An die Novemberpogrome in Deutschland vor 75 Jahren haben sich einige Calvörder und ihre Gäste erinnert. Der Heimatverein, die Kirchengemeinde und die politische Gemeinde hatten zu dieser Gedenkveranstaltung eingeladen.

Calvörde l Vor der Waldgaststätte Grieps begrüßten Jürgen Dittrich, Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinde, Calvördes Bürgermeister Volkmar Schliephake (CDU) und Christa Merker, Vorsitzende des Heimatvereins, die interessierten Gäste. Gemeinsam ging es zum etwa 300 Meter entfernt liegenden jüdischen Friedhof. Neben dem katholischen Pfarrer Winfried Runge aus Haldensleben erschienen auch andere Bürger aus der Kreisstadt. Bürgermeister Schliephake sprach über die Verbrechen der Nationalsozialisten am 9. November 1938.

"Diesen Tag haben die Mörder euphemistisch in ihrer verlogenen Propaganda als Reichskristallnacht bezeichnet. Zurecht sprechen wir heute von der Pogromnacht", ergänzte Reinhard Rücker vom Calvörder Heimatverein.

Rücker erzählte über die ehemalige jüdische Gemeinde in Calvörde, die vom 18. bis 19. Jahrhundert existierte und über das Schicksal der letzten jüdischen Familie in Calvörde. "Es waren die Angehörigen der Familie Bloch, die nach der Pogromnacht in Konzentrationslager im Osten deportiert worden sind. Dort sind sie ermordet worden, außer der Sohn Werner, der mehrere Konzentrationslager - Westerbork, Auschwitz und Sachsenhausen - überlebte", berichtete Rücker. Werner Bloch konnte sich nach dem Krieg in Amsterdam eine neue Existenz aufbauen, wo er hochbetagt heute noch lebt. Zum ehrenden Gedenken wurden 2009 vor dem ehemaligen Wohn- und Geschäftshaus der Familie Bloch Stolpersteine verlegt. Initiiert wurde damals diese Aktion von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Calvörde.

"In uns lebt der Wunsch, für uns und für die kommende Generation zu lernen, was es heißt, einander zu heilen und nicht zu verletzen, sich respektvoll und solidarisch zu begegnen und nicht voller Verachtung", hieß es in der Fürbitte. Jeder der Anwesenden legte ein Steinchen zum Gedenken auf die Grabdenkmäler. Stolpersteine seien nicht nur in Straßen zu verlegen, sondern auch ins Denken und Fühlen von Jugendlichen.

Viele Zeitzeugen leben nicht mehr, die letzten sind dabei, zu verschwinden. An den Rändern der Gesellschaft flackere der Antisemitismus auf und scheine sich hier und da in ihre Mitte zu fressen.