Nach wie vor ist die Zukunft des Altstadtfestes Haldensleben offen: Nach dem Rekorddefizit in diesem Jahr stellt sich die Frage, wie es mit dem beliebten Fest weiter gehen soll. Dazu gibt es drei Vorschläge von der Stadtverwaltung:

1. die Erhebung eines "Kulturbeitrages" als Eintrittspreis;

2. das Fest auf 2 Tage zu verkürzen beziehungsweise auf eine Bühne zu verzichten;

3. das Fest findet nur noch alle 2 Jahre statt.

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Haldensleben l Wie soll es künftig mit dem Altstadtfest weitergehen? Mit dieser Frage werden sich am Dienstag um 18 Uhr die Mitglieder des Ausschusses für Kultur, Schule, Soziales und Sport beschäftigen. Angesichts des Rekorddefizits der diesjährigen Auflage scheint diese Frage durchaus ihre Berechtigung zu haben: Die knapp 185.000Euro Gesamtkosten wurden mit mehr als 123.000Euro - also fast zu drei Vierteln - aus dem Stadthaushalt bezuschusst.

Daher sucht die Stadtverwaltung nach Möglichkeiten, wie der Zuschussbedarf verringert werden kann, und stellt dazu drei Varianten, die sie erarbeitet hat, zur Diskussion.

Vorschlag 1

Für das Haldensleber Altstadtfest wird künftig wieder die Kulturabgabe - quasi als symbolischer Eintrittspreis - an den Eingängen eingeführt. Hinzu kommen eventuell höhere Standgebühren für Bierstände und andere kommerzielle Anbieter.

Vorschlag 2

Das Altstadtfest wird mit deutlich geringerem Zuschussbedarf stattfinden. Das heißt, eventuell auf den Freitag als Veranstaltungstag beziehungsweise während des Festes auf eine der Bühnen zu verzichten. Auch ein geringeres Angebot an Auftritten von Profimusikern zählt dazu.

Vorschlag 3

Das Altstadtfest wird in der gewohnten Größe und auf dem gleichen Niveau wie bisher bei freiem Eintritt stattfinden - allerdings nur noch alle zwei Jahre.


Sponsoren befürchten "langsames Sterben"

Doch keiner der Vorschläge eignet sich offenbar als Patentlösung. Das sehen zumindest die am Fest Beteiligten so. Besonders die einjährige Pause stößt bei ihnen auf Ablehnung. "Wer nicht jedes Jahr das Geld für das Fest hat, der hat es auch alle zwei Jahre nicht", ist Wolfgang Reinecke überzeugt. Er gehört zum Sponsorenteam, das zum Altstadtfest das Sonntagsprogramm auf dem Marktplatz organisiert und finanziert. "Wir haben das vor einigen Jahren übernommen, damit das abendliche Abschlusskonzert nicht ins Wasser fällt. Mittlerweile aber kümmern wir uns um den ganzen Sonntag", weiß er um die finanzielle Misere der Stadt.

Als Haldensleber, der "mit Herzblut seit dem ersten Altstadtfest dabei ist", befürchtet Reinecke ein "langsames Sterben" des Festes, sollte es nur noch alle zwei Jahre stattfinden. Auch von einer Kulturabgabe hält er nichts. "Damit fühlen sich die Besucher veralbert. Das ist vor zwei Jahren abgeschafft worden und somit gestorben." Mit ihren drei Diskussionsvorschlägen würde es sich die Stadt zu einfach machen, ist er überzeugt und schlägt vor, über ein neues Konzept nachzudenken. "Die Verwaltung sollte das Fest so betrachten, wie es ein privater Veranstalter tun würde und genau schauen, wo die Kosten explodiert sind", meint Reinecke.

Bühnentechniker: Eintritt wäre völlig normal

Das Altstadtfest nur noch jedes zweite Jahr zu veranstalten, hält auch Maik Rossat für eine "gefährliche Sache". Der Salzwedeler ist der Altstadtfesttechniker und stellt mit seiner Firma die komplette Technik für die städtischen Bühnen bereit. "Wenn man es ein Jahr ausfallen lässt, dann macht man das Fest kaputt, dann wandern die Leute ab. Und wenn es einmal weg ist, dann ist es für immer weg", ist seine Erfahrung, die er über die Jahrzehnte bei ähnlichen Veranstaltungen landauf und landab gemacht hat.

Rossat macht aber auch keinen Hehl daraus, dass diese Variante für sein Unternehmen durchaus ein Schlag ins Kontor wäre. "Das Haldensleber Altstadtfest ist schon eine Hausnummer für uns und es würde sich auf jeden Fall wirtschaftlich bemerkbar machen, wenn es nur alle zwei Jahre stattfindet. Das wäre schon dumm für uns." Mit der Streichung des "Fest-Freitages" könne er aber leben. "Wenn ich die zurückliegenden Jahre betrachte, dann ist der Freitag immer schwächer geworden, was die Besucherzahlen angeht", hat er festgestellt. Auch die Wiedereinführung des Kulturbeitrags - möglicherweise unterschiedlich gestaffelt für Haldensleber und Auswärtige - sieht er gelassen: "Für das Programm, das in Haldensleben geboten wird, könnten auch 10 Euro Eintritt verlangt werden", schätzt er ein. "Früher gab es ja auch am Freitag auf dem Hagentorplatz eine Bühne nur für Haldensleber Jugendbands", blickt er auf bessere Altstadtfestzeiten zurück. "Die wollten ja spielen und waren eben auch nicht so teuer. Vielleicht sollte die Stadt mal wieder in diese Richtung denken", schlägt er vor.

