Ein ohrenbetäubendes Salutschießen mit elf Kanonen zu Ehren der heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute, Feuerwehrleute und Artilleristen, ließ die Luft in Wegenstedt vibrieren. Sogar Schützen von einem Verein aus Dardesheim im Harz waren mit historischer Technik angereist.

Wegenstedt l Erstmals in der 20-jährigen Vereinsgeschichte veranstalteten die Wegenstedter Schützen ein Böllerschießen. Zu Beginn erläuterten Kreisschützenmeister Hartmut Neumann und Lothar Czech, Kommandeur der Landes- böllerbatterie und Kreisböllermeister, die Abfolge des Schießens. Insgesamt gab jede Kanone fünf Schuss ab, zuerst einen Salutschuss, dann einen im langsamen Reihenfeuer, dann einen zur Vorstellung der Kanone, dann im schnellen Reihenfeuer und zum Schluss im gesamten Salut.

Die Kanoniere mit ihren schweren Geschützen hatten sich vor dem Schützenhaus aufgestellt und warteten auf das Kommando des Kreisböllermeisters. Den Anlass des Schießens gab die heilige Barbara, die Schutzpatronin der Kanoniere und Artilleristen.

Richard Tietge, der das Kanonenschießen in Wegenstedt organisiert hat, ist selbst im Besitz eines solchen Geschützes der Marke Eigenbau. Er nimmt dies immer wieder zum Anlass, solche Böllerschießen zu veranstalten. Der Überlieferung zufolge lebte Barbara als Tochter eines reichen Kaufmanns im 3. Jahrhundert in Nikomedien in der heutigen Türkei. Anstatt zu heiraten, wollte die junge Frau ihr Leben Christus widmen. Ihr heidnischer Vater war mit ihrem Bekenntnis zum Christentum nicht einverstanden, doch trotz all seiner teils sehr grausamen Maßnahmen behielt Barbara ihren christlichen Glauben bei. Ihr Vater brachte sie vor Gericht und enthauptete sie schließlich eigenhändig.

"Aufgrund ihrer bewegten Geschichte und ihres starken Glaubens gilt die heilige Barbara als Schutzpatronin vieler verschiedener Berufsgruppen und leidenden Menschen", erzählte Tietge. Sie gehöre zu den 14 Nothelfern der katholischen Kirche, allesamt Heilige aus dem zweiten bis vierten Jahrhundert. So verehren sie zum Beispiel die Bergleute als Schutzheilige, da sie sich der überlieferten Geschichte zufolge auf der Flucht vor ihrem Vater in einer Felsspalte versteckte, die sich auf wundersame Weise vor ihr geöffnet hatte. "Die heilige Barbara ist außerdem die Beschützerin der Gefangenen und der Sterbenden. Als Helferin gegen Blitze und Feuer gilt sie zudem, da ihre Geschichte besagt, dass ihr Vater nach ihrer Enthauptung von einem Blitz getroffen wurde. Außerdem gilt sie auch als Schutzheilige der Kanoniere", wusste der Wegenstedter zu berichten.

Insgesamt waren Schützen aus neun Vereinen angereist, um ihre elf Kanonen zu präsentieren. Vertreter des Schützenvereins Wolmirstedt, der Schützengilde Oebisfelde, des Schützenvereins Wellenberge aus Bebertal, Freunde vom Verband Deutscher Schwarzpulverkanoniere, des Schützenvereins Eichenbarleben, des Schützenvereins Rogätz, der Schützengilde 1485 Haldensleben und der Schützengilde Daresheim aus dem Harz luden ihre schweren Geschütze, um insgesamt 57 Schuss abzugeben.

"Es ist ein wahrlich sehenswertes Spektakel mit viel Lärm", so schwärmte Wegenstedts Schützenvereins-Vorsitzende Almute Eggeling.

Es folgte ein deftiges Frühstück, bei dem der ein oder andere die Leidenschaft zum Kanonen- und Böllerschießen entwickelt oder verstärkt hat. In geselliger Runde kamen die Freunde des Kanonendonners auf die Idee, das Böllerschießen im nächsten Jahr in Daresheim zu veranstalten. Die Harzer Gilde feiert 2015 nämlich das 20-jährige Bestehen ihres Vereins.

Czech, der Kommandeur der Landesböllerbatterie, bedankte sich bei allen Helfern, beim gastgebenden Wegenstedter Schützenverein und im Besonderen beim Kanonier Richard Tietge.