Mit einem Gast aus China sind die Schulanfänger aus dem Flechtinger Kinderstübchen in das neue Jahresprojekt gestartet. Um "Die Kinder der Welt" geht es in diesem Jahr. Mit verschiedenen Aktionen wollen die Kinder erfahren, wie es woanders auf der Welt zugeht.

Flechtingen (cbo) l Neugierig hocken die Mädchen und Jungen um den Globus herum. Ankica Angelova Velichkovska zeigt ihnen auf dem Erdenball, woher sie kommt - aus Mazedonien. Zumindest können sie sich nun vorstellen, dass sie aus einem anderen Land kommt. Und das merken sie auch an ihrer Sprache. Denn die junge Frau kann erst einige Worte deutsch sprechen, sie ist seit ein paar Wochen im Praktikum im Flechtinger Kinderstübchen, denn sie hat in ihrer Heimat ein Studium als Erzieherin absolviert. Mit ihrem Mann ist sie nach Deutschland gekommen. Und während er bereits arbeitet, wird sie jetzt erst noch einen Deutschkurs absolvieren.

Die Kinder mögen Ankica, sprechen sie wie die anderen Erzieherinnen mit dem Vornamen an und spielen gern mit ihr. Auch vier Kinder aus der Tagesstätte haben Eltern, die aus anderen Ländern kommen, und zwar aus Chile, Uruguay, Bulgarien und der Slowakei. Sie haben sich alle schnell eingelebt, haben Freundschaften geschlossen und gehören jetzt einfach hierher.

All das hat mit dazu beigetragen, dass sich Kita-Leiterin Steffi Hornack, Antje Rohloff und Veronika Plaasch gemeinsam damit beschäftigt haben, wie sie die Kinder mit anderen Nationen und ihrem Leben vertraut machen können. Entstanden ist die Idee bereits im Sommer des vergangenen Jahres, erzählt Steffi Hornack. Damals hatten die Kinder Besuch aus Tansania. Die Kinder waren fasziniert von den Gästen. Die Kleinsten betrachteten staunend die dunkle Haut der Besucher und einige versuchten sogar, sie zu streicheln. Gebannt sahen sich die Mädchen und Jungen einen Film über Kinder in der Vorschule Nambala an.

Daraus entwickelte sich das Projekt "Die Kinder der Welt". Dass Antje Rohloff und Veronika Plaasch daran besonders mitgearbeitet haben, begründet sich auch darin, dass sie in der Igelgruppe und in der Kleeblattgruppe arbeiten. In diesen beiden Gruppen werden die 18 Mädchen und Jungen betreut, die in diesem Jahr zur Schule kommen. Sie sind besonders neugierig auf die Welt. Gedacht ist das Projekt, zu dem auch ein großes thematisches Sommerfest gehört, aber für alle Kinder, es soll entsprechend dem Alter umgesetzt werden.

"Gemeinsam mit Kindern, Eltern und externen Bekannten wollen wir das Projekt gestalten und erleben", wandten sich die Erzieherinnen gemeinsam an die Eltern. "Auch Postkarten und Erzählungen der Kinder, die im Ausland Urlaub machen, sind immer wieder interessant und bereichern das Wissen", erklären sie und bitten die Eltern, das Projekt zu unterstützen. Steffi Hornack hatte gerade für einen spannenden Start in diese Aktion gesorgt. Die Emdenerin brachte nämlich Mathias Weiß und Jin Shi mit, die den Vorschulkindern China näher brachten. Mathias Weiß ist ebenfalls Emdener, er arbeitet zwar gegenwärtig im Generalkonsulat in Kaliningrad, war aber auch schon mehrere Jahre in China im Einsatz. Mit Jin Shi aus Shanghai brachte er ein Stück China in den Kindergarten.

Zuerst wollten die Gäste wissen, ob die Kinder denn China schon auf dem Globus finden. Jonas war sich da ganz sicher. Schnell fand er das große Land mit den Pandabären. Dann lernten die Kinder, wie man sich in China begrüßt. "Ni Hao", so sagen die Chinesen, wenn Deutsche "Guten Tag" meinen. "Du gut" heißt das eigentlich wörtlich, erzählte Mathias Weiß. Jin Shi brachte den Kindern auch bei, was Danke bedeutet, das hörte sich an wie "Cheche".

Und dann las er die Namen der Kinder auf chinesisch vor. Da mussten die Kinder ganz schön raten, denn so einfach waren manche Namen nicht rauszuhören. Jedes Kind bekam einen Zettel, auf dem sein Name auf Chinesisch stand und bedankte sich mit "Cheche". Jin zählte mit den Mädchen und Jungen noch bis zehn, natürlich in chinesisch, und beantwortete viele Fragen.

Sie sahen eine Teeblüte in der Glaskanne aufblühen und tranken mit den Gästen gemeinsam Tee, probierten chinesische Süßigkeiten, verfolgten einen lustigen, nicht synchronisierten Zeichentrickfilm und staunten über Bilder aus Shanghai. Die Gäste hatten auch Gegenstände aus China mitgebracht wie einen aus Rosenholz geschnitzten Glücksbringer, der etwa dem deutschen Hufeisen entspricht.

Sicher erinnern sich die Kinder noch lange an diesen Besuch, und nicht nur an Wolf, Bär und Fuchs aus dem Trickfilm.

 

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