Stimmengewirr erfüllt den Raum in der Kulturfabrik. Der Partnerschaftsverein hat Flüchtlingsfamilien und die Asylbewerber aus dem Deutschkurs zu einem Adventsnachmittag eingeladen. Für einige ist es das erste Weihnachtsfest überhaupt, einige haben noch nie Schnee gesehen.

Haldensleben l "Wir haben eine Klassenarbeit zurückbekommen, und ich habe eine 2", erzählt Khadija ein bisschen stolz. Die Neunjährige besucht die 3. Klasse der Erich-Kästner-Schule und spricht akzentfrei deutsch. Dabei ist Khadija erst vor etwas mehr als einem Jahr mit ihrer Familie aus Tschetschenien nach Deutschland gekommen. "Deutsch habe ich ganz schnell gelernt", versichert Khadija. Sie ist ein fröhliches, offenes Mädchen. Ihr Bruder Askhab hält sich mehr zurück. "Er ist sehr ruhig", sagt seine Mutter Luiza Alieva. Askhab geht in die 1. Klasse und ihm fällt es nicht ganz so leicht, die neue Sprache zu lernen. Die einjährige Schwester Hava wird es leichter haben. Zu Hause allerdings wird meist die Muttersprache gesprochen. Da sind solche Treffen mit Einheimischen gut.

Am Heiligabend wird auch in der Wohnung der Familie Alieva ein Weihnachtsbaum stehen. "Die Kinder hören das hier von ihren neuen Freunden", sagt Luiza Alieva. Sie sucht immer mal wieder nach dem passenden deutschen Wort, kommt aber gut klar. In Tschetschenien wurde Silvester und Neujahr gefeiert, doch auch 2013 beim ersten Weihnachtsfest in Deutschland gab es schon einen Weihnachtsbaum.

Zum dritten Mal hat der Haldensleber Partnerschaftsverein Asylbewerberfamilien eingeladen, um sich gegenseitig kennenzulernen. Diesmal stehen selbstgebackene Plätzchen und Lebkuchen auf den Tischen, denn die Gastgeber wollen auch ein bisschen von der weihnachtlichen Tradition vermitteln. An einem Tisch baut Heike Karow vom Förderverein Wichmannsburg mit den Kindern kleine Knusperhäuschen aus Keksen und Zuckerguss. Die werden später sorgsam nach Hause getragen.

Auch die Flüchtlinge aus Afrika, die in der Gemeinschaftsunterkunft leben und bei Jutta Helmecke Deutsch lernen, sitzen an diesem Nachmittag mit an den Tischen. Die meisten haben dennoch ihre Schnellhefter mitgebracht, in denen ihre Übungsblätter gesammelt sind. Jutta Hel- mecke ist des Lobes voll über ihre Schüler. Sie sind sehr fleißig, lernen auch in der Gemeinschaftsunterkunft und helfen sich gegenseitig. "Sie wollen unbedingt deutsch sprechen können ", versichert die Lehrerin im Ruhestand. Leider kann sie sich noch immer nicht alle Namen merken und richtig aussprechen, bedauert sie. Der Kurs ist seit Beginn auch noch gewachsen. Aber es läuft alles gut. Und wenn Jutta Helmecke mal nicht da ist, übernimmt eine andere Lehrerin aus dem Verein den Unterricht.

Die Haldensleberin hat inzwischen auch einiges über ihre Schüler erfahren. Schicksale von Hunger und extremer wirtschaftlicher Not bis zur Flucht vor Kriegen, die das Leben bedrohen. Die Sorgen um ihre Familien, die zurückgeblieben sind, haben sie mitgebracht. In Deutschland hoffen sie auf einen Neubeginn, sie wollen hier Fuß fassen. Die Sprache ist für sie ein wichtiger Schritt.

 

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