Überraschende Wendung fürs Altstadtfest: Aller Vorraussicht nach wird es 2015 doch wieder eine Lotterie geben. Einer Rückkehr zum Eintritt hat der Hauptausschuss jedenfalls eine Absage erteilt.

Haldensleben l "Ich stehe auf dem Punkt, dass wir es noch einmal mit der Lotterie versuchen sollten", erklärte Bürgermeister Norbert Eichler (CDU)am Donnerstagabend bei der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses. "Wir sollten verstärkt an Betriebe herantreten, Lose als Geschenk für ihre Mitarbeiter oder Geschäftskunden zu kaufen. Wenn es dann nicht funktioniert, müssen wir zum Eintritt zurückgehen oder uns etwas ganz anderes überlegen."

Doch zumindest zu Beginn der Diskussion schien es nicht, als würde dieser Vorschlag eine Mehrheit finden. Der städtische Schul-, Sozial-, Kultur- und Sportausschuss hatte sich bereits mehrfach mit dem Thema Altstadtfest beschäftigt. Bei seiner Sitzung im November hatten die Mitglieder eine Wiedereinführung des Eintritts mehrheitlich befürwortet. Die Kassierung an den Einlasspunkten sollten die im Stadtrat vertretenen Fraktionen absichern.

Darüber hinaus hatte die Stadt eine Online-Befragung geschaltet. Auch hier stimmten die meisten Teilnehmer für das Eintritt-Modell. Weitere Varianten hätten darin bestanden, auf einen Festtag oder eine Bühne zu verzichten beziehungsweise das Altstadtfest nur noch alle zwei Jahre stattfinden zu lassen.

"Feste wachsen an ihren Traditionen. Wir sollten die Bürger nicht immer wieder mit neuen Ideen aufschrecken."

Marlis Schünemann (CDU)

"Wir befassen uns heute mit einer Beschlussvorlage, mit der sich schon mehrere Ausschüsse beschäftigt haben", fasste Roswitha Schulz (Linke) zusammen. "Ich maße mir nicht an, dass wir hier im Hauptausschuss alles besser wissen. Wir sollten die Arbeit der Ausschüsse nicht negieren."

Gleichwohl habe sie angesichts der Vorlage "große Bauchschmerzen". "Was mich bewegt, ist die praktische Durchführung", betonte Ros-witha Schulz. Die einzelnen Fraktionen müssten sich ausreichend Leute suchen, um die Kassierung sicherzustellen. Andererseits habe die Verwaltung darauf hingewiesen, wie schwierig dies sei. Hintergrund: Die Probleme bei der Suche nach Helfern und Streitereien mit Bürgern bei der Einlasskontrolle waren vor einigen Jahren maßgebliche Gründe, den Eintritt abzuschaffen."Wir nehmen uns als Fraktionen in die Pflicht und müssen das stemmen. Aber ich habe auch keine anderen Lösungsvorschläge. Ich würde der Vorlage mit Bauchschmerzen zustimmen", sagte Roswitha Schulz.

Marlis Schünemann (CDU) sprach sich dafür aus, der Lotterie noch ein Jahr Zeit zu geben. "Feste wachsen an ihren Traditionen. Wir sollten die Bürger nicht immer wieder mit neuen Ideen aufschrecken." Dem schloss sich Mario Schumacher (CDU) an: "Wenn man wieder Eintritt kassiert, müssen wir das Festgebiet wieder absperren. Das bedeutet einen hohen Aufwand. Wir sollten es noch einmal mit der Lotterie probieren."

"Die Lotterie hat uns schon zweimal gezeigt, dass sie kein guter Weg ist."

Boris Kondratjuk (Bürger für Bürger)

Boris Kondratjuk (Bürger für Bürger) hielt dagegen: "Wir haben in den letzten Jahren ganz schlechte Einnahmen gehabt und die Kommune übermäßig belastet. Die Lotterie hat uns schon zweimal gezeigt, dass sie kein guter Weg ist."

Von 25 000 gedruckten Losen wurden 2014 gerade einmal 13 200 verkauft. Gleichzeitig musste die Stadt für das Altstadtfest soviel Geld zuschießen wie nie zuvor. Bei Gesamtkosten von rund 180 000 Euro kamen 124 000 Euro aus dem städtischen Haushalt.

"Das wir etwas machen müssen, ist klar", betonte Boris Kondratjuk. "Wir brauchen heute eine Entscheidung. Das Experiment mit der Lotterie ist nicht gelungen."

Dass die Zeit langsam knapp werde, machte auch Dezernent Henning Konrad Otto deutlich: "Wenn wir das Altstadtfest 2015 durchführen wollen, können wir nicht mehr lange warten. Es ist ein Vorlauf von mindestens einem halben Jahr nötigt."

Bei der Abstimmung votierte die Mehrheit der Mitglieder dann mit "Nein". "Damit ist die Vorlage nicht angenommen und es bleibt bei der Lotterie", fasste Norbert Eichler zusammen. Gleichzeitig sollen jedoch die Standgebühren leicht angehoben werden. Auch die Zusammenarbeit mit einem anderen Radiosender werde man prüfen.

"Nach der gestrigen Entscheidung muss nun mit dem Landesverwaltungsamt gesprochen werden, ob ein dritter Versuch genehmigungsfähig wäre. Gesprächsbereitschaft wurde von dort aber bereits signalisiert", erklärt Stadtpressesprecher Lutz Zimmermann am Freitag.