Die Entwicklung der alten Dorfkerne wird in den kommenden Jahren ein Leitziel der Kommunalpolitik in der Hohen Börde sein. Den Auftakt dafür gab eine Informationsveranstaltung des Arbeitskreises "Ortskernentwicklung - Hohe Börde Vital" im Irxleber Rathaus.

Irxleben l Experten berichteten von ihren Erfahrungen und von ersten Schritten der Ortskernentwicklung in der Gemeinde.

Gerade der historisch gewachsene Dorfkern prägt das Bild, das die Dorfbewohner im Herzen tragen. Der Anger, die Kirche, die historisch gewachsenen Straßen und Plätze mit den Höfen und Torbögen, die Dorfbild prägenden Mauern und Gebäude graben sich ein ins Bewusstsein und schaffen Identifikation mit dem eigenen Dorf.

"Dorfgemeinschaften leben nach Slogans wie ,Leben von Haus zu Haus` oder ,Leben in guter Gesellschaft`."

Klaus-Dieter Karweik, niedersächsisches Landwirtschaftsministerium

Davon ist Klaus-Dieter Karweik überzeugt. Der Niedersachse beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der inneren Entwicklung von Dörfern, hat als Mitarbeiter des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums viele Kommunen auf ihrem Weg begleitet, dem Einwohnerschwund und dem Verfall der Ortskerne erfolgreich zu begegnen. Die Tendenz der "Entleerung" der inneren Dorfbereiche droht Karweik zufolge vielen Dörfern. In ganz Deutschland. Alte Höfe werden verlassen, frühere Wirtschaftsgebäude wie Darren oder Mühlen stehen leer, Brachflächen nehmen zu.

Karweik berichtete von Dorfgemeinschaften, die es aus dem Inneren heraus geschafft haben, die sich abzeichnende Entwicklung zu stoppen - mit Ideen und Konzepten, mit Enthusiasmus, Phantasie und mit Beharrlichkeit. "Geld und Fördermittel sind wichtig. Aber: Ohne Leben, ohne nachhaltige Nutzung, ohne die Menschen, die das tragen, bringen hübsche Gebäude und neue Straßen nicht viel", merkte Karweik an.

Die Herausforderung der inneren Entwicklung sei ein Prozess des Miteinanders, an dem Staat, Politik, Verwaltung und vor allem die Bürger mitwirken sollten. "Wiederbelebung von alten Ortskernen heißt viel mehr als (nur) zu sanieren. Ohne tatsächliche Wiederbelebung werden Sanierungsobjekte nur zur hübschen baulichen Kulisse." Lebendige Dorfgemeinschaft in Orten mit mehr als 500 Einwohnern haben Karweik zufolge die besten Chancen, die mit Überalterung und Abwanderung drohende demografische Herausforderung auf Dauer zu überstehen. "Nur Zuzug löst das Problem im ländlichen Raum keinesfalls. Es braucht Integration, ein Zusammenwirken der vorhandenen Dorfgemeinschaft wie auch eine - neue Dorfbewohner einbindende - Offenheit nach außen."

Karweik berichtete von Dorfgemeinschaften, die nach Slogans wie "Leben von Haus zu Haus" oder "Leben in guter Gesellschaft" etwas auf die Beine gestellt hätten, das sich inzwischen selbst trägt: gemeinnützige GmbHs, Dorfläden, lebendige Dorfmittelpunkte.

Das will auch die Hohe Börde schaffen. Michael Schmidt, seit 20 Jahren als Raum- und Dorfentwickler in der Hohen Börde tätig, erläuterte, wohin in einer ersten Phase die Reise gehen soll. Für vier ausgewählte Ortschaften der Hohen Börde sollen an konkreten Beispielen nachhaltige Ansätze der inneren Dorfkernentwicklung formuliert werden. Diese erste Phase der Ortskernentwicklung fördert das Land mit Geld aus der Regionalentwicklung "Sachsen-Anhalt Regio".

Mit Irxleben und Niederndodeleben hat die Gemeinde zwei Dörfer im unmittelbaren Umfeld der Landeshauptstadt und mit Rottmersleben und Eichenbarleben zwei Ortschaften im ländlicher geprägten Westteil der Gemeinde ausgewählt. Michael Schmidt betonte: "Wir wollen zu konkreten praktischen Ergebnissen kommen. Deshalb konzentrieren wir uns auf abgegrenzte Bereiche innerhalb dieser vier Ortskerne. Diese Bereiche haben wir mit Vertretern der vier Ortschaften und des Bauamtes bei Dorfbegehungen festgelegt und erkundet."

In Niederndodeleben wird sich der Planer in Abstimmung mit Ortschaft und Bauamt auf die Entwicklung des die beiden Ortsteile Schnarsleben und Niederndodeleben verbindenden Bereiches rund um den leer stehenden Plus-Markt konzentrieren. In Irxleben ist die Wahl auf den Bereich zwischen "Adler" (Preußendenkmal) und Darre gefallen.

Die Entwicklung des Festplatzes von Rottmersleben (zwischen Sportplatz und früherer Kaufhalle) steht im Mittelpunkt der Bemühungen für den Rottmersleber Dorfkern. In Eichenbarleben geht es um eine Fortentwicklung des grünen Gürtels vom Schlosspark bis zur Schlossgärtnerei unter Einbeziehung eines möglichen Nachnutzungskonzeptes für die Grundschule.

Bis zum Januar sollen erste konkrete Vorschläge der Ortskernentwicklung für die vier Ortschaften vorliegen.