Als eine wichtige Säule des Altstadtfests hat sich unterdessen Khepera etabliert. Der Verein hat sich sozusagen auf dem Alten Friedhof angesiedelt und gewinnt mit seinem abwechslungsreichen Programm von Jahr zu Jahr mehr Besucher. Dieses attraktive Angebot aufrecht zu erhalten, würde dem Verein bei einem Jahr Pause schwerfallen, so der Vereinsvorsitzende Marco Dörheit. "Wir haben sowieso schon recht wenig Mitstreiter. Da habe ich wirklich Angst, dass wir uns verlieren, wenn wir uns nur alle zwei Jahre für die Vorbereitung des Altstadtfestes treffen", sagt er. "Die Veranstaltung ist für uns der Hauptact im Jahr. Aus zeitlicher Sicht bildet das Fest mittlerweile den Schwerpunkt bei unserer Vereinsarbeit."

Khepera sieht bei Lotterie Steigerungspotenzial

Deshalb hält Dörheit auch nichts von der Streichung eines Festtages. "Wir sind immer eine ganze Woche lang mit dem Aufbau beschäftigt. Für anderthalb Tage Altstadtfest ist dieser Aufwand dann einfach zu groß. Wir bieten ja tagsüber auch ein Programm für die ganze Familie an", möchte er die Khepera-Aktivitäten nicht nur auf eine "Oase für den Abend" beschränkt wissen. Ebenso kann der Vereinsvorsitzende dem Verzicht auf eine Bühne nichts abgewinnen. "Das trifft dann wieder die Gastronomen, die dort ihren Standplatz haben", gibt er zu bedenken.

Auch nicht rütteln möchte Marco Dörheit am freien Eintritt: "Das ist doch positiv für das Fest." Potenzial sieht er aber noch bei der Lotterie. "Wenn die Stadt die Lose verstärkt unters Volk bringt, eben übers ganze Jahr verteilt bei Veranstaltungen in der Stadt, dann bringt das mehr, als sie nur zum Altstadtfest zu verkaufen", ist der Khepera-Chef überzeugt.

Zwei-Jahres-Rhythmus für Gastronomen tödlich

Eine Jahrespause für das Altstadtfest würden wohl die Haldensleber Gastronomen ablehnen. Extra zum Altstadtfest kämen viele Auswärtige und würden sich ein Zimmer nehmen, erzählt Klaus-Dieter Poege. "Es sind viele ehemalige Haldensleber, die sich dort einmal im Jahr mit Freunden und Bekannten treffen. Das ist bereits zu einer Art Tradition geworden, würde dann aber wohl einschlafen", befürchtet er. Und bevor das Fest ganz sterben könnte, sollte vielleicht über eine Erhöhung der Standgebühr um vielleicht zehn Prozent nachgedacht werden, schlägt er vor.

Davon wiederum halten seine Kollegen wenig. Für Michael Richter wären diese Einnahmen nur ein Tropfen auf den heißen Stein, der das Problem nicht wirklich lösen würde. Elke Neubauer findet noch klarere Worte: "Das wäre für uns Gastronomen tödlich." Ebenso der Wechsel in den Zwei-Jahres-Rhythmus. "Das wird sich finanziell bemerkbar machen, für uns ist das Fest durchaus eine feste Größe", gibt sie zu bedenken. Selbst der Wegfall eines Tages wäre ein harter Einschnitt. "Wir haben ja sowieso nur zwei Abende, an denen es richtig brummt", verweist sie darauf, dass das Geschäft am Sonntagabend den Bierständen auf dem Marktplatz vorbehalten bleibt. Allerdings plädiert die Wirtin für den Kulturbeitrag. "Ich weiß gar nicht, was die Haldensleber damit für ein Problem haben", kann sie die Beschwerden darüber nicht nachvollziehen.

Mehr Transparenz von Seiten der Verwaltung wünscht sich Michael Richter. "Ich würde es gern sehen, wenn die Verwaltung mal die Kosten und Einnahmen auffächert. Dann kann man sich gemeinsam an einen Tisch setzen und nach Lösungen suchen", spricht er sich für die Bildung eines Arbeitskreises aus.

Umfrage von Stadt und Volksstimme

Die Stadtverwaltung ist derzeit dabei, sich in der Bevölkerung ein Stimmungsbild über die Zukunft des Altstadtfestes zu verschaffen. Dazu hat sie auf ihrer Internetseite (www.haldensleben.de) eine Umfrage gestartet, bei der über die drei Varianten abgestimmt werden kann.

Und auch die Volksstimme möchte von ihren Lesern gern wissen, welcher der drei Verwaltungsvorschläge der beste wäre, um die Zukunft des Altstadtfestes zu sichern, und hat dazu einen TED geschaltet. Rufen Sie uns dazu zwischen 6 und 18 Uhr an.

Das Ergebnis werden wir in der Dienstagausgabe veröffentlichen.

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