch uns", sagt der Heimleiter lachend. In der Zeit sollen sie sich zum Beispiel auf Job-Suche begeben. Das klappt natürlich nicht bei allen: "Vielen ist das egal. Da können wir dann auch nicht viel dran ändern." Um 18 Uhr ist das Haus wieder geöffnet.

Diejenigen, die ins Heim kommen, können auf Unterstützung bei der Job- und Wohnungssuche zählen. Brunke und seine beiden Mitarbeiter arbeiten eng mit den Ämtern zusammen, mit dem Jobcenter, dem Sozialamt oder dem Betreuungsverein. Gerade das Vermitteln von Wohnungen funktioniere gut, erklärt Brunke. Auch die Nachbetreuung gehört zu seinen Aufgaben. "Natürlich nur, wenn der Bewohner das auch möchte", erzählt er. "Zu vielen, die den Absprung geschafft haben, haben wir noch Kontakt. Manche kommen sogar ab und zu vorbei, um Hallo zu sagen."

Änderungen am Konzept des Heims oder des Hauses an sich sind nicht geplant, erklärt Thomas Brunke: "Es hat so zu funktionieren, wie es ist. Und das tut es auch."

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