Die Sanierung der Grundschule "Erich Kästner" scheint vom Pech verfolgt. Erst das überlange Warten auf die Fördermittel, dann ein verzögerter Baustart. Dazu galoppierende Kosten und ein korrigierter Fertigstellungstermin für November 2014, der nicht mehr zu halten ist. Und zu allem Überfluss sorgt ein Wasserschaden für doppelte Arbeit.

Haldensleben l Pleiten, Pech und Pannen: Die Sanierung der Haldensleber Grundschule "Erich Kästner" steht unter keinem guten Stern. Das zeigt sich bei näherem Hinsehen schon an der neuen Giebelseite - das übergroße Kästner-Zitat ist mit einem Rechtschreibfehler an die strahlend weiße Wand gepinselt worden. Peinlich, erst recht für eine Grundschule. Doch das ist bei Weitem nicht das einzige Problem, mit dem sich die Verantwortlichen im Haldensleber Stadtbauamt herumschlagen müssen.

Laut Holger Waldmann, Abteilungsleiter für Hoch- und Tiefbau im Stadtbauamt, hat Starkregen die Baustelle unter Wasser gesetzt, weil das Dach, an dem gerade gearbeitet wurde, genau zu diesem Zeitpunkt - ein Wochenende - nur notdürftig abgedichtet worden war. Von dem Wasserschaden ist aber nicht nur der Rohbau, sondern auch ein Teil des bereits fertiggestellten Innenausbaus betroffen. "Das ist das Problem auf der Baustelle: Wir arbeiten unter Weiternutzung des Gebäudes. Das ist schwierig, denn es muss anders gearbeitet werden, als wenn das Gebäude komplett leer stehen würde", sagt er.

Der Wassereinbruch hatte dafür gesorgt, dass eine neue Trockenbaudecke eingestürzt war, die sich mit Wasser vollgesogen hatte. Auch ein Hort-raum sowie ein WC-Raum, die bereits fertiggestellt waren, seien in Mitleidenschaft gezogen worden, zählt Waldmann auf. "Das ist jetzt aber kein Riesenumfang an Schäden", relativiert er. Eine Summe kann er jedoch nicht nennen. "Die finanzielle Auswirkung wird noch ermittelt. Und wir werden versuchen, die Kosten an die zuständige Firma weiterzugeben", so der Bauamtsmitarbeiter.

Zeitliche Auswirkungen wird der Zwischenfall wohl ebenfalls haben. Denn bevor die Räume wieder hergerichtet werden können, müssen sie erst einmal trocknen. Kein leichtes Unterfangen, weiß auch Waldmann. "Was die Witterung angeht, so sind wir im Augenblick noch nicht in trockenen Tüchern", sagt er.

Fertigstellung auf März 2015 verschoben

Zumal es auf der Baustelle in diesem Zusammenhang einen ganz neuralgischen Punkt gebe, wie Waldmann sagt: "Für das geplante Atrium im Zentrum der Schule fehlt noch immer das Glasdach." Daran wird nun mit Hochdruck gearbeitet. "In den nächsten vier Wochen muss es fertiggestellt sein, inklusive Dämmung und Abdichtung", gibt Waldmann den Fahrplan vor. Denn ohne Dach kann der Innenausbau nicht beginnen. "Es ist ja derzeit noch ein offener Hof, der einmal ein Multifunktionsraum werden soll."

Waldmann geht nach aktuellem Stand der Dinge davon aus, dass "wir wahrscheinlich im März 2015 fertig sein werden". Das wäre sieben Monate später als ursprünglich vorgesehen.

Aber schon von Anfang an verlief die Baumaßnahme alles andere als planmäßig. Weil das Land überraschend seine Stark-III-Förderrichtlinie für die energetische Sanierung von Schulen und Kindertagesstätten änderte, musste das Haldensleber Bauamt kurzfristig nachbessern. Somit hinkte bereits der Baustart Ende Juli 2013 dem ursprünglichen Zeitplan um zwei Wochen hinterher. Nur ein vorzeitiger Maßnahmebeginn - ohne dass die Stadt die notwendigen Fördermittel vom Land hatte - ließ ihn nicht vollends aus dem Ruder laufen.

Doch das Land genehmigte lediglich die Abrissmaßnahmen, was für neue Probleme sorgte: Das bereits fertig geschnürte Baupaket musste neu gepackt und ausgeschrieben werden. Das machte bereits im Januar 2014 eine Korrektur des Zeitplans notwendig: Statt einer Abnahme und Übergabe im August hieß die Zielsetzung nun Ende November 2014. Doch auch diese ist mittlerweile überholt.

Holger Waldmann hält den ursprünglich vom Land vorgegebenen Bauzeitraum von vornherein für viel zu knapp bemessen. "Wir haben - ebenso wie alle anderen Kommunen, die im Stark III-Programm sind - zeitliche Probleme", erklärt er. Denn die Kästnerschule ist eines von insgesamt 35 Projekten, deren energetische Sanierung vom Land gefördert wird. "Das sorgte von Anfang an für einen überhitzten Markt", ist Waldmann überzeugt. Die Baufirmen hatten noch wegen der Beseitigung der beim Hochwasser 2013 entstandenen Schäden volle Auftragsbücher.

Das schlägt nicht nur auf die Termine, sondern auch auf die Kosten durch. So hatte Stadt-Bauamtsleiter Ralf Krupp-Aachen bereits im Januar dieses Jahres gemutmaßt, dass das Vorhaben für 2,56 Millionen Euro wohl nicht zu realisieren sei. Wie teuer die Sanierung im Endeffekt wird, das steht noch immer in den Sternen.