Haldensleben l Sie hatte eine besondere Atmosphäre, die Vernissage, mit der die Werke von Jochen P. Heite in der Kulturfabrik präsentiert wurden. Das schwarze Sofa aus dem Erdgeschoss stand im Obergeschoss auf der Bühne, im "Schwarzen Salon", wie der Künstler den großen Raum bezeichnet hatte, als er seine Werke den einzelnen Etagen zuordnete. Und auf dem Sofa nahm neben ihm Janina Otto, die Leiterin des Alsteinklubs in der Kulturfabrik, Platz. Die Stuhlreihen vor der Bühne waren besetzt, mehr noch, zahlreiche Besucher lauschten dem etwa einstündigen Ausstellungsauftakt stehend.

Mehrmals lockerte Musik das Gespräch auf, denn Janina Otto begrüßte an diesem Nachmittag nicht nur den Maler Jochen P. Heite, sondern auch den Cellisten, Klang- und Improvisationskünstler Matthias Marggraff. "Ich hätte nicht gedacht, dass das Cello auch schwarz ist", wandte sich Heite vom schwarzen Sofa aus an die Gäste. Für den Cellisten habe er sich entschieden, weil sich beide in der Gestaltung der künstlerischen Mittel ähnlich seien, wenn es auch beim einen um die Malerei und beim anderen um die Musik gehe. Die Gäste kamen an diesem Tag zu demselben Schluss. Sie waren von Bildern und Musik gleichermaßen begeistert.

Die Ausstellung war als "Retrospektive" angekündigt. Wie retrospektiv sei denn die Ausstellung nun, wollte Janina Otto als erstes vom Künstler wissen. Der Name sei eigentlich anfechtbar, entgegnete Heite. In der Regel zeige ein Künstler eine Retrospektive, wenn er vielleicht auf 40 Jahre Arbeit zurückblicke. Für ihn umfasst die Retrospektive auch seine Zeit als Lehrer, als Bühnenbildner, zum Beispiel Überlegungen zu Figurinen, und als Maler. Ob denn die schwarzen Bilder Abbild seiner Seele seien, fragte die Interviewerin. Wenn es nach seiner Seele gehe, dann gäbe es gelbe, grüne, jedenfalls heitere, eher frühlingshafte Bilder: "So kennt mich die Welt." Aber: "Meine Bilder waren noch nie so richtig bunt." Auch seine Bühnenbilder hätte er stets sehr zurückhaltend gestaltet, denn die Schauspieler seien die Wichtigen auf der Bühne. Der "karge Heite" hätte da beispielsweise aus seiner Magdeburger Zeit auch schon mal bei einer Theaterkritik in der Volksstimme gestanden.

"Ich würde keine schwarzen Bilder malen, wenn ich davon leben müsste. Aber ich bin im Rentenstand", meinte er. Und schwarz hätten schon andere vor ihm gemalt.

Für eine Ausstellung in Polen musste er ein Selbstbildnis liefern. Das ist hier zu sehen. Auf einem Bild könne sich der Betrachter spiegeln. "Hallo, I can see you", soll das heißen. Die (großen) Schuhe in einer Ecke geben Denkanstöße wie auch Heite mit Januskopf.

Kunst sei für ihn die Sprache zwischen Werk und Betrachter, erklärte der Maler weiter. Und er setze hier auch nur auf Raumlicht, nicht auf zusätzliche Strahler.

Die Bilder sind bis Mitte März zu sehen. Eine Finissage ist für den 14. März geplant: eine Nachtschicht "Black and White" mit experimenteller elektronischer Musik.

Heite leiht nach dieser Ausstellung seine Bilder gern für öffentliche Räume und auch Foyers von Unternehmen aus.