Asylbewerber aus Serbien, Bosnien, Mazedonien, dem Kosovo, der Türkei und aus Indien leben seit wenigen Tagen in der früheren Kaserne in Weferlingen. Eine Unterstützergruppe hat die ersten 50 Flüchtlinge zur Begrüßung eingeladen. Der erste Deutschunterricht wurde gut angenommen.

Weferlingen (mb/aro) l "Alle 35 sind zur ersten Deutschstunde gekommen, sie haben auch die Kinder mitgebracht, die haben dabei gespielt", erzählt Gaby Rohr über die ersten Flüchtlinge, die in Weferlingen angekommen sind. Sie hat sich spontan entschlossen, den Flüchtlingen zu helfen, zunächst mit einer Deutschstunde in der Woche für die erste Gruppe. Der Unterricht musste erweitert werden, als die zweite Gruppe kurz vor Weihnachten eintraf.

Auf Initiative von Martin Krems-Möbbeck (SPD), Mitglied des Stadtrats Oebisfelde-Weferlingen, war eine Gruppe aus Vertretern von Institutionen und Vereinen entstanden, die den Neuankömmlingen das Fußfassen erleichtern will. Inzwischen leben etwa 50 Asylbewerber, rund zehn Prozent davon sind Kinder, in der Gemeinschaftsunterkunft. In der zweiten Januarhälfte werden voraussichtlich die nächsten Flüchtlinge in den Landkreis Börde kommen, damit auch nach Weferlingen.

Zum Begrüßungsnachmittag für die ersten Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft werden die Neuankömmlinge abgeholt und zum Haus der Generationen und Vereine geführt. Hier hatten viele fleißige Helfer die Tische festlich eingedeckt. Olga Teier und Ekrem Tahiri stehen Martin Krems-Möbbeck zur Seite, als er die Flüchtlinge begrüßt. Die junge Frau aus Weferlingen übersetzt für die Inder ins Englische. Ekrem Tahiri ist der Vorsitzende von Romano Drom, der Selbstorganisation der Roma in Sachsen-Anhalt. Er stammt aus dem Kosovo und übersetzt für die Flüchtlinge vom Balkan ins Serbische. "Die Inder können erstaunlich gut englisch", versichert Jonas Mago. Der junge Mann aus Rätzlingen, der ein Jahr in den USA gelebt hat, sitzt bei den Indern am Tisch, übersetzt weiter und beantwortet Fragen. Seine Tischnachbarn Rajesh Chauhan und Vijay Pagor haben viele Fragen. Gern hätten sie ein Englisch-Deutsch-Wörterbuch, das würde auch beim Deutschlernen helfen. Sie sind gerade erst angekommen und sind noch dabei, sich zu orientieren. Jonas´ Vater, Jörg Lauenroth-Mago, Stadtrat der Grünen, sitzt am Nachbartisch und führt ebenfalls erste Gespräche mit jungen Leuten aus Indien.

Immer wieder werden die Gespräche unterbrochen, denn die Unterstützergruppe hat nicht nur für Leckereien und selbstgebackenen Kuchen gesorgt, sondern auch für Unterhaltung. Vier Mädchen aus der Grundschule Weferlingen singen für die Gäste, auch Schulleiterin Sabine Nieber ist gekommen. Imke Kruse und Sophie Witsch spielen Akkordeon. Maxi Möbbeck und Lukas Schönknecht singen, Frauke Sonnenburg spielt dazu Gitarre. Dann stimmt Frauke Sonnenburg das Herdelezi-Lied an. Sie hat gefragt, ob jemand mitsingen würde, doch niemand traut sich, wenn einigen auch die Rührung anzusehen ist. Dieses Lied ist so etwas wie die Hymne der Roma, wenn auch das Fest im Mai gefeiert wird, sagt die Magdeburgerin, die als Sozialpädagogin beim Sozialamt in Magdeburg Flüchtlinge betreut. Sie hatte das Lied vor geraumer Zeit einmal für Flüchtlinge gelernt.

Mehr Mut zum Singen hat Sonam Rao. Die junge Inderin, die mit ihrem Mann Jayvir nach Deutschland gekommen ist, stimmt ein Lied aus ihrer Heimat an, ihre Landsleute stehen auf und applaudieren begeistert. Die Neuankömmlinge haben ein Stück Heimat mitgebracht. Und Gaby Rohr gelingt es dann doch, dass alle im Saal gemeinsam singen. Sie bringen dem kleinen Matija aus Serbien ein Ständchen. Matija schaut ein wenig scheu vom Arm seiner Mutter Milica Stanojevic auf die vielen Menschen, die "Happy Birthday" für ihn singen, der Junge ist an diesem Tag drei Jahre alt geworden.

Willkommen heißt der Ortsbürgermeister Hans-Werner Kraul die Asylbewerber. Dirk Kuthe, der Vorsitzende des MTV, stellt den örtlichen Sportverein vor und lädt die Frauen und Männer ein, mitzumachen. Diakon Bernhard Neumann von der katholischen Pfarrei St. Christophorus begrüßt die Flüchtlinge, stellt Erna Kasparek von der Weferlinger Gemeinde vor, lädt ein zum Gottesdienst in der katholischen, aber auch in der evangelischen Kirche. Extra zur Begrüßungsrunde nach Weferlingen gekommen ist auch Karsten Arndt. Der Sozialarbeiter des Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt (AWO) verspricht, bei Problemen zu helfen. Er wird zu Sprechstunden kommen, ist auch telefonisch erreichbar.

Die Unterstützergruppe will weiter helfen, versichert Martin Krems-Möbbeck. Gemeinsam mit seiner Frau Susi Möbbeck, der Integrationsbeauftragten der Landesregierung von Sachsen-Anhalt, hat der Walbecker diese Unterstützung organisiert. Die Gruppe hofft auf weitere Hilfe aus der Bevölkerung. Sachspenden sind willkommen. Winterkleidung, vor allem für Kinder, wird noch gebraucht, auch Kinderwagen. Die Spenden können direkt in der Gemeinschaftsunterkunft bei der Heimleitung beziehungsweise beim Sozialarbeiter abgegeben werden.

   

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