Schwarz ist die Farbe, die Jochen P. Heite am meisten reizt. In seiner Ausstellung in der Kulturfabrik Haldensleben, die am Sonntag eröffnet wird, ist das sichtbar - in unzähligen Nuancen und Schattierungen.

Haldensleben l Eigentlich sei er ja noch ein junger Künstler sagt Jochen P. Heite und lächelt verschmitzt. Denn professionell beschäftige er sich mit der Malerei erst seit etwa 15 Jahren. Und dennoch hat die Kunst, auf welche Art und Weise auch immer, sein ganzes Leben mitbestimmt. Er wollte sogar mal Sänger werden und hat in Bösdorf einige Jahre einen Männergesangverein dirigiert.

Aufgewachsen in Samswegen und Bleiche, hat der 74-Jährige nach einem StudiAnfang der 1960er Jahre seine erste Lehrerstelle in Bösdorf angetreten. Die 4. Klasse aus Bösdorf unterrichtete er anschließend an der Schule in Rätzlingen weiter, absolvierte ein Fernstudium Kunst in Erfurt, und kam schließlich an das Heinrich-Heine-Gymnasium in Haldensleben. Einige der Schüler habe er so bis zum Abitur begleitet, erzählt Heite.

Aus persönlichen Gründen verließ der Mathe- und Kunst-Lehrer in den 1970er Jahren Haldensleben. "Lehrer war nicht meine Herzenssache", sagt er heute, eigentlich wollte er eher etwas Praktisches machen, etwas Künstlerisches. Mehr durch Zufall fand er eine Anstellung als Kulturfunktionär im Krankenhaus Schwedt. Dort organisierte er ein Podium für Rezitatoren und erste Ausstellungen mit Künstlern. Wieder Zufall, dass er von einer freien Stelle als Theatermaler und Bühnenbildgestalter im Prenzlauer Theater erfuhr. Da er als Gastbühnenbildner Kontakt zum Magdeburger Theater bekam, wechselte er 1984 schließlich in die Elbestadt, näher heran an seine frühere Heimat. 1989 wurde in Griechenland eine Ausstellung mit Bühnenbildern von Werken des griechischen Schriftstellers Nikos Kasantzakis geplant, und da Heite ein Bühnenbild zu "Alexis Sorbas" gestaltet hatte, wurde er eingeladen. Es gelang ihm, heimlich eine Kopie des Bühnenbildes nach Griechenland zu schicken. Drei Einladungen an ihn wurden im Ministerium aber einfach nicht bearbeitet. Auf Nachfrage hieß es, das müsse das Theater entscheiden. Doch auch der Theaterchef entschied nichts.

"Da bekam ich einfach Panik", erinnert sich Jochen P. Heite. Da aber ein Besuch bei seinem Onkel in Westdeutschland genehmigt wurde, fuhr er über die Grenze und blieb. "Innerhalb von drei Stunden hatte ich meinen Pass nach Athen." Und in Griechenland schenkte man ihm einen 14-tägigen Aufenthalt auf Kreta. Die Insel hatte ihn immer schon interessiert. So blieb er einfach, fuhr mit dem Bus überall hin, sah sich die Klöster an, versuchte, Unterricht zu geben, malte für Touristen. "Es war nicht einfach, mit der Nase über Wasser zu bleiben", sagt er heute, doch missen möchte er die zwei Jahre nicht. Arbeiten aus dieser Zeit zeigt die Ausstellung im ersten Obergeschoss.

Inzwischen waren die Grenzen offen. Jochen P. Heite kehrte nach Deutschland zurück, erhielt eine Anstellung als Ausstattungsleiter am Theater von Freiberg in Sachsen. Über Stuttgart kehrte er in die Heimat zurück. Franz Heller, der langjährige Leiter der Haldensleber Künstlergilde, war es, der ihn dazu bewog, nach Haldensleben zu ziehen. Künstlerische Heimat fand er in der Künstlergilde, der er bis heute verbunden ist. Inzwischen wohnt er in Magdeburg, näher ran an den Verband Bildender Künstler Sachsen-Anhalt, dem er einige Jahre als Vorsitzender vorstand.

Die Ausstellung in Haldensleben ist für Jochen P. Heite etwas ganz Besonderes. Sie gibt einen Einblick in verschiedene Schaffensphasen. Im Obergeschoss zum Beispiel ist die Farbe Schwarz vorherrschend. Sie taucht auf in Ölfarbe, Lasur, stumpfer Ölfarbe, pastösem Öl, stumpfer Ölkreide und schwarzen Pigmenten. Und sie ist kein Zeichen von Trauer. Jedes Bild lebt, je mehr sich der Betrachter damit auseinandersetzt. Das Selbstbildnis besticht vor allem.

Jochen P. Heite kann sich durchaus vorstellen, dass er Bilder an Unternehmen oder Institutionen verleihen würde, wenn die Ausstellung endet. Die Bilder sind teilweise sehr groß, brauchen viel Platz.