Für drei Tage haben Kinder der Rätzlinger Grundschule ihre Klassenräume mit der Manege vom Zirkusprojekt Smiley getauscht. Das Training hat sich ausgezahlt. Wie die großen Zirkuskünstler schaffen es auch die 77 kleinen Artisten, Clowns und Tierbändiger, das Publikum mit ihren Nummern zu begeistern.

Rätzlingen l Es ist der Duft, ein Gemisch aus Sägespänen, Popcorn und Tieren, der Zirkusfreunde in seinen Bann zieht. "Das hier ist ein etwas anderer Zirkus. Wir arbeiten hauptsächlich mit den Kindern, um ihnen den Zirkus mal von einer anderen Seite zu zeigen", sagt Simona Woitschack vom Circus Smiley.

"Ein fahrend Volk sind wir Artisten. Wir reisen um die ganze Welt. In fernen Ländern und an fremden Küsten, da schlagen auf wir unser schönes Zelt", sagen René Liedl und Jakob Eggeling, die als rotnasige Clowns das Publikum willkommen heißen.

Überall gebe es nach Ansicht der Zirkusleute die verborgenen Talente, wenn es auch nicht möglich sei, sie in zwei oder drei Tagen zu perfekten Künstlern zu entwickeln.

Was dabei trotz der Kürze der Zeit herausgekommen ist, bringt nicht nur die Eltern, Großeltern und Geschwister der kleinen Manegen-Stars zum Staunen, sondern auch alle anderen interessierten Zuschauer. Spontane Begeisterungsrufe von den Rängen und tosender Applaus nach jeder Zirkusnummer belohnt die Bemühungen der kleinen Leute und vor allem ihren Mut, vor so einer großen Kulisse im Rampenlicht zu stehen und dabei wahre Kunststücke zu vollführen.

Sehr gemütlich und familiär ist es unter dem großen Zirkuszelt, das eine Kapazität von 400Personen hat. Das Zirkusunternehmen gibt es bereits in der vierten Generation. "Meine Großeltern, Anna und Bruno Richter, haben den Zirkus Smiley gegründet", erzählt Simona Woitschack.

Als hätten die Kinder nie etwas anderes gemacht, lächeln Akrobaten trotz schwieriger Positionen am Trapez, schwingen die Cowboys lässig das Lasso und zeigen den Ziegen, wo es lang geht. Als Fakir begeistern Luca Haas und seine Mitschüler das Publikum. Lucas liegt auf den Spitzen dicker Stahlnägel und geht barfuß über einen Scherbenhaufen. Der Trick dabei bleibt sein großes Zirkusgeheimnis. Auch die Lehrerinnen staunen, welche Potenziale in den Kindern schlummern und wie so manch Schüchterner über sich hinauswächst: "Es ist erstaunlich, was sie hier in so kurzer Zeit gelernt haben. An zwei Probentagen haben sie es super hingekriegt." Trainer Benny Kraushaar lobt: "Die Rätzlinger Kinder sind sehr gut. Manche können die Kunststücke sofort und andere brauchen etwas länger."

Schulleiterin Petra Gerike sagt, dass das Projekt eine wichtige Lebenserfahrung für die Kinder sei: "Sie lernen in der Gemeinschaft etwas völlig Neues. Sie trauen sich, vor den Zuschauern aufzutreten."

Der achtjährige Jakob aus Kathendorf hat als Clown das Schlusswort: "Das Spiel ist aus. Der Vorhang fällt. Bajazzos sind wir und hart ist unser Leben und würden es dennoch für kein anderes geben."

   

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